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    Dernbach

    Ulla Schmidt: ICE-Bahnhof war größter Erfolg

    Mit Ulla Schmidt (CDU, 68) tritt eine profilierte Politikerin aus dem Westerwald bei der Landtagswahl am Sonntag nicht mehr an. Die WZ hat mit ihr über die Zeit in Mainz und persönliche Perspektiven gesprochen.

    Die junge Ulla Schmidt mit markanter Hochsteckfrisur: Mehr als zwei Jahrzehnte hat die Landtagsabgeordnete aus Dernbach die Mainzer Landespolitik mitgeprägt.
    Die junge Ulla Schmidt mit markanter Hochsteckfrisur: Mehr als zwei Jahrzehnte hat die Landtagsabgeordnete aus Dernbach die Mainzer Landespolitik mitgeprägt.

    Dernbach - Mit Ulla Schmidt (CDU, 68) tritt eine profilierte Politikerin aus dem Westerwald bei der Landtagswahl am Sonntag nicht mehr an. Die WZ hat mit ihr über die Zeit in Mainz und persönliche Perspektiven gesprochen.

    Frau Schmidt, mehr als zwei Jahrzehnte Landespolitik – erinnern Sie sich noch an Ihre erste Landtagssitzung?
    Ich erinnere mich, dass wir alle vereidigt wurden und dass es auf der Besuchertribüne Beifall gab, weil eine Westerwälder Gruppe da war.

    Waren Sie nervös?
    Ja, das war alles sehr neu und für mich und sehr beeindruckend. Damals spürte man noch die Würde dieses hohen Hauses. Das Niveau und die Würde sind in den vergangenen 20 Jahren abgeflacht.

    Sie haben sich stets sehr für die Menschen im Westerwaldkreis eingesetzt. Was war aus Ihrer Sicht Ihr größter Erfolg für Ihre Heimat?
    Der größte Erfolg war sicher der ICE-Bahnhof. Seinerzeit war gar nicht klar, dass wir ihn kriegen. Es hieß, im Westerwald hält der nie, selbst wenn die Strecke dort verläuft. Damals haben wir wirklich mit harten Bandagen gekämpft, um zu erreichen, dass Ministerpräsident Rudolf Scharping den Vertrag überhaupt unterschreibt. Der ließ seinem hessischen Kollegen Hans Eichel den Vortritt. Ich habe Helmut Kohl mit ins Boot geholt. Das war ein harter Kampf. Da habe ich mich richtig reingehängt. Alle anderen Dinge mache ich auch gerne, aber das war ein Projekt, das hat unsere Region vorangebracht. Das war das Highlight und auch das, was die meiste Arbeit verursacht hat. Ein Schmankerl dazu: Der Bahnhof sollte mit ausländischen Keramikplatten verkleidet werden. Ich habe mich aber für die Westerwälder Firma Korzilius eingesetzt. Das ging aber nur mit sanfter Gewalt. Ich habe der Bahn erklärt, ich würde ausländische Keramikplatten persönlich mit der Spitzhacke von der Wand entfernen und dafür auch strafrechtliche Konsequenzen in Kauf nehmen. Ergebnis: Die Firma Korzilius bekam den Auftrag.

    Was war Ihre größte Niederlage?
    Die letzten Jahre bargen eine Menge Enttäuschungen. Alles, was wir in der Opposition wollten, wurde abgelehnt. Aktuell gibt es einen Fall. Ich hatte mich jetzt für das Krankenhaus Montabaur eingesetzt, das dem Urologen und dem Hals-Nasen-Ohren-Arzt gekündigt hat. Zurzeit kann niemand in diesen Fächern im Westerwaldkreis operiert werden. Der neue Verwaltungsleiter handelt für den Westerwald sehr unklug. Das war für mich eine große Enttäuschung.

    In welcher Weise hat (Landes-)Politik sich in den vergangenen 20 Jahren verändert?
    Das Niveau im Landtag als gesetzgebendem Haus ist abgeflacht. Der Zusammenhalt ist nicht mehr so, wie er einmal war, und das nicht nur innerhalb der einzelnen Fraktionen. Wir hatten früher nach der parlamentarischen Arbeit Treffen im Keller, um ein Glas Wein zu trinken, miteinander zu reden und persönliche Befindlichkeiten miteinander zu klären. Das gibt es nicht mehr.

    Die Union hat sich seinerzeit selbst in die Opposition befördert. Warum ist sie aus dieser Position bis heute nicht herausgekommen?
    Ich denke, dass die Gräben sehr tief waren. Und es gibt Persönlichkeiten, die sind im Abreißen besser als im Aufbauen. Ich will keine Personen nennen, aber es hätte nicht sein müssen. Es wollten manche zu schnell an Ämter, die sie dann ja nie mehr erreichen konnten. Das war eigentlich der Grund. Dass ich auf Bernhard Vogels Seite stand, weiß man. Ich habe sehr bewundert, dass er sein Leben ganz ausgerichtet hat auf die Politik. Der war für jeden da, auch wenn man neu war.

    Wie sehen Sie die Chancen, die SPD bei der Landtagswahl am 27. März doch noch zu überflügeln?
    Eine Opposition gewinnt nur, wenn die Regierungspartei Fehler macht. Die Fehler der SPD sind wahnsinnig groß. Projekte wie der Nürburgring müssen Privatinvestoren machen und nicht der Staat. Ich bin für die Unterstützung der Region, aber nach Maß. Das aber ist maßlos. Das Schlosshotel zeigt eigentlich nur die Haltung der SPD: Sie machen es einfach. Was mich am meisten schockiert hat, ist Justizminister Bamberger. Die Justiz muss frei bleiben von jeglicher politischer Weisung. Wenn man alles zusammennimmt, auch den Unterrichtsausfall, dann denke ich, dass sich so viel an Falschem aufgehäuft hat, dass wir Chancen haben. Wir können stärkste Partei werden.

    Was halten Sie von Ihrem Rivalen und Mitstreiter Harald Schweitzer?
    Persönlich habe ich absolut nichts gegen ihn. Mit seiner Frau verbindet mich sogar ein ganz herzliches Verhältnis. Ich würde über ihn kein schlechtes Wort sagen. Er hat sich auch bemüht, er hat seine Arbeit ordentlich gemacht und hat halt andere Ziele. Ich kann mich nicht über ihn beschweren.

    Welchen Ratschlag geben Sie Ihrer potenziellen Nachfolgerin Gabriele Wieland mit auf den Weg ?
    Vor allen Dingen, bürgernah zu sein und ihren Wahlkreis im Auge zu behalten und das nach Mainz zu tragen und ganz strikt, mit ganzer Kraft zu verfolgen. Es geht darum, ganz hart die Ziele zu verfolgen.
    Was wollen Sie bis zum Ende Ihrer Amtszeit noch erledigt haben?
    Den Zehnhäuser Weg in Ruppach-Goldhausen. Und noch ein paar Dinge, die ich beackere, aber das liegt mir jetzt noch am meisten am Herzen. Daneben auch die ICE-Initiative. Ich habe keine Angst, dass der Bahnhof verschwindet oder dass die Züge nicht mehr hier halten. Wir müssen nur bei jedem Fahrplan aufpassen, dass wichtige Pendlerverbindungen erhalten bleiben.

    Was wird ihnen am meisten fehlen?
    Nette Begegnungen. Sie haben hier die Chance, bei jedem Plenum interessanten Menschen zu begegnen – auch in den Ausschüssen. Da ergeben sich inhaltsreiche Gespräche mit gut informierten Menschen.

    Was haben Sie sich für die „Zeit danach“ vorgenommen?
    Ich möchte mit meinem Mann mehr reisen. Dann stehen von jeder Buchmesse Bestseller noch in der Ecke. Die möchte ich jetzt endlich lesen können. Ich werde auch weiter im Kreistag mitarbeiten. Auch mein Mandat im VG-Rat behalte ich, und ich werde auch wieder als Vorsitzende im CDU-Gemeindeverband Wirges kandidieren. Da gibt es noch etwas zu lösen.

     

    Lebenslauf Ulla Schmidt

    Persönliche Angaben

    Als siebtes Kind am 16.07.1942 in Kirchhellen/Feldhausen in einer sozial und christlich engagierten Familie geboren.

    Verheiratet, katholisch, 1 Sohn

    Ausbildung, beruflicher Werdegang

    1948- 1956 Volksschule

    1956 – 1959 Berufsschule

    1956 - 1959 Kaufmännische Berufsausbildung (Bürokauffrau)

    Sachbearbeiterin in Handel und Industrie

    Nach der Geburt des Sohnes vorerst Aufgabe des Berufslebens

    1969- 1970 staatliches Aufbaugymnasium Montabaur

    1970-1987  Pfarrer-Giesendorf-Grundschule Dernbach

    1981-1987 selbstständige Kauffrau (Buchhandel und Computer)

     

    Politische Weiterbildung

    Juni 1976 Teilnahme Landtagsseminar

    1977 Kommunalpolitisches Seminar an der Akademie Eichholz

              der Konrad-Adenauer-Stiftung

    1978 Abschluss wirtschaftspolitisches Seminar sowie sozialpolitisches Seminar

    1978 Diplom des Instituts für angewandte soziale Fähigkeiten

     

    Politische und gesellschaftliche Funktionen

    1972 Eintritt in die CDU

    1974  Orts- und Gemeindeverbands-Vorstandsmitglied

    1974 Einzug in den Westerwälder Kreistag

    1976 KPV-Kreisvorstandsmitglied und Schriftführerin

    1980 Stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU-Fraktion im Westerwälder Kreistag

    1984 bis 1999 Vorsitzende CDU-Kreisfrauen Union

    1994 Vorsitzende des Gemeindeverbandes Wirges

    Ausschüsse im Kreistag: Vorsitzende Frauenausschuss

    Mitglied im Kreisausschusses, Bauausschuss, Sozialausschuss, Schulträgerausschuss

    Mitglied im Kolpingwerk

    1987 Einzug in den Landtag von Rheinland-Pfalz

    2oo1 bis 2oo6 Vorsitzende des Europaausschusses im Landtag von Rheinland-Pfalz

    2003 bis 2009 Geschäftsführerin Sozial Sponsoring

    Mitglied Verwaltungsrat Kreissparkasse Westerwald

    Mitglied in Sportvereinen

    stellvertretende Vorsitzende Krankenhausförderverein,

     

    Gremientätigkeiten:

    Mitarbeit in den Landtagsausschüssen: Soziales, Schulen und Kultur,

    Petitionsausschuss

    2001-2006 Vorsitzende des Europaausschusses

    Seit 2006 Mitglied der Landesmedienanstalt Ludwigshafen:

    Ausschüsse für Jugendschutz, Technik und offene Kanäle

    Jurorin für Medienpreise

    Initiatorin des Lokalen Bündnis für Familien im Westerwaldkreis

    Mitglied der Enquetekommissionen des Landtages  

    „Verantwortung in der Medialen Welt“ 2oo9 bis 2o11

    Arbeit in der Industriegesellschaft (langfristige Folgen von Arbeitslosigkeit)11. Wahlperiode

    Seit 2009 Mitglied Verbandsgemeinderat Wirges

    Montabaur Hachenburg
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