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    Limburg/Rhein-Lahn

    Kopie von Limburg: Bistum erlaubt Einblicke in Bischofsreich

    Er ist nicht mehr da. Und irgendwie doch. Franz-Peter Tebartz-van Elst hat im März vergangenen Jahres abgedankt, im September die Koffer gepackt und das Bistum Limburg verlassen. Doch den Geist, den das Domkapitel rief, als es den Bischof aus drei Vorschlägen ins Amt wählte, wird das Bistum nicht so einfach los.

    Von Hans Georg Egenolf und Dieter Fluck

    Am Freitag versuchten es Domkapitular Wolfgang Rösch und die Bistumsleitung mit absoluter Offenheit. Neben den bereits früher zur Besichtigung freigegebenen Räumen des Bischofssitzes in der Alten Vikarie und im Neubau erhielten Medienvertreter erstmals Zugang zur Wohnung des emeritierten Bischofs, zur Luxuswanne, zum Wohnzimmer und zum Koikarpfenteich. Es wird ein einmaliger Vorgang bleiben und soll der "Entmystifizierung dieses Ortes dienen", wie Rösch, ständiger Vertreter des Bistumsverwalters Manfred Grothe, betonte. Das Interesse der Medien war riesig. Fernsehen, Hörfunk, Presse waren gekommen, fast fünf Dutzend Journalisten, Kameraleute und Fotografen.

    Der von Papst Franziskus abberufene Bischof Tebartz-van Elst hat in Limburg Spuren hinterlassen; nicht nur durch das von vielen als pompös empfundene Gebäude auf dem Limburger Domberg, dessen Kosten am Ende bei weit mehr als 30 Millionen Euro lagen. Hat Tebartz-van Elst vor allem durch seinen autokratischen Führungsstil, seine rigide Personalpolitik, seinen offensichtlichen Hang zum Luxus und Kirchenprunk dem Bistum Limburg ein Stück seines noch unter Vorgänger Franz Kamphaus geltenden Selbstverständnisses geraubt, bleibt der Bischofssitz doch das Symbol einer Krise, die die Diözese und die katholische Kirche zumindest in Deutschland bis auf die Grundfesten erschüttert hat.

    "Wir haben das Vertrauen vieler Menschen verloren. Nicht wenige haben die Kirche verlassen. Jetzt sind wir gefordert, Vertrauen und Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen", sagte Rösch. Seit etwa einem Jahr befinde sich das gesamte Bistum in einem Prozess der Aufarbeitung. Die Entwicklungen um das Bischofshaus hätten dazu geführt, intern viele Dinge anzusprechen und auch das Verhältnis zur Öffentlichkeit zu überdenken. Rösch erinnerte daran, dass im Zuge einer Transparenzoffensive im vergangenen Jahr erstmals die Finanzen des Bistums offengelegt wurden. Wichtig sei nun, als Kirche das Gespräch mit den Menschen im Bistum und den Mitarbeitern zu suchen. Diesen Weg wolle die Bistumsleitung entschieden gehen.

    Rösch bestätigte, dass das Bischofshaus in Limburg für viele zum Symbol des Anstoßes geworden sei. Viel sei über die Ausstattung und die Kosten des Gebäudes spekuliert worden. Diesen Spekulationen und Gerüchten werde nun mit Führungen und anderen Veranstaltungen im Haus begegnet. Das Bischofshaus, das "seinen eigenen Charme und seine eigene Ästhetik" besitze, solle immer mehr Menschen erschlossen und ein wichtiger Ort für das Bistum Limburg werden. "Ich lade dazu ein, das Haus kennenzulernen und einen eigenen Zugang zu finden."

    Der Eingang zum Bischofssitz in Limburg.
    Der Eingang zum Bischofssitz in Limburg.
    Foto: Sascha Ditscher

    Den hatten die Medienvertreter einmalig auch zur Wohnung, die Bischof Tebartz-van Elst ein Dreivierteljahr beherbergte. Dort imponiert das geräumige Arbeitszimmer mit Blick auf das ehemalige Koi-Becken und den Dom. "Ja, es waren Kois darin", bestätigte Tobias Steiger, Mitarbeiter des Bistums, der durch die Räume führte. Die Besucher beeindruckte die LED-Beleuchtung der gefächerten Wand, die einschließlich der Vorhänge und der Raumtemperatur per iPad gesteuert werden kann.

    Das Schlafzimmer, der begehbare Kleiderschrank, die Duravit-Badewanne, die große Regenwald-Dusche mit kleinem Wasserfall aus der Wand, Düsen für Nacken und Rücken, danach ein Multifunktionsraum, in dem der Bischof seine Fitness bewahrte, ein geplanter Saunaraum. Goldene Wasserhähne waren nicht zu sehen.

    Unter der Kapelle liegt ein Reliquienraum. Diözesan-Museumsdirektor Prof. Dr. Matthias Kloft schätzt 1000 Zeugnisse der Heiligen, die das Bistum dort ebenso verwahrt wie kostbare Gewänder. Imposant der Konradinerkeller, ein Tagungsraum von exklusiver Qualität mit freigelegtem Felsgestein als Blickfang, das eine Sitzgruppe umschließt. Daneben die Ahnengalerie der Bischöfe. Auch Tebartz-van Elst ist dort verewigt.

    Die Journalisten erfahren, dass er selbst es veranlasst hat, sein Gemälde dort aufzuhängen. Es ist das einzige Original, die Gemälde der elf Vorgängerbischöfe sind Kopien, deren Originale hängen im Ordinariat, Tebartz-van Elst nicht. Am Ende die alte Vikarie, die das exklusive Zentrum würdevoll abrundet. Auch dort ein Arbeitszimmer für den Bischof mit Domblick, ein geräumiges Büro und der Empfang, ein Sitzungszimmer - alles edel eingerichtet. Unterm Dach eine geräumige Bibliothek mit Blick über die alte Stadt, im Untergeschoss eine Gästewohnung.

    War früher von einer bescheidenen Zweieinhalb-Zimmerwohnung des Bischofs mit Empfangs- und Nebenräumen die Rede, so summiert sich heute allein sein Wohnbereich auf ungeschminkte 283 Quadratmeter. Ob Tebartz-van Elsts noch unbekannter Nachfolger dort einziehen möchte? "Der neue Bischof soll Zeit haben, selbst zu entscheiden, ob er hier wohnen will", sagte Rösch. Wie auch immer der Entschluss des Neuen lautet, bleibt wohl vor allem abzuwarten, ob mit dem 13. Bischof auch wieder ein neuer Geist in Limburg einziehen wird.

     

    Im Oktober 2013 kursierte eine Fülle von Montagen und Illustrationen zu Limburgs Bischof im Netz. Eine Zusammenstellung:

    Muss Tebartz-van Elst keine Wiedergutmachung leisten?Bilanz in Limburg: Bischofssitz ist 3,9 Millionen weniger wert"Irdische Dinge": Ausstellung zum Thema «Kirche und Geld» im Bistum LimburgLimburg: Bistum erlaubt Einblicke in BischofsreichKrisenbewältigung: Bistum Limburg will weitere Schritte gehenweitere Links
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