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Montabaur

Kassenbetrug: Flüchtiger Hausarzt stellt sich und erhält Bewährungsstrafe

Martin Boldt

Weil er gegenüber einer privatärztlichen Abrechnungsstelle Behandlungen vorgetäuscht hatte, um sich die damit verbundenen Honorare zu erschleichen, musste sich jetzt ein Hausarzt aus der Verbandsgemeinde Wirges vor dem Amtsgericht in Montabaur verantworten. Konkret zur Last gelegt wurde dem heute 54-Jährigen, der mittlerweile in der Schweiz praktiziert, in insgesamt sieben Fällen und unter Vortäuschung falscher Tatsachen mehr als 130.000 Euro in Rechnung gestellt zu haben.

Foto: dpa

Die kostspieligen Behandlungen, mitunter an seiner Schwiegermutter, hatten so jedoch nie stattgefunden. Auch soll sich der Mediziner schuldig gemacht haben, trotz einer ab März 2013 attestierten Arbeitsunfähigkeit, für die er ein Krankentagegeld bezog, weiter Patienten behandelt zu haben und den neuen Besitzer seines zwangsversteigerten Hauses genötigt zu haben.

Nachdem die im Sommer 2016 angesetzte Hauptverhandlung durch sein Fernbleiben zunächst geplatzt war, stellte sich der mit internationalem Haftbefehl Gesuchte jetzt freiwillig. Nun, im Beisein seines Anwaltes, zeigte sich der Mann in vollem Umfang geständig und drückte sein Bedauern über das Geschehen aus. Die vorgetragenen Hintergründe und Motive hinterließen bei Richter Ingo Buss und den beisitzenden Schöffen allerdings ungläubiges Kopfschütteln.

Angefangen habe alles mit einer Steuerrückzahlung, die die Familie des Mediziners in ihrer Höhe von rund 200.000 Euro vollkommen unvorbereitet getroffen habe. Die Hausbank des 54-Jährigen, die bereits Haus und Praxis finanziert hatte, wollte einem Tilgungskredit zunächst nicht zustimmen, tat dies dann aber doch, berichtet der Angeklagte.

Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass er künftig mit einer Anwaltskanzlei als Kontrollinstanz kooperieren müsse. „Die haben ab 2010 im Prinzip die Praxis geführt.“ Er selbst habe ab diesem Zeitpunkt keine Entscheidungsgewalt mehr besessen, Post musste ungeöffnet an die Kanzlei oder einen Unternehmensberater weitergeleitet werden. Eingehende Geldbeträge wurden umgebucht. Als Einkommen sei der Familie ein Betrag kaum über Sozialhilfeempfängerniveau verblieben. „Die Kontrolle ging bis ins Privatleben hinein, was wir kaufen durften und was nicht“, schilderte der Mediziner. Besonders hellhörig wird die Staatsanwaltschaft während der Anhörung, als der Angeklagte davon berichtet, wie die Kanzlei ihn unzählige Blankounterschriften leisten lässt. „Wir dachten, wir kommen da so irgendwie wieder raus“, erklärte der Mann. Abrechnungen, sei es über das monatliche Einkommen der Praxis oder aber den Fortgang der Tilgung der Steuerschuld, erhält er im Gegenzug keine. Im Gegenteil: Selbst als er wegen einer Depression offiziell krank geschrieben wird, wird Druck auf ihn ausgeübt, weiterhin Privatpatienten zu sehen und zu behandeln. „Das war ein Fehler, ich konnte das damals aber nicht erfassen“, entschuldigt sich der 54-Jährige. Zweimal befindet er sich in dieser Zeit selbst in psychiatrischer Behandlung. Aus der Not heraus habe er sich für den Abrechnungsbetrug entschieden. Richter Buss : „Da sind Sie ganz schön unter die Räuber gefallen.“ Den von ihm begangenen gewerbsmäßigen Betrug mache dies aber nicht wett, betonte der Jurist. Bei der Bemessung der Strafe zeigte sich das Schöffengericht allerdings milde gestimmt: Es folgte den Forderungen der Staatsanwaltschaft und verurteilte den Mediziner zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten, die es allerdings zu Bewährung aussetzte. Auflagen ergingen keine. Ungemach drohen könnte jetzt noch der involvierten Anwaltskanzlei, für deren Praktiken die Staatsanwaltschaft während des Verfahrens zunehmend Interesse signalisierte.

Von unserem Reporter Martin Boldt

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