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    Höhr-Grenzhausen

    Höhr-Grenzhausen: Ein Obdachloser, (k)eine Bank und viel Streit

    In Höhr-Grenzhausen gibt es Streit um eine Sitzbank. Grund ist ein Obdachloser, der über Monate von früh bis spät auf dieser Bank auf dem Alexanderplatz saß. Weil sich einige Bürger von dem jungen Mann schikaniert fühlten, reagierte die Verwaltung auf Druck der Öffentlichkeit und ließ die Parkbank kurzerhand abmontieren. Kaum ist die Bank weg, beschweren sich nun die Menschen, dass dem Obdachlosen seine Bleibe genommen wird. Was denn nun?

    Eigentlich will Eduard nur auf seinem Bänkchen am Höhr-Grenzhausener Alexanderplatz sitzen. Weil Anwohner sich aber von dem Obdachlosen gestört fühlten, wurde sie abmontiert. Darüber regen sich die Leute jetzt aber auch wieder auf. (Foto: Verena Hallerman)
    Eigentlich will Eduard nur auf seinem Bänkchen am Höhr-Grenzhausener Alexanderplatz sitzen. Weil Anwohner sich aber von dem Obdachlosen gestört fühlten, wurde sie abmontiert. Darüber regen sich die Leute jetzt aber auch wieder auf. (
    Foto: Verena Hallerman)

    Schon länger sorgt das Thema in Höhr-Grenzhausen nun für Wirbel und hat sich am Wochenende angeblich mit einer kleinen Demo für den Mann zugespitzt. Und der Betroffene selbst? Unsere Zeitung hat sich mit ihm unterhalten.

    Eduard, so heißt er, hat sich ein schattiges Plätzchen unterhalb der Bäume einer Gaststätte auf dem Alexanderplatz gesucht. Statt auf einer Parkbank, sitzt der 21-Jährige nun auf einem Klappstuhl. Warum man ihm die Bank weggenommen hat, kann er nicht verstehen. Er störe doch niemanden, sagt der junge Mann mit den blonden Haaren und den abgetragenen Klamotten, während er ein Spielzeug zwischen seinen Fingern kreisen lässt. „Den Stuhl hat mir irgendjemand hier hingestellt“, ist Eduard überzeugt. Überhaupt habe er geglaubt, dass ihn die Menschen dort akzeptiert hätten. Und tatsächlich: Während er auf seinem Klappstuhl hockt, heben Passanten freundlich die Hand zum Gruß, winken aus langsam fahrenden Autos oder gesellen sich für ein kleines Pläuschchen zu ihm.

    Eduard lebt seit mehr als einem Jahr auf der Straße

    Vor einigen Jahren ist Eduard mit seinen beiden älteren Brüdern und seinen Eltern aus dem Osten nach Höhr-Grenzhausen gezogen, sagt er. Kontakt habe er zu niemandem mehr. Einer seiner Brüder saß im Gefängnis. Warum will der junge Obdachlose nicht erzählen. Auf die Frage, wie es seiner Familie wohl gehe, antwortet er nur mit einem leichten Schulterzucken. Seit mehr als einem Jahr lebt der junge Mann nun schon auf der Straße. Er sagt, dass eine unglückliche Liebe der Auslöser für seine Obdachlosigkeit sei. Mehr will er dazu nicht sagen. Es könnte aber auch nur eine Geschichte sein, die sich Eduard zurechtgelegt hat, um sich nicht mit dem eigentlichen Grund beschäftigen zu müssen. Vieles in seinem Leben ist unklar. Eduard soll eine schwere Vergangenheit haben, erzählt Julia. Die junge Frau aus Höhr-Grenzhausen kennt Eduard schon aus Kindertagen. Familiäre Probleme sowie Schwierigkeiten auf der Arbeit sollen ihn in die Obdachlosigkeit getrieben haben. „Ich finde, dass man ihn da sitzen lassen sollte“, sagt Julia. „Wenn es die Leute wirklich stört, könnte man ihm aber vorschlagen, sich einen anderen Platz zu suchen.“

    Aber das sehen nicht alle so: Seit etwa sechs Monaten gehen die Beschwerden bei Thilo Becker, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Höhr-Grenzhausen, ein. „Die sind irgendwann so massiv geworden, dass wir handeln mussten“, erklärt Becker. Vergangene Woche wurde dementsprechend die Bank entfernt. Dass der Obdachlose nun auf einem Klappstuhl an genau derselben Stelle verweilt, könne man nicht verhindern. „Wir können ihm keinen Vorwurf machen, dass er da sitzt, denn das ist sein Recht“, sagt Becker. „Für einen Platzverweis müsste eine Ordnungswidrigkeit vorliegen. Und das ist an der Stelle nicht der Fall.“ Auch in Zukunft wolle die Verwaltung weiterhin das Gespräch mit Eduard suchen – in der Hoffnung, dass er die Hilfe annimmt und kommenden Winter nicht mehr draußen schlafen muss.

    Der junge Mann vermisst sein altes Leben

    Doch bislang lehnt er jede Hilfe ab. Obwohl Eduard das geordnete Leben vermisst. Einen Schlafplatz, ein Bett, einen Ort, wo er auch mal für sich sein kann oder sich waschen kann. Das Gericht, die Agentur für Arbeit, Kreis- und Verbandsgemeindeverwaltung sowie die Polizei und weitere Institutionen haben schon versucht, den Mann von der Straße zu holen. „Mir fällt nichts mehr ein, was wir noch tun könnten“, sagt ein Polizist, der Eduard hin und wieder auf dem Alexanderplatz besucht. Auch dieses Mal redet er dem jungen Mann gut zu, sich helfen zu lassen. Vergeblich. Selbst der kalte Winter hat bei Eduard keinen Eindruck hinterlassen. Auf einem alten Sofa habe er die Nächte unter einer Unterführung verbracht, erzählt er. Ein paar Decken habe er geschenkt bekommen. So kalt sei es gar nicht gewesen. Das Wetter mache ihm nichts aus. Auch bei Regen würde er sich auf den Alexanderplatz setzen und den Tag verstreifen lassen. Arbeiten wolle er jedenfalls nicht mehr.

    Die Betreiber der nahen Geschäfte und Gastronomien sind geteilter Meinung. Die Frau der kleinen Postfiliale äußerte sich jüngst in einem Interview mit dem SWR kritisch. Sie zitierte einige Kunden, die den jungen Mann als einen „Schandfleck“ für Höhr-Grenzhausen bezeichneten, der geschäftsschädigend sei. Ein Leser teilte unserer Zeitung sogar schriftlich mit, dass eine Frau sich massiv beim Bürgermeister beschwerte. Sie könne dort in dem benachbarten Biergarten nicht mehr sitzen, aus „Angst vor Flöhen und Läusen“. Es sei eine „Frechheit“, dass der Obdachlose dort sitze und sich „jucken und kratzen“ würde. Vor allem auf Facebook wird gegen den Mann gehetzt. Getan hat er allerdings bisher noch niemandem etwas. Allerdings soll es nach Informationen unserer Zeitung kleinere Strafanzeigen wegen Einbrüchen und Diebstahl gegen ihn geben.

    Der Pächter der Eisdiele betont hingegen gegenüber unserer Zeitung, dass der Obdachlose seine Kunden nicht störe. „Er ist friedlich und er bettelt nicht“, sagt der Pächter und fügt hinzu, dass etwa 30 Leute vergangenen Samstag auf dem Alexanderplatz für den Obdachlosen demonstriert hätten. „Das sieht nicht jeder so. Höhr-Grenzhausen ist gespalten wegen dieses Jungens.“

    Von unserer Reporterin Verena Hallermann

    Da kam einiges zusammen: Obdachloser sitzt im Gefängnis statt auf BankBank da – Eduard sitzt: Posse um Obdachlosen und (s)eine Bank
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