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Westerburg

In kleinem Westerwaldort soll 50-Jähriger einer Frau mit dem Tod gedroht haben

Michael Wenzel

Sie leben in unmittelbarer Nachbarschaft, die 56-jährige Angestellte und ein 50 Jahre alter Handwerksmeister, doch noch nie hatten sie auch nur ein einziges Wort miteinander gewechselt. Bis zum 24. April dieses Jahres. Dabei soll der 50-Jährige derart die Kontrolle verloren haben, dass der Sachverhalt nunmehr die Justiz beschäftigt. Die Nachbarn waren sich nämlich beim Gassigang mit den Hunden begegnet, wobei der Hund der Frau nicht angeleint war. „Wenn der Hund kommt, erschieß ich dich und den Köter“, soll er der Hundebesitzerin gedroht haben.

Justizia
Symbolbild.
Foto: dpa

Schon vor einigen Jahren war der 50-Jährige in den kleinen Westerwaldort gezogen. Obwohl er und seine Nachbarin quasi Tür an Tür leben, redeten sie offensichtlich nie ein Wort miteinander. Schon im Vorfeld habe es Probleme gegeben, und er sei der Frau lieber aus dem Weg gegangen, berichtete der Mann jetzt am Amtsgericht in Westerburg. Dort ist der Hundehalter angeklagt, weil er der Frau mit der Begehung eines Verbrechens gedroht haben soll. Stimmt alles nicht, rechtfertigt sich der Angeklagte, der bislang eine strafrechtlich weiße Weste hat. Er habe die 56-Jährige lediglich dazu aufgefordert, den Hund festzumachen, was von ihr ignoriert worden sei. Doch damit gehen die Behauptungen weit auseinander.

Die Version des Angeklagten: Am Morgen des 24. April startet er mit den beiden kleinen Hunden zum Gassigang. Als er auf dem Rückweg aus einem kleinen Waldstück herauskommt, steht plötzlich der Hund der Nachbarin im Abstand von drei bis vier Metern vor ihm, stellt den Schweif und zieht die Lefze hoch. Der 50-Jährige fordert die Frau auf, ihren Hund festzumachen. Die 56-Jährige ist circa 150 Meter von ihm entfernt, ruft nicht nach ihrem Hund. Der steht immer noch bedrohlich vor dem Mann. Er ruft erneut, dass die Hundehalterin das Tier anleinen soll. Die Zeugin will eine Pistole erkannt haben. „Ich hatte eine Langlaufleine in der Hand, sonst nichts“, sagt der 50-Jährige.

Die Version der Zeugin: Gegen 8 Uhr morgens ist sie mit ihrem Hund unterwegs, als der Nachbar einen Waldweg herunterkommt. Der Hund hält sich unangeleint in circa zehn Meter Entfernung auf. Sie leint ihn an. „Mach gefälligst deinen Köter fest“, brüllt der Mann der Frau entgegen. Während sie der Aufforderung nachkommt, zieht der 50-Jährige eine Pistole aus der Jackentasche und zielt auf die Frau. „Wenn der Hund kommt, erschieß ich den Köter und dich“, droht er aus 70 bis 100 Metern Entfernung. Die Frau kann die Pistole genau erkennen. „Hier wird überhaupt nicht geknallt“, ruft sie dem Nachbarn geschockt entgegen und tritt gemeinsam mit ihrem Hund den Rückzug an. „Du hast noch zu zahlen“, ruft er ihr nach. Sie hat Angst, dass er den Worten Taten folgen lassen wird. Zu Hause informiert sie die Polizei. Das Geschehen hat sie bis heute noch nicht verarbeitet.

Auch was einen vorangegangenen vermeintlichen Beißvorfall betrifft, machen die beiden Prozessbeteiligten unterschiedliche Angaben. Während der Angeklagte behauptet, der Hund seiner Lebensgefährtin sei ein halbes bis drei viertel Jahr zuvor von dem Hund der 56-Jährigen gebissen worden, stellt diese einen solchen Vorfall in Abrede. „Ich war mit Hunden im Training und an diesem Tag überhaupt nicht zu Hause“, rechtfertigt sich die 56-Jährige. Das Verfahren sei vom zuständigen Ordnungsamt eingestellt worden. Auch zu einem anderen Zeitpunkt habe es solch einen Vorfall nicht gegeben. Richter Hans Helmut Strüder hielt der Zeugin vor, dass sie bei der Polizei erklärt haben soll, dass es schon einmal zu einem Beißvorfall gekommen sei. Antwort der Frau: „So habe ich es nicht gesagt.“

Missverständnisse soll es auch in einem Polizeiprotokoll bezüglich eines Taschenmessers geben. Die Polizei vermerkte, dass der Angeklagte es zum Tatzeitpunkt in der Hand gehalten haben soll. „Das hatte ich in der Tasche, es ist von der Polizei alles ein bisschen verdreht worden. Ich bin zudem seit mehr als 30 Jahren im Schützenverein, ich würde nie mit einer Waffe rumlaufen. Warum sollte ich jemand wegen eines Hundes bedrohen? Ich habe nur gerufen, mehr habe ich nicht getan!“, rechtfertigte sich der 50-Jährige.

Richter Hans Helmut Strüder bezeichnet die persönliche Chemie zwischen den beiden Hundebesitzern als „sehr gestört“. Ansatzpunkte für eine friedvolle Lösung sind für den Juristen keine ersichtlich. Das Gericht will sich jetzt Unterlagen über den vermeintlichen Beißvorfall vom zuständigen Ordnungsamt zukommen lassen, und auch die Hundesatzung der Verbandsgemeinde soll angefordert werden.

Von unserem Redakteur Michael Wenzel
Montabaur Hachenburg
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