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Für Herschbach soll's wieder bunte Rosen regnen: Wie die Prunkwagen für den Rosenmontagszug entstehen

Der Prinzenwagen der Karnevalsgesellschaft (KG) Herschbach 1912 wird dieses Jahr seine Flügel ausstrecken. Wenn der Wagen seine Majestäten am Rosenmontag durch die Straßen fährt, vorbei an verkleideten Jecken und Kamelle sammelnden Kindern, werden es die Flügel und die feuerspeienden Nüstern sein, die zuerst ins Auge fallen.

Über Monate hat die Karnevalsgesellschaft Herschbach 1912 in ihrer vereinseigenen Wagenbauhalle ihre Karossen hergerichtet. Am Rosenmontag ist es Zeit für den großen Auftritt. Fotos: Verena Hallermann
Über Monate hat die Karnevalsgesellschaft Herschbach 1912 in ihrer vereinseigenen Wagenbauhalle ihre Karossen hergerichtet. Am Rosenmontag ist es Zeit für den großen Auftritt. Fotos: Verena Hallermann
Foto: Verena Hallermann

Dieses Jahr trägt die königliche Karosse nämlich das Motiv eines Drachen. Jörg Frohn ist das zu verdanken. Er ist der Prinz dieser Session und hat mit seinem Gefolge viele Wochen an dem Wagen gebastelt. Aber warum zieht der Prinzenwagen dieses Jahr als mythisches Raubtier durch die Straßen? Und wie werden die anderen Prunkwagen geschmückt? Unsere Zeitung hat das närrische Volk aus dem Unterwesterwald und seine Tollitäten mal in ihrer vereinseigenen Wagenbauhalle besucht.

In dem Gebäude neben dem Haus Hergispach in Herschbach stehen die Prunk- und Motivwagen dicht an dicht. Die Tore der Werkstatt sind offen. Diesiges Februarlicht erhellt die Szenerie. In den schmalen Gängen zwischen den Wagen stehen Plastiksäcke mit Dekor und Eimer mit Klebstoff. Ein paar Mitglieder der Karnevalsgesellschaft Herschbach drängen sich an Papp- und Holzresten vorbei. Ganz vorne, dort, wo die Halle am höchsten ist, steht der Prinzenwagen. Ein prächtiges Kleid aus tausenden Papierrosen umgibt ihn. Weiße für die Reiszähne des Drachen, grüne für den schlangenartigen Körper. Jörg Frohn steht daneben und klebt zusammen mit ein paar fleißigen Helfern ein paar Blumen an. Damit kenne er sich aus, erzählt Frohn augenzwinkernd. Nicht nur, weil er abseits der Narretei als Gärtner arbeitet, auch, weil er seit fast 20 Jahren im Verein ist und die Tradition der Rosen pflegt, erzählt er. Schritt für Schritt nimmt der Drache langsam Gestalt an. „Der Karneval in Herschbach steht dieses Mal im Zeichen von Game of Thrones“, erklärt Prinz Jörg I. die Motivwahl und gibt sich als begeisterter Zuschauer der Serie zu erkennen. „Nur wird das Spiel der Throne natürlich meinen Namen tragen.“ Unter dem Motto „Game of Frohns“ wird sich der Rosenmontagszug dem Volk präsentieren.

Emma Schenkelberg (10) ist dieses Jahr die Kinderprinzessin bei der KG Herschbach.
Emma Schenkelberg (10) ist dieses Jahr die Kinderprinzessin bei der KG Herschbach.
Foto: Verena Hallermann

An der Seite des Hüters des Reichs, wie sich der Prinz in dieser Session ganz im Sinne der Kultserie nennt, wird Klaus Reifenberg stehen. Er gehört zum Prinzengefolge und ist einer der Urgesteine des Karnevalsvereins. „Ich bin als Herschbacher Jung damit aufgewachsen“, erinnert sich Reifenberg, wie er als Kind an der Straße stand und zugesehen hat, wie der Zug vorbeifuhr. Das war noch die Zeit, als Pferde die Prunkwagen zogen. „Später ist man dann aus Versicherungsgründen auf Traktoren umgestiegen“, sagt Reifenberg, der jetzt seit etwa 35 Jahren aktiv beim Rosenmontagszug mitwirkt. Heute hilft der 53-jährige Immobilienmanager den Prinzenwagen herzurichten. Ein Flammenwerfer auf Basis einer ungefährlichen Gasflamme und eine Nebelmaschine sollen noch an den Nüstern angebracht werden. Mit dabei hat Reifenberg seinen Sohn. Alexander ist fast sieben Jahre alt. „Seit er drei ist, fährt er schon regelmäßig mit“, erzählt der Papa stolz. Das hat in Herschbach Tradition. Viele Mitglieder des rund 480-Mann-starken Karnevalsvereins sind bereits seit ihren Kindertagen dabei.

Währenddessen nimmt das närrische Treiben in der Wagenbauhalle Fahrt auf. In den 70er-Jahren hat die KG die Halle erworben. Einst gehörte sie einem Busunternehmen. Immer mehr Vereinsmitglieder kommen dazu und basteln an ihren Wagen. Die Stimmung ist gut. Vereinzelt ploppen Bierflaschen auf. „Mer losse d'r Dom en Kölle“ von den Bläck Fööss spielt im Radio. Es riecht nach Klebstoff. Aus dem hinteren Bereich der Halle dröhnt dumpf die Bandsäge. Mit ihr werden die Papierrosen zurechtgeschnitten, bevor sie gefaltet, getackert und an die mit Pappe eingekleideten Wagen geklebt werden. „Früher haben wir die Rosen alle mit der Hand geschnitten, an Kartoffelsäcken befestigt und diese anstelle der Pappe an den Wagen befestigt“, erinnert sich Egon Schenkelberg. Vorsorglich trägt er einen weißen Schutzanzug. So wie die Möhnen rund um Obermöhne Beate Maßfeller. Sie wissen, dass sie heute noch eine Vielzahl von Papierrosen ankleben müssen. Auch der Schriftzug an dem Blumenschiff des Möhnenvereins Fidelio muss noch gemacht werden.

Viele fleißige Hände haben dabei geholfen, die Papierrosen zu falten und an die Wagen anzubringen.
Viele fleißige Hände haben dabei geholfen, die Papierrosen zu falten und an die Wagen anzubringen.
Foto: Verena Hallermann

Natürlich wünscht sich die KG wieder viele feiernde Karnevalisten auf den Straßen, die sich an den bunten Wagen erfreuen. Und natürlich an den Süßigkeiten. Mindestens 2,5 Tonnen Kamelle werden ihren Weg in die Tüten und Taschen der großen und kleinen Jecken finden. Darunter Chips, Schokoriegel, kleine Spielsachen – und natürlich jede Menge Bonbons. Rund 20.000 Euro kostet der gesamte Zug, davon werden allein 4000 Euro für das Blumen-Seiden-Papier ausgegeben. Die Rosen haben schon seit Beginn der Herschbacher Karnevalsgesellschaft 1912 Tradition. Dieses Jahr zieren wieder – sage und schreibe – 150.000 Stück die Wagen. Alle einzeln gebastelt und angeklebt. Stunden über Stunden. Finanziert wird der Zug durch den Verein, Sponsoren, Freunde, Gönner und auch aus den eigenen Taschen. „Vom Aufwand her, ist unser Verein wie ein kleines Unternehmen“, sagt Reifenberg. Denn schon im August hat der Verein mit den Vorbereitungen begonnen, hat Entwürfe für die Wagen skizziert, den Dekor vom vergangenen Jahr abgerissen. Das alles für einen einzigen Tag. Das alles für einen Rosenmontagszug über drei Kilometer durch Herschbach.

Doch das stört die Mitglieder der KG nicht. Im Gegenteil. Jedes Jahr freuen sie sich aufs Neue, wenn die Karnevalstage vor der Tür stehen und sie die ersten Skizzen für die neuen Prunk- und Motivwagen entwerfen können. So wartet in der Halle neben dem Drachen-Prinzenwagen auch der Wagen der Spielgemeinschaft (SG) Herschbach/Schenkelberg ganz im Zeichen von Super-Mario auf ihren Auftritt am Rosenmontag. Und auch eine fahrende Hafenspelunke mit Holzfässern und Goldkisten steht bereit. Und was ist das? Vor den Toren der XXL-Werkstatt steht ein bunter Wagen, der mit Eulenmotiven geschmückt ist. Emma Schenkelberg steht daneben. Sie ist zehn Jahre alt und dieses Jahr die Kinderprinzessin. Zusammen mit Prinz Mika I. wird sie sich auf dem Eulen-Wagen der närrischen Menge präsentieren, Kamelle werfen und die ein oder andere Süßigkeit selbst naschen, verrät sie lächelnd. „Für mich ist das ein schönes Hobby“, erzählt die Grundschülerin, die ab Herbst auf eine weiterführende Schule gehen wird. Ihre Mutter Tina Schenkelberg hat sie bereits nach ihrer Geburt im Verein angemeldet. Am Rosenmontag wird sie ein Kleid der ehemaligen Kinderprinzessin tragen. Darauf freut sie sich.

Jörg Frohn (vorne) und Klaus Reifenberg verarbeiten das Blumen-Seiden-Papier zu Papierrosen. Rund 150.000 Stück zieren die Wagen.
Jörg Frohn (vorne) und Klaus Reifenberg verarbeiten das Blumen-Seiden-Papier zu Papierrosen. Rund 150.000 Stück zieren die Wagen.
Foto: Verena Hallermann

Die Kölner Mundart der Bläck Fööss ertönt aus dem CD-Spieler. „Bye bye my love mach et jot, bes zom nächste Mol“, singen sie. Doch noch ist es nicht soweit, sich von der Narretei zu verabschieden. Im Gegenteil. Die Wagen in der Halle werden immer bunter. Sie sind fast fertig. Einige Feinarbeiten können aber erst kurz vor dem Zug gemacht werden. So wird der Leuchtturm auf einem der Motivwagen erst kurz vor dem Zug vollständig aufgebaut. Schließlich würde der Wagen sonst nicht mehr durch das Tor passen. Der 15-jährige Rico Busch und seine Freunde haben aber schon fleißig vorgearbeitet. Der Prinzenwagen wird probeweise schon mal vorsichtig ein Stück aus der Halle gefahren. Er passt geradeso durch das Tor. Millimeterarbeit. Die Schnauze des Drachen guckt hervor. Doch erst am Rosenmontag darf er seine Flügel ausstrecken und seine Runde durch die närrische Menge in Herschbach „fliegen“. Zumindest so lange, bis er zurück in seine „Höhle“ muss. Zumindest so lange, bis das Fabelwesen seine „Schuppen“ verliert. Welches Motiv der Prinzenwagen dann im kommenden Jahr bekommen wird, bleibt abzuwarten. Verena Hallermann

Rosenmontagszug führt drei Kilometer durch den Ort

Der Rosenmontagszug der Karnevalsgesellschaft (KG) Herschbach 1912 wird wie jedes Jahr um 14.11 Uhr am Edeka in Herschbach/Uww. starten. Von der Siegstraße geht es über drei Kilometer die Hauptstraße entlang bis hin zur Rheinstraße.

Der Zug geht mit rund 70 Zugnummern und etwa 1000 Teilnehmern an den Start. Dazu gehören 16 Prunk- und Motivwagen (davon zehn vereinseigne) sowie acht Musikvereine und Fußgruppen. Neben Prinz Jörg I. gehören Kinderprinz Mika I. und seine Prinzessin Emma I. zu den närrischen Majestäten. Im Anschluss an den Rosenmontagszug lockt der Prinzenball ins Haus Hergispach. Weitere Infos zum Verein gibt es im Internet auf der Seite www.kg-herschbach.de hal
Montabaur Hachenburg
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