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    Limburg/Herborn

    Prozess um getöteten Polizisten: Gutachter diagnostiziert volle Schuldfähigkeit

    Waren es Drogen oder Alkohol, den einen 27-Jährigen an Heiligabend in einem Regionalzug im Herborner Bahnhof ein Messer zücken und einen einen Polizisten erstechen ließen? Oder gar eine geistige Krankheit? Der Sachverständige sagt dazu klar: nein!

    Die Statue Justizia
    Foto: dpa

    Von Malte Glotz

    Vielmehr bescheinigt der Gießener Psychiater Rainer Gliemann dem Angeklagten, dass er zum Tatzeitpunkt aus seiner Sicht vollkommen steuerungs- und damit auch schuldfähig gewesen ist. Drei Mal hatten sich der Angeklagte und Gliemann getroffen: erstmals wenige Wochen nach der Tat, bei der ein Familienvater brutal ums Leben gekommen war. Mitte Februar folgte dann das zweite Treffen und das Letzte nur kurz vor Beginn der Hauptverhandlung, am 20. Mai.

    Gliemann erklärte nun aber auch: "Wir kennen uns schon länger." Der Mediziner bietet psychiatrische Sprechstunden an der Gießener Justizvollzugsanstalt an. Diese habe der Angeklagte während einer früheren Haft mehrfach wahrgenommen - wegen welcher Probleme, das konnte der Sachverständige jedoch nicht sagen.

    "Nett, umgänglich, hilfsbereit"

    Der Angeklagte legt, wie Gliemann berichtete, Wert auf Respekt, Ehrlichkeit und einen anständigen Umgang mit Frauen. Der junge Mann, das betonte der Sachverständige ebenfalls, sei sehr offen, sehr umgänglich, ja höflich gewesen. "Wir haben eine positive gegenseitige Beziehung", sagte der Psychiater. Viele bislang gehörte Zeugen aus dem gesamten Lebensweg des Angeklagten berichteten Ähnliches: Er sei nett, umgänglich, hilfsbereit, solange man ihm den Respekt entgegenbringe, den er für angemessen erachte. Auch Gliemann wusste zu berichten, dass der Angeklagte ihm gegenüber die Bedeutung von Respekt, Ehrlichkeit und einem guten Umgang mit Frauen betont habe.

    Bevor Gliemann auf die Psyche des Mannes blickte, schaute er in dessen Jugend zurück: Die Eltern trennten sich früh, die ältere Schwester starb als Kleinkind, der ältere Bruder mit 25 Jahren an einer Überdosis.

    Die Hauptschule schaffte der Angeklagte nicht - aber nach eigener Aussage wie auch nach Gliemanns Einschätzung aus Faulheit und Desinteresse, statt aus mangelnder Intelligenz. Den Abschluss holte er später in der Haft nach. Die erste Haftstrafe kam, da war der Mann kaum strafmündig. Wiederholte Haftstrafen - vornehmlich wegen Körperverletzungen, auch wegen Messereinsätzen - verhinderten auch eine dauerhafte Beziehung zu einer Frau.

    Psychiater: Alkohol hat bei vielen Taten eine Rolle gespielt

    Alle Strafen, so berichtete es der Angeklagte dem Sachverständigen, habe er bis zum Ende abgesessen. "Das spricht für eher schlechte Prognosen", führte der Arzt aus: Gerade jüngere Häftlinge würden häufig vorzeitig entlassen. Gliemann stellte mit Blick in die vorangegangenen Urteile fest, dass Alkohol bei vielen Taten eine Rolle gespielt habe. Auch am Tatmorgen hatte der Mann zwischen 1,42 und 1,75 Promille Blutalkohol. Zudem waren geringe Reste von Amphetaminen nachweisbar. Gliemann schloss es dennoch aus, dass dieser Cocktail bei einem alkoholgewöhnten Mann zu einem Steuerungsverlust führen kann, der in einer Tötung endet. Gleichwohl billigte er ihm zu, dass der Alkohol ihn offenbar enthemme. "Ich sehe den Alkohol als Grundlage der Delikte", sagte der Mediziner.

    Als Grund für eine verminderte Schuldfähigkeit ließ er dies aber nicht durchgehen. Auch stellte er keine verminderte Intelligenz, keine geistige Krankheit, keine "sonstige seelische Abartigkeit" fest - wohl aber eine antisoziale Persönlichkeitsstörung. Der psychologische Befund ist ohne Auffälligkeiten", sagte Gliemann. Der Angeklagte sei damit aus seiner Sicht zum Tatzeitpunkt "unbeeinträchtigt schuldfähig". Seine Zukunftsperspektiven seien darüber hinaus als "mehrfacher Bewährungsversager" schlecht.

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