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    NeuhäuselUnterwegs mit Hund und Wohnmobil: Zwei Westerwälder entdecken Südamerika

    Birgit und Franz-Josef Droste mögen dem ein oder anderen tierlieben Westerwälder bekannt sein: Seit 1986 hatten sie die Tierarztpraxis in der Kirchstraße in Neuhäusel geführt. Doch heute, nach 30 Jahren, ist das Ehepaar sehr weit vom Westerwald entfernt. Im August 2016 haben sie sich aufgemacht, um mit ihrem braunen Labrador-Rüden Jaron und dem Wohnmobil, das sie „Tio“ (Spanisch „Onkel“) getauft haben, ganz Südamerika zu bereisen.

    Auf langen Reisen muss auch mal eine Pause sein: Franz-Josef Droste entspannt neben Wohnmobil „Tio“ auf dem „Salar de Uyuni“, einem vor 10 000 Jahren ausgetrockneten See, in Bolivien.   Fotos: Privat
    Auf langen Reisen muss auch mal eine Pause sein: Franz-Josef Droste entspannt neben Wohnmobil „Tio“ auf dem „Salar de Uyuni“, einem vor 10 000 Jahren ausgetrockneten See, in Bolivien. Fotos: Privat

    Die Idee zu ihrem Abenteuer hatten Birgit und Franz-Josef Droste 2012 bei einer Reisemobilausstellung in Düsseldorf, wo sie Fotos von einer Reise entlang der Panamericana sahen. Die Panamericana ist ein Netz von Schnellstraßen, das – mit einigen Lücken – den Norden und den Süden des amerikanischen Kontinents verbindet. Sie beschlossen, dass sie ein Jahr lang auf einer ähnlichen Route wie ihre Vorbilder auf der Ausstellung unterwegs sein wollten. Doch bevor es losgehen konnte, mussten einige Vorbereitungen getroffen werden. Das Ehepaar hatte zwar bereits Touren mit dem Wohnmobil unternommen, doch war dieses nicht tauglich für solch eine lange Reise und die südamerikanischen Bedingungen. Also kauften sie ein neues Wohnmobil und ließen es aufrüsten: „Tio“ wurde ein Allradantrieb, ein großer Wassertank mit Filteranlage und ein größerer Kraftstofftank verpasst. Auch auf die Ästhetik wurde geachtet, das Wohnmobil zieren nun eine große Weltkarte, auf der die beiden ihre bisherigen Reiseorte kennzeichnen können, ein Kompass und Hundepfotenabdrücke, damit auch Reisebegleiter Jaron sich wohlfühlt. Doch nicht nur das Fahrzeug wurde fit gemacht für die Reise: Die Drostes nahmen Spanischunterricht und machten sich mit den südamerikanischen Bräuchen und der Kultur bekannt. Nach einer Probereise durch Andalusien und Marokko konnte es also losgehen: Das Wohnmobil wurde von Hamburg aus nach Südamerika geschifft, die Überfahrt nach Montevideo dauerte ungefähr viereinhalb Wochen. Hund und Menschen flogen vier Wochen später hinterher und konnten ihren „Tio“ nach Überwindung einiger Sprachbarrieren aus dem Hafen fahren.

    Birgit und Franz-Josef Droste mit Hund Jaron sind hier in Ushuaia, der südlichsten Stadt Argentiniens, nicht wie das Schild suggeriert am „Ende der Welt“.
    Birgit und Franz-Josef Droste mit Hund Jaron sind hier in Ushuaia, der südlichsten Stadt Argentiniens, nicht wie das Schild suggeriert am „Ende der Welt“.
    Foto: privat

    Vor Ort stellten die Drostes fest, dass das Reisen in Südamerika einfacher ist, als erwartet und freies Übernachten im Wohnmobil nahezu überall möglich ist. Auch von der Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Südamerikaner sind die Westerwälder immer noch begeistert. Auf ihren Reisen werden sie immer wieder interessiert beobachtet, fotografiert und angesprochen. Was den Globetrottern allerdings immer wieder zu schaffen macht, sind die Formalitäten der Grenzübergänge. Für Hund Jaron muss jedes Mal ein umfangreiches Dokument erstellt werden, wofür ein tierärztliches Gutachten nötig ist. „Diese von uns unter großem Zeitaufwand beantragten Unterlagen werden dann von den Zöllnern des Einreiselandes zwischen sehr wichtig bis völlig unwichtig eingestuft – derartig unterschiedliche Vorgehensweisen rufen bei uns immer wieder Unverständnis und Kopfschütteln hervor“, erklärt Birgit Droste. Das Tier ist ansonsten recht unkompliziert und kann auch mal ein paar Stunden alleine im Wohnmobil verbringen. „Das ist auch für ihn manchmal eine bessere Lösung, Großstädte mag er wegen der Abgase und der vielen Menschen nicht besonders“, erklärt Birgit Droste. Auch in Restaurants oder Nationalparks ist der Hund oft nicht willkommen, weshalb manche Parks nur am Rande besichtigt werden können.

    Das Schönste, was die Reisenden bisher gesehen haben, war die Walbeobachtung auf der argentinischen Halbinsel Valdés. Dort findet sich zwischen Juni und September der „Ballena Franca Austral“, der Südliche Glattwal, ein, um sich zu paaren und seinen Nachwuchs großzuziehen. Die beeindruckenden Tiere kamen dabei bis auf 20 Meter an den Strand heran. „Während der Paarung, an der oftmals mehrere Tiere beteiligt sind, brodelt das Meer, und die erregten Wal-Laute dringen bis ans Ufer. Überwältigt von diesem gewaltigen Naturschauspiel haben wir mit feuchten Augen am Strand gesessen und einfach nur zugesehen“, erzählen die beiden glücklich. Natürlich gibt es aber nicht nur schöne Momente. Kürzlich wollten sie die Grenze nach Peru überqueren, was wegen eines korrupten Polizeibeamten in eine sehr langatmige Prozedur ausartete. Dank einiger Vermeidungsstrategien sind die Drostes bisher allerdings in keine bedrohlichen Situationen gekommen. Ihre drei Spiegelreflexkameras bleiben in Großstädten meist im Rucksack, dann wird mit dem Handy fotografiert. Obwohl ihr Wohnmobil dank verbesserter Batterie und Solarzellen auf dem Dach auch autonom stehen könnte, sind sie oftmals lieber auf Campingplätzen, weil das Fahrzeug dort sicherer steht. Auch auf Hinweise von Einheimischen, welche Orte besser zu vermeiden sind, konnten sich die beiden schon oft verlassen.

    Ihre Reiseroute haben die Westerwälder zuvor in groben Zügen geplant. Wenn sie von anderen Reisenden einen Tipp bekommen, welches Ziel besonders sehenswert ist, weichen sie jedoch auch mal von ihrer geplanten Strecke ab. Wenn es ihnen an einem Ort gefällt, bleiben sie ein paar Tage, wenn nicht, geht es weiter. Ihre Reise führte sie bisher von Buenos Aires über Uruguay nach Brasilien. Von dort sind sie über Paraguay nach Argentinien weitergereist, haben auf dem Weg nach Ushuaia mehrfach die Grenzen zwischen Chile und Argentinien überschritten und über Bolivien jetzt Peru, ihr siebtes südamerikanisches Land, erreicht. Gefallen hat ihnen bisher jedes Land, einen Lieblingsort haben sie nicht. Jedes Land hat seine eigenen Reize, so waren es in Uruguay die schönen Städte, in Chile die Küstenlandschaft und die Fjorde und in Brasilien die mächtigen Wasserfälle.

    Voraussichtlich werden sie im Frühjahr 2018 zurück nach Deutschland kommen, den Sommer hier verbringen und Termine erledigen. Diese Zeit wollen sie auch nutzen, um den nächsten Teil ihrer Reise, die Erkundung des nördlichen Teils der Panamericana von Halifax nach Mittelamerika, zu planen. Denn die beiden sind noch lange nicht fertig mit ihrer Welterkundung: Auf ihrer Wunschliste stehen unter anderem noch Südafrika, Australien und die Seidenstraße. Birka Kallenbach

    • Die Reisen von Birgit und Franz-Josef Droste können auf www.tio-on-tour.de verfolgt werden. Dort gibt es auch viele weitere tolle Fotos, Informationen und Reiseberichte zu sehen.

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