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Elsoff

Hopphopphopp: Unterwegs als Treiber auf einer Bewegungsjagd

Larissa Schütz

Es ist noch früh am Morgen, doch auf einem großen Schotterplatz in der Nähe des Elsoffer Sportplatzes herrscht bereits reger Betrieb. Immer mehr Jäger in grell orangefarbenen Tarnjacken versammeln sich, um an der revierübergreifenden Drückjagd im staatlichen Eigenjagdbezirk Lasterbach teilzunehmen.

Nachdem der „Aufbruch zur Jagd“ geblasen wurde, brachen die Jäger in Elsoff zur revierübergreifenden Drückjagd ins Forstrevier Lasterbach auf.
Nachdem der „Aufbruch zur Jagd“ geblasen wurde, brachen die Jäger in Elsoff zur revierübergreifenden Drückjagd ins Forstrevier Lasterbach auf.
Foto: Larissa Schütz

Die Hunde quietschen aufgeregt und scheinen den Beginn der Jagd kaum erwarten zu können, sie sind mit gut sichtbaren, orangefarbenen Halsbändern, auf denen die Mobiltelefonnummern der Besitzer geschrieben wurden, ausgestattet. Noch ist es trocken, und zwischen der grauen Wolkendecke blitzt ab und an mal ein Stückchen blauer Himmel durch. Inmitten der freudig plaudernden Jägerschar stehe ich, statt mit einem Gewehr mit meiner Kamera, Block und Stift „bewaffnet“. Als man mir anbot, aus erster Hand einen Bericht über die Drückjagd für die WZ zu schreiben, habe ich nicht lange gezögert und zugesagt. Ich soll mich heute der Treiberwehr anschließen, das hatte ich bereits vorab mit Forstamtsleiter Michael Weber (Forstamt Rennerod) abgesprochen. Der begrüßt auch die Jäger und Treiber und weist noch einmal auf den Ablauf und die Sicherheitsbestimmungen während der Jagd hin. Ganz oben auf der Prioritätenliste steht bei der Jagd das Schwarzwild – die Ausnahme sind Bachen, die abhängige Frischlinge führen. „Wir müssen alles tun, was wir als Jäger tun können, um die Afrikanische Schweinepest aufzuhalten“, betont er in seiner Ansprache. Auch Rehwild und Fuchs sind freigegeben. Nachdem die Sicherheitsbestimmungen eindringlich und detailliert erläutert worden sind, erklingt das Signal „Aufbruch zu Jagd“ und 25 Jäger vom Staatswald, 30 Jäger aus Elsoff sowie drei Hundeführer mit ihren Hunden und fünf Treiber machen sich auf den Weg. Bei der Bewegungsjagd sind auch rund 30 Jäger aus Mengerskirchen mit dabei, die allerdings direkt Stellung in ihrem Bereich bezogen haben. Ich gehöre zur Gruppe Staatswald und fahre hinter Helmut Scherer her. Der ist Revierleiter vom Forstrevier Lasterbach, seit 35 Jahren in diesen Wäldern unterwegs und hat die Bewegungsjagd federführend organisiert. Der lange Autokonvoi erreicht sein Ziel, einen Firmenparkplatz, wo alle Fahrzeuge abgestellt werden.

Helmut Scherer ist der Leiter vom Forstrevier Lasterbach und kennt quasi jeden Baum in seinem Revier persönlich. Er hat die Bewegungsjagd federführend organisiert und war selbst als Treiber unterwegs. Ende des Jahres wird der erfahrene Revierleiter in den Ruhestand gehen.
Helmut Scherer ist der Leiter vom Forstrevier Lasterbach und kennt quasi jeden Baum in seinem Revier persönlich. Er hat die Bewegungsjagd federführend organisiert und war selbst als Treiber unterwegs. Ende des Jahres wird der erfahrene Revierleiter in den Ruhestand gehen.
Foto: Larissa Schütz

Ich steige zu Helmut Scherer in dessen Geländewagen, der einen riesigen Anhänger zieht, auf dem die Jäger Platz nehmen. Scherer verteilt die Jäger auf ihre jeweiligen Ansitzböcke, nach und nach leert sich der Anhänger. Als alle Jäger ihre Stände eingenommen haben, dürfen auch wir Treiber losziehen. Zu unserer kleinen Treiberwehr gehören neben Helmut Scherer und mir auch noch Christoph Schulz und dessen fünfjährige Glatthaar Foxterrier Hündin Ari. Die rennt vor uns ins dichte Unterholz und wir folgen ihr lärmend. Pünktlich zum Start setzt auch der Regen ein.

Mit den langen Stöcken gegen Baumstämme und Steine schlagend und immer wieder laut „Hopphopphopp“ rufend, versuchen wir, das Wild aus der Deckung aufzuscheuchen. Die Windbruchflächen, durch die wir uns bewegen, sind mit dichten Brombeerranken überwuchert, die einen immer wieder mit erstaunlicher Kraft festhalten. Der Boden ist uneben und die Vegetation macht es unmöglich zu sehen, wo man hintritt. Trotz der niedrigen Temperaturen ist das Treiben eine schweißtreibende Angelegenheit. Plötzlich hören wir Ari laut bellen. „Wahrscheinlich Rehwild“, meint Christoph Schulz. „Bei Schwarzwild wäre das Bellen dunkler.“ Vereinzelt erklingen Schüsse, mal nah, mal weiter entfernt. Einmal bricht ein Rehbock direkt neben uns aus seiner Deckung. Ich gebe nach gut einer Stunde auf, und Helmut Scherer fährt mich, durchnässt wie ich bin, zu meinem Auto. Für mich geht damit ein sehr aufregender und interessanter Vormittag zu Ende. Für die Jagdgesellschaft heißt es um Punkt 13 Uhr „Hahn in Ruh“, das heißt, dass dann nicht mehr geschossen wird.

Ein Stöberhund darf bei einer Bewegungsjagd nicht fehlen.
Ein Stöberhund darf bei einer Bewegungsjagd nicht fehlen.
Foto: Michael Weber

Wie Helmut Scherer mir später berichtet, wurden bei der Bewegungsjagd im Staatsforst Lasterbach insgesamt acht Sauen, zwölf Stück Rehwild und vier Füchse geschossen. Beim Schwarzwild hatten die Jäger sich mehr erhofft. Die Proben für die Trichinenuntersuchung und das Schweinepestmonitoring, die beim Versorgen der Strecke genommen wurden, werden momentan ausgewertet.

Von unserer Reporterin
Larissa Schütz

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