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    Nistertal: "Der Maddin" babbelt sich ins Komödien-Nirwana

    Mit Frohsinn durch die fünfte Jahreszeit zu führen, ist das Kerngeschäft des Karnevalsvereins Nistertal 1992. Nun hat die 150 Mitglieder zählende Truppe um die Vorsitzende Birgit Schneider sich erstmals erfolgreich als Kleinkunstveranstalter bewährt.

    Foto: roe

    Von unserem Mitarbeiter Matthias Budde

    Martin Schneider, a.k.a. "Der Maddin", war an der Nister zu Gast. Schneider spielte in Ottos Schneewittchenfilm einen Zwerg, den er tiefgründig anlegte. Auch in seinem Bühnenprogramm "Meister Maddin" holt er vieles aus dem Wurzelchakra. Zu orientalischen Klängen schlängelt er sich geschmeidig auf die Bühne. Zum Turban, den er sofort ablegt, trägt er rote Turnschuhe, eine blassgelbe Freizeithose und darüber ein weißes offenes Hemd. Genau das richtige Outfit fürs Babbelyoga. Der gebürtige Hesse erzählt von einer Zeit, in der sich das Bundesland noch nicht durch die Kontinentaldrift vom Subkontinent Indien abgespalten hat. Hier hat das Babbelyoga seine Wurzeln. Dieses beinhaltet neben Schneiders einzigartiger Ganzkörperartikulation auch eine bestimmte Lebensweise.

    So nimmt der Meister keine Tiere zu sich, die Fleisch enthalten. Ansonsten gilt: "Das Denken auf Leerlauf stellen und die Worte langsam kommen lassen." Das Verfahren übt er dann auch gleich im Workshop mit dem Publikum ein. "Baaaadeschschschaaaauuuum", ist eines seiner Lieblingsmantren im breitesten Hessisch, weichgespült und geschmeidig im Abgang. Das klingt unspektakulär, man muss es sehen. Schneider vollführt eine Wort- und Körperakrobatik, die hinreißend ist und krampfartige Zwerchfellzuckungen auslöst. Eine Gottesanbeterin auf LSD könnte sich nicht bizarrer verrenken. Was sich oberhalb der Halswirbelsäule abspielt, ist ein Kampf von 42 Gesichtsmuskeln gegen 64 Zähne und mit dem Begriff Mimik höchst unzureichend beschrieben. Mit weitläufigen Beschreibungen hält sich auch Babbelyogi Maddin nicht auf. Er hält sich an die Weisheitslehren der Oma, die ja schon vom Wortlaut her "buddhistisch angedetscht" ist: "Ommm".

    Das sind knappe volkstümliche Sentenzen, in denen rückwärtige Körperteile und Darmwinde die Hauptrolle spielen. Hier paart sich buddhistische Mystik mit lutherischer Frische. Sprüche wie: "Aus einem traurigen Arsch kommt kein fröhlicher Furz, und man kann sich drehen, so viel man will, man hat den Arsch hinten", markieren die dogmatische Leitlinie der "reinkanalisierten" alten Dame. Aber Worte sind Schall und Rauch, und der Maddin ist ohnehin eher lautmalerisch veranlagt. Die Abschlussübung, die er seinen 350 Zuschauern abverlangt, schießt den Saal endgültig ins komödiantische Nirwana. Die Männer sollen röhren wie ein Hirsch und die Frauen die spitzen Entzückenslaute beim Verzehren von Nusshörnchen von sich geben. Maddin macht's vor, und das reicht eigentlich schon, denn aufrecht hält sich jetzt keiner mehr auf seinem Stuhl. Als er dann pantomimisch die brünftigsten Röhrer und sündhaftesten Genusslaute aus seinem Publikum kitzelt, ist alles zu spät.

    Die Mitmachquote ist allerdings für Karnevalisten etwas dürftig. Am Schluss sind alle entspannt und geschmeidig wie der Meister selbst. Der gibt noch lange Autogramme und verbreitet gutes Karma. Letzte Fragen bleiben offen. Was wäre, wenn sich Indien nicht von Hessen getrennt hätte, und wie leicht hätten Dentaltechnik und Logopädie eine Komikerkarriere zerstören können?

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