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    Region Mittelrhein

    Experte: Kein Computer kann das Gepiepe entschlüsseln

    Ralf Schlüsener ist im Ortsverband Mittelrhein des Deutschen Amateur-Radio-Clubs (DARC) unter anderem Morsetrainer. Wir sprachen mit dem Experten darüber, ob Morsen überhaupt noch zeitgemäß ist. Das Interview im Wortlaut.

    Foto: Markus Kratzer

    Welche Bedeutung hat die Morsetelegrafie heute noch in Ihrem Ortsverband?

    Das Ablegen einer Morseprüfung zur Erlangung der Zulassung zur Teilnahme am Amateurfunkdienst auf der Kurzwelle ist seit dem 15. August 2003 in Deutschland nicht mehr erforderlich. Damit haben sich die deutschen Behörden den entsprechenden Regularien vieler Länder dieser Welt angepasst. Grundsätzlich ist diese Entscheidung zu begrüßen, da die Morseprüfung bisher immer eine der schwierigsten Hürden für den angehenden Funkamateur darstellte. Morsetelegrafie zu erlernen ist vergleichbar mit dem Erlernen einer neuen Sprache.

    Das heißt, Morsen ist aus der Mode gekommen?

    Nach Wegfall der Morseprüfung konnte man zunächst einen Rückgang der Morsesendungen auf der Kurzwelle verzeichnen. Heutzutage erfreut sich die Morsetelegrafie dennoch einer steigenden Beliebtheit, da die Möglichkeiten, die sich dem geübten Morsetelegrafisten bieten, wesentlich größer sind als bei dem üblichen Sprechfunk. Beispielhaft zu erwähnen sei an dieser Stelle, dass aufgrund der wesentlich geringeren Bandbreite in der Regel größere Reichweiten zu erzielen sind. Da, wo ein Sprachsignal nicht mehr verständlich ankommt, ist ein Morsesignal unter Umständen noch gut aufzunehmen. So kommen immer wieder stabile Funkkontakte rund um den Globus zustande.

    Und deshalb pflegen Sie die Morsetelegrafie noch ...

    In unserem Ortsverband gibt es noch viele ältere Funker, die entsprechende Morsekenntnisse in einer Prüfung nachweisen mussten. Im Laufe der Zeit und aufgrund mangelnder Übung ließen aber diese Kenntnisse nach, und das Gehör wurde nicht mehr so gefordert und geschult. Daher haben sich diese Funkfreunde auf andere Betriebsarten spezialisiert. Dennoch gibt es sie in unserem Ortsverband, die Schlackertastenfunker oder die sogenannten High Speed Telegrafisten. Immer wieder gibt es auch neue Mitglieder, die sich für diese schöne Betriebsart des Amateurfunks begeistern können.

    Wie sieht das denn in der Praxis aus? Wird Morsen heute bei Ihnen noch "gelehrt" und "gelernt"?

    In unserem Ortsverband stehen immer wieder erfahrene Morsetelegrafisten für Fragen und Anregungen zur Verfügung und bieten, bei entsprechender Nachfrage, auch immer wieder Trainingskurse zum Erlernen der Morsetelegrafie an. Amateurfunk ohne Morsetelegrafie ist bei uns undenkbar. Sie wird auch zukünftig eine entscheidende Rolle bei der Amateurfunkausbildung im Ortsverband Mittelrhein spielen. Ziel unserer Morseausbildung ist es, dass der auszubildende Funkamateur Platzreife erlangt, also nach erfolgreicher Ausbildung ein Tempo erreicht, mit dem sich ein flüssiger Funkkontakt durchführen lässt.

    Warum ist es für Sie persönlich wichtig, dass die Morsetelegrafie nicht in Vergessenheit gerät?

    Morsetelegrafie ist die älteste Betriebsart im Amateurfunk. Aufgrund der Bedeutung für die Menschheit ist ja geplant, Morsetelegrafie als eigene Sprache als sogenanntes immaterielles Weltkulturerbe anerkennen zu lassen. Die Rolle der Morsetelegrafie auch im Not- und Katastrophenfall kann somit nicht hoch genug eingeschätzt werden. Mich persönlich macht es glücklich, im Kopf das Gepiepe auf der Kurzwelle oder der Ultrakurzwelle zu dekodieren und mich mit vielen Menschen auf der Welt in dieser schönen Sprache verständigen zu können. Vor allem bleibt man fit im Kopf und braucht keine teuren und überflüssigen Gehirntrainingsprogramme zu kaufen. Es gibt keinen Computer auf der Welt, der die Morsetelegrafie insbesondere bei schwierigen Bedingungen und bei Handtastung entschlüsseln kann. Mein Dekoder ist mein Gehirn.

    Das Gespräch führte Markus Kratzer

    Montabaur Hachenburg
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