40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » Westerwälder Zeitung
  • » Sie hatten einen Bauernhof im Westerwald im Visier: Betrüger erhalten Freiheitsstrafen zur Bewährung
  • Aus unserem Archiv

    MontabaurSie hatten einen Bauernhof im Westerwald im Visier: Betrüger erhalten Freiheitsstrafen zur Bewährung

    Ein nicht alltäglicher Fall beschäftigte jetzt das Schöffengericht Montabaur: Zwei in Frankreich lebende Männer wurden zu Freiheitsstrafen verurteilt, weil sie sich im Dezember 2012 gemeinsam mit zwei weiteren Verbündeten zum banden- und gewerbsmäßigen Betrug verabredeten. Und das war ihre Masche: Die Bande täuschte 2012/13 lukrative Immobiliengeschäfte vor; die entsprechenden Verkaufsobjekte – ein Bauernhof im Westerwald sowie drei Hotels in Deutschland – hatte sie im Internet ausgespäht.

    Eine Betrüger-Bande täuschte 2012/13 lukrative Immobiliengeschäfte vor. Auch auf einen Bauernhof im Westerwald hatte sie es abgesehen.
    Eine Betrüger-Bande täuschte 2012/13 lukrative Immobiliengeschäfte vor. Auch auf einen Bauernhof im Westerwald hatte sie es abgesehen.
    Foto: dpa

    Gegenüber den Objektbesitzern gab sie an, potenzielle Käufer zu haben. Ein Teil des Geldes sollte bar übergeben werden – also an der Steuer vorbei. Die Betrüger bestellten die Käufer in ein mondänes Hotel im Ausland, mal in Paris, mal in Brüssel. Dabei schlugen sie ihnen ein zusätzliches, attraktives Nebengeschäft vor: Sie behaupteten, kleine Geldscheine zu benötigen. Der Käufer solle eine bestimmte, hohe Summe in Geldnoten mitbringen, für den Tausch würde er eine hohe Provision kassieren. Dabei wollte die Bande ihrem Opfer Falschgeld unterjubeln. Bekannt ist diese Betrugsmasche als sogenannter Rip-Deal. Pech für die Bande war, dass der Westerwälder Objektbesitzer Verdacht schöpfte und Anzeige erstattete. Daraufhin wurde eine verdeckte Ermittlerin tätig. Bevor Geld floss, wurde die Bande in Paris verhaftet: Die Ländergrenzen überwindenden Ermittlungen hatten zum Erfolg geführt.

    Der Haupttäter saß sieben Monate in Haft, dann wurde er zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt, die auf Bewährung ausgesetzt wurde. Seine drei Kompagnons sollten sich nun zur Verhandlung in Montabaur wiedertreffen – doch nur zwei Angeklagte erschienen. „Ich habe gerüchteweise gehört, dass mein Mandant verstorben ist“, erklärte die Verteidigerin des dritten Mannes. Ein Anruf bei dessen Ehefrau in Frankreich bestätigte das Gerücht.

    Die „übrig gebliebenen“ zwei Angeklagten zeigten sich geständig und räumten eine aktive Mittäterschaft ein. „Wir haben es hier nicht mit den Drahtziehern zu tun, das ist mir bewusst“, erklärte Richter Ludger Grieser zu ihrer Rolle in der Bande. Das Schöffengericht folgte in seinem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft und verurteilte den jüngeren Angeklagten (36) zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten, den älteren (38) zu insgesamt 16 Monaten. In beiden Fällen wurde die Strafe auf Bewährung ausgesetzt, die Bewährungszeit beträgt zwei Jahre. Die jeweiligen bestehenden Haftbefehle wurden aufgehoben. Die Angeklagten haben die Prozesskosten zu tragen. Angesichts der geschilderten Einkommens- und Vermögensverhältnisse bezweifelte Richter Griesar, ob das je geschehen werde. Beide Angeklagte sind verheiratete Familienväter mit mehreren Kindern, die ohne Berufsausbildung dastehen und mit geringen Verdiensten auskommen müssen. Die von der Staatsanwaltschaft geforderte Geldauflage für den älteren Angeklagten in Höhe von 1000 Euro und für den jüngeren von 2000 Euro lehnte das Schöffengericht ab: „Das würde die Familien treffen, das kann nicht in unserem Sinn sein“, begründete Griesar. Mit den Worten „Das war‘s. Gute Rückreise“ verabschiedete der Richter die Angeklagten, ihre Verteidiger und den Dolmetscher.

    Was ist ein Rip-Deal?

    Beim Rip-Deal handelt es sich um ein betrügerisches Devisentauschgeschäft. Den Opfern wird ein hoher Gewinn in Aussicht gestellt. Anstelle eines Gewinns werden sie aber bei der Geldübergabe auf unterschiedliche Art um ihr Geld betrogen. Der Begriff „Rip-Deal“ stammt aus dem Englischen: „to rip“ (entreißen) und „deal“ (Geschäft).

    Von unserer Reporterin Angela Baumeier

    Montabaur Hachenburg
    Meistgelesene Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Online regional
    Markus Eschenauer

    Regio-CvD Online

    Markus Eschenauer

    Mail | 02602/160 474

    epaper-startseite
    Regionalwetter Westerwald
    Donnerstag

    7°C - 19°C
    Freitag

    9°C - 19°C
    Samstag

    7°C - 19°C
    Sonntag

    10°C - 18°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Bildergalerien: Fotos unserer Leser
    &bdquo;Pfui Spinne&ldquo; mag der ein oder andere beim Anblick dieses Fotos von Volker Horz denken. Und doch hat die Detailaufnahme dieses Festmahls ihren ganz eigenen Reiz. Jedenfalls ist dem Achtbeiner hier ein dicker Fang ins Netz gegangen.&nbsp;Wenn auch Sie ein sch&ouml;nes Bild f&uuml;r unsere Leserfoto-Rubrik haben, dann schicken Sie es an die Adresse <a href="mailto:montabaur@rhein-zeitung.net">montabaur@rhein-zeitung.net</a>. Beachten Sie dabei bitte die erforderliche Mindestaufl&ouml;sung von 2500 mal 1500 Pixel.

    Mit der Kamera im Westerwald unterwegs: Hier zeigen wir die schönsten Fotos unserer Leser. Zusenden per E-Mail.