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Freilingen

Gemeinde senkt Wasserstand: Biberteich in Freilingen ist eine Gefahr

Verena Hallermann

Der Biberteich in Freilingen bedroht die Ortschaft. Bei Starkregen könnte der Damm brechen und das aufgestaute Wasser die Gemeinde überfluten, teilt die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord, auf Anfrage unserer Zeitung mit. Die Obere Naturschutzbehörde spricht von „Gefahr für Leib und Leben“. Seitens der Verbandsgemeinde Selters wird der Wasserspiegel nun sofort gesenkt. Unsere Zeitung hat nachgehört, was das für den Lebensraum der Tiere bedeutet.

Der Wasserstand des Biberteiches wird reduziert, um Überschwemmungen zu vermeiden.
Der Wasserstand des Biberteiches wird reduziert, um Überschwemmungen zu vermeiden.
Foto: Harry Neumann/NI

Hintergrund: In der Nähe der L 304 zwischen Freilingen und Wölferlingen hat ein Biber am Saynbach einen Damm gebaut. Es ist der erste Biber seit Jahren, der im Westerwald beheimatet ist (wir berichteten). Durch ihn ist auf der Wiese ein Teich entstanden, der eine Reihe von Wasservögeln, Libellen und Fröschen angelockt hat. Die Naturschutzinitiative (NI) um Harry Neumann, die das neue Biotop schon eine Weile beobachtet, hat einige seltene Tierarten darunter Tüpfelsumpfhühner, Rostgänse, Zwergtaucher oder auch Schwarzstörche entdeckt.

Die Genehmigung seitens der SGD Nord gegenüber der Verbandsgemeinde Selters, den Wasserstand senken zu dürfen, lag schon länger vor. Zwischenzeitlich hatte die Naturschutzinitiative aber Widerspruch erhoben, weil sie eine Gefahr für den Lebensraum der Tiere sieht. Daraufhin hatte die SGD Nord die Verbandsgemeinde um eine Gefährdungsanalyse gebeten. Klaus Müller, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Selters, erklärt, dass es gefährlich ist, wenn das Wasser nicht mehr ungehindert durch ein Brückenbauwerk fließen kann. Denn dieses ist in Freilingen durch die Bauarbeiten des Bibers verstopft. „Wir reden hier von einem Hektar Wasserfläche“, sagt Müller. „Wir müssen versuchen genügend Lebensraum für die Tiere zu erhalten, aber die Gefahren für die Menschen zu minimieren.“ Nun hat die SGD Nord einer sofortigen Wasserstandssenkung zugestimmt. Mithilfe eines Ablaufrohrs wird das Wasser in kleinen Schritten abgesenkt und wieder in den Saynbach geleitet. Die Maßnahme wird seitens der Verbandsgemeinde in Zusammenarbeit mit der Ortsgemeinde Freilingen durchgeführt. Laut SGD Nord wird das Wasser zunächst um 20 Zentimeter und dann um weitere fünf bis zehn Zentimeter abgelassen. „Wir gehen weiter davon aus, dass dieses Absenken zu keinem Verlust der Reviere der Vögel führen wird“, teilt Sandra Hansen-Spurzem, Pressesprecherin der SGD Nord, mit. „Die Lebensraumfunktionen für alle vorhandenen Arten bleiben weiter erhalten.“

Die Naturschutzinitiative sieht das anders. Sie bestreitet die Notwendigkeit der Absenkung, sieht insbesondere für das Tüpfelsumpfhuhn eine Gefahr. Der Landesvorsitzende Harry Neumann betont, dass das Tüpfelsumpfhuhn eine gefährdete Art ist. Das Vorkommen von drei bis vier Tieren, wie in Freilingen, sei eine absolute Ausnahme. „Der Genehmigungsbescheid verkennt das nicht, erteilt aber unseres Erachtens eine nicht erforderliche Ausnahmegenehmigung, da die jetzt zu unterstellende äußerst sensible Situation durch eine einfache Vermeidungssituation, dem Aussetzen der geplanten Maßnahmen von drei Wochen, vermutlich zu lösen wäre“, sagt Neumann. „Wir können bei diesem sehr flach überstauten Gelände jedenfalls keine Gefahr im Verzuge erkennen.“ Bis Mai habe die NI Gesangsaktivitäten feststellen können. Nun seien die Tiere vermutlich am Brüten. „Eine Wasserstandsänderung von etwa zehn Zentimetern würde Nestanlagen trockenlegen“, macht Neumann deutlich. Die genehmigten Aktivitäten riskieren Tötungen von Fortpflanzungsstadien oder die Entwertung der Niststätte, so die NI weiter.

Von unserer Redakteurin Verena Hallermann

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