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    Höhr-Grenzhausen

    Schwere Vorwürfe bei Prozessauftakt: Syrer soll seine Freundin zum Sex gezwungen haben

    Ein achtstündiger Prozessauftakt bei 36 Grad, acht Zeugen – darunter eine, die nicht weiß, warum sie überhaupt da ist, viele Tränen und ein schlafender Schöffe: Es war ein in jeder Hinsicht bemerkenswerter erster Prozesstag am Koblenzer Landgericht, vor dem ein Syrer (28) aus Höhr-Grenzhausen beschuldigt wird, im vergangenen Jahr seine damalige Freundin zum Sex gezwungen und sich danach mit ihr eingeschlossen zu haben.

    Foto: dpa

    Foto: dpa

    Was ist an diesem heißen Tag im Juni 2016 passiert? Im langen Kleid besucht die Frau  ihren Freund. Die Beziehung ist erst ein paar Monate alt, man hat sich über das Internet kennengelernt. Er ist Syrer, sie Deutsche. In der Höhr-Grenzhausener WG-Wohnung des 28-Jährigen haben sie sich zu einem gemütlichen DVD-Abend verabredet, so wird es später die Versicherungskauffrau erzählen. Doch die Zweisamkeit soll nicht lange anhalten: Denn laut Anklageschrift schmiegt er sich gegen die deutlichen Signale der Frau mehr und mehr an sie, dreht sie dann unter Gegenwehr auf den Rücken, setzt sich auf sie und schiebt ihr Kleid nach oben. Eigentlich war die Frau erst operiert worden, durfte einige Zeit keinen Geschlechtsverkehr haben. „Und das wusste der Angeklagte auch“, ist sich Staatsanwältin Ute Adam-Backes sicher.

    Das Opfer versucht noch, ihren Kopf gegen die Nase des Mannes zu schlagen, doch der reißt ihre Haare nach hinten und lässt erst nach minutenlanger Vergewaltigung von ihr ab. Als das Opfer versucht, aus dem Raum zu fliehen, schließt er sich mit ihr ein, verletzt sich mit einem Messer an der Brust und lässt sie erst nach langer Zeit gehen. Ja, der Angeklagte will sich zu den Vorwürfen äußern, alle Fragen beantworten, kündigt Rechtsanwalt Philipp Grassl an – während der Syrer mit zitternden Händen ein Blatt Papier aus einem Ordner zieht. Es ist sein Lebenslauf, den er dem Gericht mit Hilfe seiner Dolmetscherin vorträgt. Er erzählt von seiner Kindheit in einem syrischen Dorf, seiner Ausbildung zum Antiterrorkämpfer beim syrischen Militär, seiner Konvertierung vom Islam zum Christentum, der Flucht nach Deutschland vor vier Jahren, seinen diversen Liebschaften in Deutschland, mit denen es fast immer Probleme gegeben habe.

    Erst nach einer halben Stunde kommt der Syrer auf den Junitag zu sprechen – und schildert eine ganz andere Version der Dinge: Von einem DVD-Abend sei nie die Rede gewesen. Stattdessen haben sie sich in seiner Wohnung über die Fehlgeburt der Frau unterhalten. Sie hatte ihm erzählt, dass sie kurz zuvor in einem Koblenzer Krankenhaus war – und dort Zwillinge von ihm verloren habe. „Als sie gesagt hat, dass sie darüber froh ist, habe ich sie als eine schlechte Frau beschimpft“, räumt der Mann ein. Dann habe sie eine Flasche Wodka geleert und wieder fahren wollen. Er erzählt: „Ich habe ihr gesagt, dass sie nicht wegfahren kann, und ihr den Autoschlüssel abgenommen“ – und sie irgendwann dann doch fahren lassen. Erst dann habe er sich aus Schmerz selbst mit einem Rasiermesser verletzt. Zum Sex sei es an diesem Abend aber nicht gekommen. Und so oder so habe die Frau nie Kleider getragen – immer nur Jeans, T-Shirt und eine dünne Stoffjacke.

    Tatsächlich erscheint die Frau später genauso gekleidet im Gerichtssaal. Unter Tränen schildert sie den Junitag übereinstimmend mit der Version der Staatsanwaltschaft. Erzählt, dass er an dem Nachmittag „wie ein Monster, ein Teufel“ gewesen wäre. Dass sie ihn so nicht kennen würde, aber schon länger habe verlassen wollen – aber wegen des „Zwangs, gebraucht zu werden“, es doch nie getan hat. Und dass ihre angebliche Fehlgeburt von Zwillingen eine Lüge war, „um ihn damit zu treffen“. Tatsächlich war sie in einer Klinik in Holland – und ließ abtreiben. Während ihrer ganzen Vernehmung hatte der Syrer schweigend zu Boden geblickt, nun weint auch er – während ein zwischenzeitlich eingeschlafener Schöffe von seinen Kollegen aufgeweckt werden muss. Zu diesem Zeitpunkt läuft die Verhandlung bereits drei Stunden. Später hören die Richter noch eine Frauenärztin und Psychologen der Frau, die ihrer Patientin glauben, und die Töchter einer Ex-Freundin des Syrers, die ihn als extrem aggressiv und gewalttätig beschreiben. Ihr Vater sitzt ebenfalls im Saal, bedroht weinend mehrmals den Angeklagten.

    Und dann ist da noch eine Zeugin, die den Angeklagten weder kennt noch weiß, warum sie überhaupt hier ist – sie darf bald wieder gehen. Klar ist schon jetzt: Ein Leichtes wird es für das Gericht nicht sein, in diesem Fall Wahrheit und Lüge zu trennen – die nächsten Verhandlungstage sind erst für den Juli anberaumt.

    Von unserem Mitarbeiter Raphael Markert

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    Montabaur Hachenburg
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