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Westerwaldkreis

Unkraut darf nicht mehr mit Chemie bekämpft werden

Das Verbot des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat auf öffentlichen Plätzen stellt auch im Westerwald Städte und Gemeinden vor Probleme. Bauhöfe und Gemeindearbeiter können nicht mehr überall den gewohnten Pflegestandard bieten.

Öffentliche Plätze wie der Parkplatz am Friedhof in Montabaur dürfen nicht mehr mit Chemie von Unkraut befreit werden.
Öffentliche Plätze wie der Parkplatz am Friedhof in Montabaur dürfen nicht mehr mit Chemie von Unkraut befreit werden.

Von Thorsten Ferdinand

und Angela Baumeier

Das rheinland-pfälzische Umweltministerium befürchtet, dass der Einsatz von Glyphosat zu gesundheitlichen Problemen führen kann. Das Pflanzenvernichtungsmittel Glyphosat darf seit Anfang Juli auf öffentlichen Flächen in Rheinland-Pfalz nicht mehr verwendet werden. Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) wies den Pflanzenschutzdienst an, aus Gesundheitsgründen keine Genehmigungen mehr dafür zu erteilen.Glyphosat wird unter der Produktbezeichnung „Roundup“ auch von privaten Hausbesitzern verwendet, um etwa Garagenzufahrten von Unkraut freizuhalten. „Die Hinweise auf eine gesundheitsschädliche Wirkung von Glyphosat verdichten sich“, erklärte Höfken. „Deshalb wollen wir den Einsatz des Mittels auf Landesebene so weit wie möglich einschränken.“ So gehe etwa die Weltgesundheitsorganisation WHO davon aus, dass der Wirkstoff krebserregend sei. Glyphosat-Rückstände waren unter anderem in der Muttermilch rheinland-pfälzischer Frauen gefunden worden. Die Kommunen suchen nun nach neuen Möglichkeiten, Unkraut unkompliziert und effizient von öffentlichen Wegen und Plätzen zu entfernen.

Die Stadt Montabaur zum Beispiel setzt keine chemischen Unkrautvernichtungsmittel mehr auf Straßen, Wegen und Plätzen ein, die gepflastert oder asphaltiert sind. Auf öffentlichen Flächen, die einen Belag aus Splitt, Kies oder Schotter haben, werden zunächst weiterhin die chemischen Substanzen gegen Unkraut gespritzt, bis eine andere Lösung für diese Beläge gefunden ist. Die asphaltierten oder gepflasterten Flächen werden ab sofort mit einer Wildkrautbürste behandelt, und in den Randbereichen wird das Unkraut mit einem Gasbrenner abgeflämmt. „Dieser Pflegeaufwand ist deutlich höher als bei der chemischen Unkrautbekämpfung. Die wurde ein- bis zweimal pro Jahr vorgenommen", erläutert Markus Kuch von der Grünflächenverwaltung der Verbandsgemeinde Montabaur. "Bei dem mechanischen Verfahren müsste jede Fläche mindestens monatlich oder noch öfter bearbeitet werden, was der Bauhof nicht immer und überall gewährleisten kann.“

Stadtbürgermeisterin Gabi Wieland bittet deshalb die Bürger um Nachsicht, „wenn in Zukunft mehr Grün in den Fugen und Ritzen zu sehen sein wird als bisher.“ Es sei nicht überall möglich, den gewohnten Standard beizubehalten, denn die Kosten für eine manuelle Unkrautentfernung würden an einigen Stellen ein Hundertfaches betragen, so Wieland kürzlich im Stadtrat. Sie erinnerte daran, dass die Hauseigentümer verpflichtet sind, die Gehwege vor ihren Häusern zu pflegen und von Unkraut frei zu halten. Die neue Regelung betrifft auch die städtischen Friedhöfe. „Diejenigen, die dort ein Grab betreuen, machen wir darauf aufmerksam, dass es zu ihren Aufgaben gehört, die Wege zwischen den Gräbern zu säubern“, so der Hinweis von Markus Kuch.

Von der Stadt Höhr-Grenzhausen werden ebenfalls keine chemischen Unkrautbekämpfungsmittel mehr eingesetzt. „Wir setzen momentan auf Handarbeit, und das dauert natürlich länger und verteuert die Sache“, verdeutlicht Stadtbürgermeister Michael Thiesen. Auch Salz oder andere Hausmittel wie Essig sind tabu. Gerade wurden drei Mitarbeiter des Bauhofs auf einem Seminar zu diesem schwierigen Thema geschult, berichtet Thiesen weiter und sagt: „Wir sind am Ball“. Konkret wird jetzt geprüft, ob ein Gerät, das mit Heißluft dem Unkraut zu Leibe rückt, gearbeitet werden soll. Die Stadt wird sich das Gerät vorführen lassen und dann prüfen, ob es Sinn macht, ein solches – gegebenenfalls gemeinsam mit anderen Gemeinden – zu erwerben. Doch bis dahin muss per Hand gerupft werden. Beschwerden seitens der Bevölkerung gibt es bislang im üblichen Rahmen, wenn beispielsweise Unkraut auf einem öffentliches Beet steht.

Das Pflanzenschutzgesetz sowie die rechtlichen Änderungen werden auch im Bauhof Westerburg eingehalten, so der Leiter des Bauhofs, Erster Beigeordneter Wolfgang Thiebaut. Während das Pflanzenschutzgesetz auf das „absolut notwendige Ausmaß“ den Einsatz von Herbiziden beschränkt, ist die Dienstanweisung an den Bauhof, keine Chemie einzusetzen. Nur in Ausnahmefällen wäre das Ausbringen geeigneter Mittel zur Unkrautvernichtung durch geschultes Personal denkbar. Zurzeit sind zwei voll ausgebildete Gärtner im Bauhof Westerburg beschäftigt. Neben der Handarbeit zur Unkrautbeseitigung können laut Thiebaut in der Regel Geräte wie Freischneider, Motorsense und Gasbrenner eingesetzt werden.

Montabaur Hachenburg
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