40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » Westerwälder Zeitung
  • » Im Rausch Freundin mit Messer attackiert
  • Aus unserem Archiv
    Montabaur

    Im Rausch Freundin mit Messer attackiert

    Er hatte mehr als drei Promille Alkohol im Blut, als er im Streit auf seine Freundin einstach. Jetzt hat das Amtsgericht Montabaur den Mann zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. Außerdem muss er in eine Entziehungsanstalt.

    Im Sommer 2012 hatte sich das ehemalige Paar aus Montabaur mit Wein und Spirituosen betrunken, als es zum Streit kam. Seine Ex-Freundin habe laut und hysterisch herumgeschrien und sei nicht zu beruhigen gewesen, erklärte der Angeklagte. "Blöderweise lag das Messer da auf dem Nachttisch, und da habe ich zugestochen", so der 54-Jährige weiter. Dann habe er sofort zum Telefon gegriffen und den Rettungsdienst gerufen. "Ich hatte Angst, dass sie mir stirbt", berichtet der Mann unter Tränen. Richter Reiner Rühmann will wissen, ob er sie töten wollte. Daraufhin antwortet der Mann: "Nein, ich wollte nur, dass sie Ruhe gibt."

    Die drei Zentimeter tiefe Wunde wurde im Krankenhaus versorgt, größere bleibende körperliche Schäden habe sie aber nicht, erklärt das Opfer im Zeugenstand. Seit acht Jahren lebte die 44-Jährige mit dem Angeklagten zusammen. Nach dem Vorfall haben sie sich getrennt. "Wir leben beide von Hartz IV, legen unser Geld zusammen und teilen uns die Wohnung", schilderte die Frau. "Es wäre dreist von ihm, wenn er sich jetzt einfach eine neue Wohnung suchen würde", beschreibt sie die gegenseitige Abhängigkeit. Sie wolle auch nicht, dass ihr Ex-Freund bestraft werde, denn: "Er benimmt sich ja jetzt." Und außerdem wisse sie, dass er ein schlechtes Gewissen habe.

    Richter Reiner Rühmann drängte sich die Frage auf, warum die beiden ein Küchenmesser im Schlafzimmer liegen hatten. Sie erklärten glaubhaft, sie hätten einen zugelaufenen Hamster in einen Karton gesteckt, und mit dem Messer Luftlöcher in die Pappe gestochen. Deshalb habe die spätere Tatwaffe noch auf dem Nachttisch gelegen. Kurz vor dem Angriff hätten sie beide streitend Rücken an Rücken auf dem Bett gesessen. Deshalb habe der Angeklagte sein Opfer auch im Rückenbereich getroffen und nicht in Bauch oder Brust. Die Alkoholsucht ist seit Jahren ein Thema bei Täter und Opfer. Nach einer Therapie im Jahr 2002 war der arbeitslose Kfz-Meister rückfällig geworden und hatte eine zweite Therapie 2012 nicht angetreten. Auch vor Gericht ist er kein Neuling: Trunkenheit am Steuer, Körperverletzung, Betrug und ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz stehen in seiner Akte. Er soll eine Katze aus dem vierten Stock geworfen haben.

    Ein psychologisches Gutachten nach der Messerattacke verweigerte der Angeklagte, der bereits zweimal geschieden ist und einen erwachsenen Sohn hat. Psychiater Dr. Gerd Buchholz analysierte die Aussagen des Mannes vor Gericht. Täter und Opfer seien ein "typisches Alkoholpärchen", welches sich trotz des Angriffs weiter Halt geben und aufeinander bauen würde. Allerdings bestünde die Gefahr eines weiteren aggressiven Streites, der auch schlimmer enden könnte als im vorliegenden Fall. Um diese Gefahr zu bannen, schlug der Gutachter eine Verurteilung nach Paragraf 64 Strafgesetzbuch vor, der eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt vorsieht.

    Auch der Oberstaatsanwalt war in seinem Plädoyer der Meinung, dass der Angeklagte eine Gefahr darstelle. Es sei Zufall gewesen, dass das Opfer überlebt habe. Er forderte ein Jahr und sechs Monate Haft ohne Bewährung und ebenfalls die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Der Verteidiger plädierte dafür, die Gefängnisstrafe zur Bewährung auszusetzen, denn im Gefängnis könne sein Mandant keine Therapie machen.

    Richter Rühmann beriet sich mit seinen beiden Schöffen, stimmte schließlich dem Plädoyer des Oberstaatsanwaltes zu und richtete noch einmal das Wort an den Angeklagten. Er wolle ihn nicht nur wegsperren, sondern seine grundsätzlichen Probleme behandeln lassen. Wegen einer ungünstigen Sozialprognose könne er keine Bewährungsstrafe aussprechen. "Eine Unterbringung mit klaren Grenzen ist genau das Richtige für Sie. Nutzen Sie die Möglichkeit, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen", sagten Richter Reiner Rühmann zum Schluss.

    Von unserer Reporterin Jennifer de Luca

    Montabaur Hachenburg
    Meistgelesene Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Online regional
    Markus Eschenauer

    Regio-CvD Online

    Markus Eschenauer

    Mail | 02602/160 474

    epaper-startseite
    Regionalwetter Westerwald
    Freitag

    8°C - 16°C
    Samstag

    8°C - 17°C
    Sonntag

    7°C - 12°C
    Montag

    8°C - 12°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Bildergalerien: Fotos unserer Leser
    &bdquo;Pfui Spinne&ldquo; mag der ein oder andere beim Anblick dieses Fotos von Volker Horz denken. Und doch hat die Detailaufnahme dieses Festmahls ihren ganz eigenen Reiz. Jedenfalls ist dem Achtbeiner hier ein dicker Fang ins Netz gegangen.&nbsp;Wenn auch Sie ein sch&ouml;nes Bild f&uuml;r unsere Leserfoto-Rubrik haben, dann schicken Sie es an die Adresse <a href="mailto:montabaur@rhein-zeitung.net">montabaur@rhein-zeitung.net</a>. Beachten Sie dabei bitte die erforderliche Mindestaufl&ouml;sung von 2500 mal 1500 Pixel.

    Mit der Kamera im Westerwald unterwegs: Hier zeigen wir die schönsten Fotos unserer Leser. Zusenden per E-Mail.