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Westerburg

Gericht: 24-Jährige nimmt Mann aus wie eine Weihnachtsgans

Von der großen Liebe träumt ein 36 Jahre alter Zimmermann, von einem gemeinsamen Leben mit einer 24-jährigen Mutter, doch anstatt Happy End vor dem Traualtar gab es ein Wiedersehen am Amtsgericht in Westerburg.

Mit einer Bewährungsstrafe ist eine 24-jährige Mutter davongekommen, die einen Zimmermann mehrfach betrogen hat.
Mit einer Bewährungsstrafe ist eine 24-jährige Mutter davongekommen, die einen Zimmermann mehrfach betrogen hat.
Foto: picture alliance / dpa

Von unserem Redakteur Michael Wenzel

Angeklagt: die junge Frau. Sie soll den 36-Jährigen nach allen Regeln der Kunst abgezockt haben. Betrug in insgesamt 34 selbstständigen Handlungen, lautete die Anklage der Staatsanwaltschaft. Innerhalb von nur sechs Wochen deckte die junge Mutter sich im Internet mit Kosmetika, Möbeln oder DVDs ein. Die Rechnungen gingen an den Zimmermann. Erhalten hat er nichts: weder Ware, noch das Geld. Und auch in der erhofften Liebe ging es eher verhalten zu.

Über das Internetportal Facebook hatten sich der gelernte Zimmermann und die arbeitslose Bürokauffrau kennengelernt. Für ihn war es die große Liebe, für sie wohl eine gute Gelegenheit, ihren chronischen Geldmangel etwas zu beheben. Die beiden trafen sich regelmäßig, mal bei ihr, mal bei ihm, dann, Anfang November vergangenen Jahres, erzählte sie ihm, dass sie Weihnachtsgeschenke kaufen müsse und fragte ihn, ob sie die Präsente für ihre Familie nicht über ihn ordern könne. Der 36-Jährige sah da kein Problem und willigte ein. Da nahm der Einkaufsrausch seinen Lauf: Jetzt kamen dauernd Artikel per Post: ein Mobiltelefon, eine Spielekonsole, Dekoartikel, Küchengeräte, Bekleidung und vieles andere mehr. Mal orderte sie innerhalb von wenigen Tagen Kosmetikartikel für mehr als 1000 Euro, dann wieder DVDs für 250 Euro. Waren im geschätzten Gesamtwert von 6000 bis 7000 Euro soll die 24-Jährige auf diese Weise ergaunert haben. „Bei 34 Fällen“, so der vorsitzende Richter Hans Helmut Strüder, „hat die Staatsanwaltschaft mit dem Zählen aufgehört, und es bei den angeführten Fällen belassen!“

„Ich verstehe auch nicht, warum ich das alles gemacht habe, was mich da geritten hat“, meinte die junge Frau jetzt vor Gericht und räumte alle Taten ohne Wenn und Aber ein. Sie gestand auch, dass sie einen Teil der ergaunerten Waren im Internet weiterverkauft hat.

Waren es psychische Probleme, die sie zur Betrügerin werden ließen? Die junge Mutter berichtete von einem Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik, davon, dass sie sich umbringen wollte und dass ihr Vater sie im Alter von acht Jahren sexuell missbraucht habe. Ihr Kind wurde zwischenzeitlich vom Jugendamt in die Obhut einer Pflegefamilie gegeben. Sie verlor ihren Job, und ihr Kühlschrank sei fast immer leer gewesen. Offenbar herrschte chronische Geldnot.

„Ich habe ihr blind vertraut“, sagt der geprellte Zimmermann. Gemeinsam mit ihr alt werden, wollte er. Eine Familie gründen. Von einem erheblichen Vertrauensmissbrauch sprach der Vertreter der Staatsanwaltschaft, von einer Neigung der Angeklagten, die darauf ausgerichtet sei, Männer auszubeuten.

Eine Bewährungsstrafe von elf Monaten forderte der Anklagevertreter und zusätzlich die Ableistung von 300 Sozialstunden. Letzterem kam Richter Hans Helmut Strüder in vollem Umfang nach, was die Verhängung einer Bewährungsstrafe betraf, so sattelte der Vorsitzende noch einen Monat drauf und verurteilte die Frau zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr, die für die Dauer von drei Jahren zur Bewährung ausgesetzt wurde.

„Die Angeklagte bewegte sich gefährlich am Rande eines gewerbsmäßigen Betrugs, was bei einer Bejahung möglicherweise keine Bewährungschance mehr zur Folge gehabt hätte“, verdeutliche Richter Hans Helmut Strüder in seiner Urteilsbegründung. Die junge Frau habe sich ehrlich und reumütig gezeigt, jedoch über einen recht kurzen Zeitraum von nur sechs Wochen eine erhebliche kriminelle Energie an den Tag gelegt. Jetzt liege es an ihr, zu zeigen, dass es auch anders gehe. Die Hoffnung, dass es ihr gelinge, so der Richter, sei vorhanden.

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