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Montabaur

Geld der Gemeinde veruntreut: Ex-Ortschefin verbüßt Haftstrafe von 28 Monaten

Angela Baumeier

Zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten hat das Schöffengericht Montabaur eine ehemalige Ortsbürgermeisterin aus dem oberen Westerwald verurteilt. Sie hat sich der Untreue in 65 Fällen schuldig gemacht und sich über Jahre hinweg aus mehreren Kassen der Gemeinde bedient.

Statue der Justitia
Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand.
Foto: David Ebener/Archiv – dpa

Insgesamt geht es dabei um 8840,65 Euro, die sie für sich behielt. 2017 wurde sie bereits am Amtsgericht Westerburg verurteilt, weil sie außerdem in den Jahren 2013 und 2014 Jagdpachteinnahmen der Ortsgemeinde im Gesamtwert von 8630 Euro auf ihrem Privatkonto verbucht und das Geld privat verbraucht hatte. Die dafür verhängte Freiheitsstrafe von 15 Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde, floss nun mit in die Gesamtfreiheitsstrafe ein.

Und das war geschehen: Aus einem finanziellen Engpass heraus, wie die Angeklagte nun aussagte, veruntreute sie zwischen Oktober 2012 und Juli 2017 im Rahmen ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit als Ortsbürgermeisterin 65-mal Geld – Sitzungsgelder des Ortsgemeinderates sowie Mieten für das Dorfgemeinschaftshaus und eine große Feierhalle, die zumeist bar an sie ausgezahlt wurden, da man der Ortschefin vertraute. Außerdem hob sie von einem Konto eines Ortsvereins, dessen Vorsitzende sie war, 4000 Euro ab. Als dies auffiel, überwies sie mehrere Tage später die Summe auf das Konto zurück.

„Überall, wo Geld floss, ist bei ihr Geld kleben geblieben“, warf der Staatsanwalt der Angeklagten vor, die eine nicht unerhebliche kriminelle Energie gehabt habe. Denn auch, als die Veruntreuung des Vereinsgeldes aufgefallen war und sogar dann, als sie im März 2017 polizeilich vorgeladen wurde, hörte sie nicht auf, sich mit dem gemeindeeigenen Geld zu versorgen.

Noch immer ist „ihre“ Ortsgemeinde über diesen jahrelangen Vertrauensbruch fassungslos. „Das hätte ich ihr nie zugetraut“, meinte eine der zahlreich im Sitzungssaal erschienenen Zuhörer, dass sogar noch Stühle nachgestellt werden mussten. Eine andere Frau meinte: „Glauben Sie mir: Als ich das erste Mal davon hörte, standen mir die Tränen in den Augen.“

Entschlossen gestand die Angeklagte alle Anklagepunkte und wandte sich an die Zuhörer: Ebenso wie bei dem Prozess am Amtsgericht Westerburg entschuldigte sie sich bei ihnen für ihre Taten, die ihr unendlich leidtäten. Bevor das Urteil verkündet wurde, hatte sie das letzte Wort: „Vielleicht kommt einmal der Tag, wo man mir vielleicht verzeihen kann.“ Während der Staatsanwalt eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten forderte, plädierte der Pflichtverteidiger für eine Freiheitsstrafe, die noch zur Bewährung ausgesetzt werden kann. Seine Mandantin sei geständig, habe während der Tatzeit unter gesundheitlichen Problemen gelitten und versuche im Rahmen ihrer Möglichkeiten, den Schaden gutzumachen. „Depression ist eine Krankheit, die zu unerklärlichen Handlungen führen kann“, betonte er und verwies darauf, dass es der Ex-Ortschefin seinerzeit leicht gemacht worden sei, in die Kassen zu greifen, da keine Kontrolle stattgefunden habe.

Wie ein Zeuge dazu aussagte, ist heute in der Ortsgemeinde „das Bargeld abgeschafft“, die Beträge müssen also überwiesen werden. Seitens der VG-Verwaltung erklärte ein weiterer Zeuge, dass die Verbandsgemeinde keine Aufsichtsbehörde sei. Sie führe für die Ortsgemeinden die Geschäfte, sei aber darauf angewiesen, von ihr die nötigen Informationen zu bekommen. Die entstandenen Schäden werden der Ortsgemeinde durch eine Versicherung ersetzt.

In seiner Urteilsbegründung sprach Richter Ralf Tries davon, dass die gebildete Gesamtstrafe auch strafpräventiv wirken und jedem Ortsbürgermeister zeigen solle: „So etwas macht man nicht.“

Von unserer Reporterin Angela Baumeier
Montabaur Hachenburg
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