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Hachenburg

Matthias Budde entstaubt alte Mythen: "Göttliche" Lesung kommt an

Hell schien der von Wolkenfetzen gerahmte Vollmond auf die Wilhelmstraße in Hachenburg, als Matthias Budde dort im Neue Galerie Café sein eigenes Programm „Wenn der Werwolf Gassi geht“ präsentierte. Ein passendes Bühnenbild für eine Lesung mit diesem Titel, bei der die Mythen der Antike entstaubt und ebenso humorvoll wie satirisch, philosophisch und poetisch mit aktuellem Zeitgeschehen und Popkultur aufgepeppt wurden. Selbst Caesar hätte wohl bei diesem gelungenen Beispiel an Vortrags- sowie Schauspielkunst den eloquenten Gladiator lebend aus der Arena entlassen.

Matthias Budde präsentierte im Neue Galerie Café in Hachenburg sein eigenes Programm „Wenn der Werwolf Gassi geht“.
Matthias Budde präsentierte im Neue Galerie Café in Hachenburg sein eigenes Programm „Wenn der Werwolf Gassi geht“.
Foto: Röder-Moldenhauer

Gekämpft wurde an diesem Abend allerdings nicht mit dem Schwert, sondern mit Worten. Und mit denen weiß Matthias Budde umzugehen. „Mythologie ist Religion plus Abstand“, warf der Verseschmied aus Streithausen frech in den Raum, bevor er sich dem Anfang von allem, nämlich der Schöpfung widmete. „Wo kommen die Menschenkinder eigentlich her“, fragte sich der kleine Prometheus im Titanenkindergarten. Später hatte er dann ganz andere Probleme, wurde er doch von Zeus an einen Felsen im Kaukasusgebirge festgeschmiedet, wo sich ein Adler in regelmäßigen Abständen an seiner – nachwachsenden – Leber labte. Da konnten auch die Greenpeace-Aktivisten nichts dran ändern, die in Matthias Buddes Reimen lautstark gegen Adler-Fehlernährung protestierten.

Die Lesung war rasant wie die Fahrt im Sonnenwagen, bei der Apolls Sohn Phaethon trotz begleitendem Fahren von der rechten Spur abkam und mal eben einen Weltenbrand auslöste – und Jörg Haider mit in den Tod riss. Matthias Budde hatte sich zu einem großen Teil von Ovids „Metamorphosen“ zu seinem Programm inspirieren lassen. So waren die Verwandlungen ein wichtiges Thema. Wie zum Beispiel in dem Mythos rund um Arachne, einer sehr begabten, aber hochmütigen Weberin, die Athene selbst zu einem Wettstreit aufforderte und gewann. Die Olympierin war allerdings eine schlechte Verliererin und verwandelte Arachne kurzerhand in eine Webspinne, die dann auf den Marvel-Comic-Helden Spider-Man traf. Der Mythos der Europa hätte in der heutigen Zeit wohl die Schlagzeile „Jungfrau mit Rind ertrinkt vor Lampedusa“ geliefert, und Paris würde die schönste Dame bei „Hellas Next Topmodel“ mit einem Apfel küren. Matthias Budde hingegen jonglierte an dem Abend lieber mit dem rotbackigen Obst, das in den alten Mythen immer wieder eine große Rolle spielt.

Ein Jahr lang hat Matthias Budde an seinem neuen Programm geschrieben, das den Zuhörern so gut gefiel, dass sie noch mehr aus seiner Feder hören wollten. Es folgten noch Verse und Reime garniert mit feinstem Humor, beispielsweise über den alten Abt im neuen Kloster, der sein täglich Brot im Toaster verbrannte, Hommagen an Buddes literarische Vorbilder, wie Heine und Kästner, und poetische Reime, bis das Publikum den wortgewandten Verseschmied begeistert aus der Arena entließ.

Von unserer Mitarbeiterin Larissa Schütz

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