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    Limburg/Herborn

    Polizistenmord: Nebenklage will Termin am Bahnhof Herborn

    Kurztag im Polizistenmord-Prozess: Da Verteidiger Torsten Fuchs sich vertreten lassen musste, wurde am Mittwoch nur 30 Minuten verhandelt. Im Mittelpunkt: ein Haufen Anträge.

    Am Morgen des 24. Dezember 2015 war auf dem Bahnhof Herborn bei einer Messerattacke ein 46 Jahre alter Polizist getötet worden. Ein weiterer Beamter sowie der mutmaßliche Täter wurden schwer verletzt.
    Am Morgen des 24. Dezember 2015 war auf dem Bahnhof Herborn bei einer Messerattacke ein 46 Jahre alter Polizist getötet worden. Ein weiterer Beamter sowie der mutmaßliche Täter wurden schwer verletzt.
    Foto: dpa

    Der Vorsitzende Richter Andreas Janisch verabschiedete die Sitzungsteilnehmer und die diesmal nur spärlich erschienenen Zuschauer schon nach einer halben Stunde 30 Minuten bis zum 2. September. Dann soll gegen den 27-Jährigen weiter verhandelt werden, der an Heiligabend 2015 am Herborner Bahnhof mit einem Messer auf zwei Polizisten eingestochen hat – einer starb nur Minuten nach der Attacke.

    Wenig gab der einzige Zeuge des Tages her: Ein 39-jähriger Polizeibeamte, der an der Hausdurchsuchung teilgenommen hatte. Wobei es sich dabei lediglich um das von dem Angeklagten zur Tatzeit angemietete Zimmer in einer Dillenburger Pension handelte. Es sei eine alte Playstation mit einer großen Zahl – nicht illegaler – Gewaltspiele gefunden worden, über dem Bett als Wandschmuck eine Kampfaxt im Stile einer indianischen Tomahawk. „Es war keine Alkoholiker-Wohnung“, sagte der Zeuge: Alkohol spielte in so gut wie jedem Urteil gegen den Angeklagten eine Rolle.

    Insgesamt acht Urteile vermerkt der von der Kammer verlesene Auszug aus dem Vorstrafenregister. 2003 ging es erstmals um Bedrohung – die Strafverfolgung wurde damals noch ausgesetzt. Es folgen Urteile wegen, teils gefährlicher, Körperverletzung, Betäubungsmittel-Besitz, Nötigung. Die Höhe der Haft stieg innerhalb von zwölf Jahren stetig an. Bei der letzten Haftentlassung soll es dann zu einer Party gekommen sein, die eine zentrale Rolle spielt: In einem Gespräch soll der Angeklagte einer Mitfeiernden gesagt haben, er wolle in Zukunft einen Polizisten töten. Gehört haben will das aber kein weiterer Zeuge. Die junge Frau war nicht nur als Zeugin aufgetreten, sondern – das verlas Andreas Janisch aus einem Ermittlungsbericht – fuhr mit Beamten jüngst durch das Wohngebiet in Haiger, in dem die Party stattgefunden haben soll. Sie fand die Wohnung nicht – das schafften dafür wenig später die Beamten. Die Wohnungseigentümerin selbst erinnerte sich gut an die Party – nicht aber an die mutmaßliche Mordankündigung. Das könne sie auch vor Gericht bezeugen. Vor Gericht erscheinen sollen auf Antrag der Nebenklage auch einige Sachverständige: Ihr geht es um die Lichtverhältnisse am Bahnhof zur Tatzeit, um Entfernungen zwischen Zugtür und Treppenaufgang am Bahnhof, um die Vergütung und Reflexivität der Scheiben des Zuges. Es soll gezeigt werden, dass der Angeklagte – anders als er behauptet – nicht sich selbst in der Scheibe betrachtet habe, sondern bewusst auf die Beamten gewartet habe. Der Anwalt will einen Ortstermin.

    Auch die Verteidigung stellte Anträge. So soll nochmals der Schaffner befragt werden, insbesondere dazu, ob er von dem Schwarzfahrer eine Gefahr ausgehen sah. Ebenso soll er zum Zugriff Stellung nehmen. Erörtert oder gar beschieden wurden die Anträge noch nicht. mgl

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