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Montabaur

Streit im Kirchenvorstand: Neue Pfarrerriege soll Neubeginn ermöglichen

Katrin Maue-Klaeser

„Stachelige Zeitgenossen. Wie können wir mit schwierigen Menschen leben? Menschen, die uns überfordern oder uns alle Kraft rauben.“ So war ein Tagesseminar überschrieben, welches vor wenigen Tagen im evangelischen Gemeindehaus an der Pauluskirche gehalten wurde. War die Themenwahl ironischer Zufall – oder hatte sie mit der verfahrenen Situation in der evangelischen Kirchengemeinde Montabaur zu tun, die die Kirchenleitung nun mit dem Weggang beider Seelsorger lösen und einen Neustart mit komplett neuer Besetzung ermöglichen will? (Die WZ berichtete.)

Zu den Leidtragenden des Jahre währenden Konflikts zwischen den Montabaurer Pfarrern Michael Dietrich und Johannes Seemann zählen sich viele Jugendliche: Die Jugendarbeit läuft inzwischen schon viel zu lang ohne professionelle Leitung – ein gesonderter Bericht dazu folgt.
Zu den Leidtragenden des Jahre währenden Konflikts zwischen den Montabaurer Pfarrern Michael Dietrich und Johannes Seemann zählen sich viele Jugendliche: Die Jugendarbeit läuft inzwischen schon viel zu lang ohne professionelle Leitung – ein gesonderter Bericht dazu folgt.
Foto: Markus Müller

Im Jahre währenden Streit zwischen Pfarrer Michael Dietrich (Lutherbezirk) und Pfarrer Johannes Seemann (Paulusbezirk) habe die Kirchenleitung trotz mehrerer Versuche – Supervisionen, Dienstgespräche und Fortbildungen für den Kirchenvorstand – nicht mehr vermitteln können. „Ganz offiziell haben Pfarrer Seemann zum 31.7., Pfarrer Dietrich und Pfarrerin Jakob (frühere Dekanin des Dekanats Selters, jetzt in Teilzeit in der Gemeinde Montabaur eingesetzt, d. Red.) zum 31.8. ihre Stelleninhaberschaften zurückgegeben“, heißt es in einem Brief von Dekan Wolfgang Weik „an die Gemeindeglieder“, der an Gottesdienstbesucher verteilt wurde. Weik dankt allen drei Pfarrern, dass sie „durch ihre Schritte, sich umzuorientieren, diesen neuen Anfang für die Gemeinde möglich gemacht“ haben – und drückt sein Bedauern aus, dass durch den Weggang „viele Gemeindeglieder wichtige Bezugspersonen und manche auch ihren geistlichen Ansprechpartner verloren haben“.

Es habe in der Montabaurer Gemeinde bereits „einzelne“ Kirchenaustritte und Ankündigungen von Austritten gegeben, bedauert Weik, der in dem Brief an die Gemeinde von einem „großen Umbruch und auch Abbruch“ schreibt. Scheidende Gemeindeglieder beziehen sich ganz direkt auf den Weggang eines oder beider Pfarrer – und letztlich auch auf das erfolglose Krisenmanagement der Kirchenleitung, der es über Jahre hinweg nicht möglich war, „die Situation entspannen zu können“, wie Weik formuliert.

Sowohl Pfarrer Seemann als auch Pfarrer Dietrich werden, bevor sie in benachbarten Dekanaten oder Propsteien neue Aufgaben übernehmen, eine mehrwöchige Zeit der „Respiratio“, des „Durchatmens“, der Erholung und inneren Einkehr, wahrnehmen. Der Kirchenvorstand hat erbeten, dass Pfarrer Seemann, der noch Kinder in Montabaur in der Ausbildung hat, bis zum Jahresende mit seiner Familie im Pfarrhaus wohnen kann. Dies hat ihm die Kirchenleitung gewährt, wie dem Brief zu entnehmen ist. Derweil wird für die Kirchengemeinde ein sogenannter Vakanzverwalter eingesetzt, der auch den (stellvertretenden) Vorsitz des Kirchenvorstands übernehmen wird. Wer das sein wird, wird in den nächsten Wochen entschieden, es könnte beispielsweise ein Pfarrer aus einer Nachbargemeinde sein.

Nachdem aus dem Kirchenvorstand, der ursprünglich entsprechend der Gemeindegröße 17 Mitglieder hatte, mittlerweile neben dem Ausscheiden der beiden Pfarrer weitere Mitglieder ausgetreten sind, werden im August, nach den Sommerferien, Nachwahlen stattfinden: „Der Kirchenvorstand hat aktuell nur noch neun Mitglieder und ist so nicht mehr funktionsfähig“, sagt Dekan Weik. Über die Neubesetzung der Pfarrstellen wird der Kirchenvorstand diesmal indes nicht allein entscheiden: Sie wird in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau im stetigen Wechsel nach drei verschiedenen Modellen vorgenommen, erklärt das Dekanat Selters auf Nachfrage. An zwei Vergabeverfahren ist der Kirchenvorstand einer Gemeinde unmittelbar beteiligt. In Montabaur kommt nun die dritte Methode der Neubesetzung zum Tragen: Nachdem der Kirchenvorstand angehört worden ist, wählt die Kirchenleitung Bewerber aus und präsentiert diese dann der Gemeinde. Falls sich die Kirchengemeinde die Zusammenarbeit nicht vorstellen kann, hat sie ein Einspruchsrecht.

Der Abschiedsgottesdienst von Pfarrer Johannes Seemann beginnt am Sonntag, 23. Juli, um 10 Uhr in der Pauluskirche. Mehr über die Kirchengemeinde lesen Sie, wenn Sie das Foto mit unserer RZplus-App scannen.

Von unserer Redakteurin Katrin Maue-Klaeser

Montabaur Hachenburg
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