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Ransbach-Baumbach

Einfach mal fallen lassen: Funktioniert Hypnose?

Martin Bolze, alias Pharo, gehört zu den medialen Schwergewichten seines Fachs. Promis wie Dieter Bohlen und Jürgen Drews haben sich bereits von dem Show-Hypnotiseur beeindrucken lassen, und auch der eine oder andere Dschungelkönig-Aspirant befreite sich mithilfe des 60-Jährigen von lang gepflegten Angststörungen. Etwas weniger auf den Rippen ist hingegen das erklärte Ziel, mit dem seine Wäller Fans Bolzes Gastspiel in der Stadthalle Ransbach-Baumbach aufgesucht haben. Aber funktionert das mit der Hypnose überhaupt? Die WZ nutzt die Gelegenheit für einen Selbstversuch.

Unter Hypnose sind die Menschen zu mancher Tat bereit, die sie im wachen Zustand so wohl nicht angehen würden. Diese Frau behielt ihre Körperspannung bei, Pharo stellt sich sogar auf ihre Oberschenkel. Sie habe aber gar nichts davon bemerkt, bekundet sie später.  Foto: Wolfgang Böhm | WB PHOTOWORX, Ransbach-Baumbach
Unter Hypnose sind die Menschen zu mancher Tat bereit, die sie im wachen Zustand so wohl nicht angehen würden. Diese Frau behielt ihre Körperspannung bei, Pharo stellt sich sogar auf ihre Oberschenkel. Sie habe aber gar nichts davon bemerkt, bekundet sie später.
Foto: Wolfgang Böhm | WB PHOTOWORX, Ransbach-Baumbach

Was direkt auffällt, ist der hohe Anteil an Frauen im Saal. Gleich womöglich vorgeführt zu werden, kommt ihnen anscheinend nicht in den Sinn und so sitzen bereits wenigen Sekunden nach Pharos Einladung acht Freiwillige auf den bereitgestellten Stühlen auf der Bühne. Auch ich nehme, vom Publikum aus gesehen, ganz rechts außen Platz. Ein Herr um die 50 neben mir scheint dann doch ein wenig nervös. Worauf er sich da bloß eingelassen habe, flüstert er.

Die Scheinwerfer scheinen grell hier oben. Doch für scheue Blicke in den Zuschauerraum bleibt kaum Gelegenheit, schon fordert Pharo die volle Aufmerksamkeit der Probanden. Zunächst klärt er auf, dass die Hypnose ein Zustand sei, den man wollen müsse. Wer nicht loslassen könne, sich vielleicht sogar dagegen wehrt, bei dem seien die Chancen schlecht, in den Trance ähnlichen Zustand zu versinken. Wir schließen die Augen und eine wabernde, pulsierende Entspannungsmusik setzt ein. Dann greift der 60-Jährige mein Handgelenk, bittet mich von meinem Stuhl aufzustehen, murmelt seine Zauberformel, „Alles wird genau so geschehen, wie ich es dir sage“, schnelle Handgriffe an meinen Schädel, die Schläfen und Nacken folgen. Danach die Aufforderungen, mich nach hinten Fallen zu lassen. Ich lasse es geschehen und lande sanft, weil an den Schultern abgefangen, auf der Holzverkleidung der Bühne. Als auch die anderen ihren Platz gefunden haben, folgen weitere Beschwörungsformeln. Unsere Gliedmaßen, schwerer und immer schwerer sollen sie werden. Und tatsächlich spüre ich, als zögen mehrere Gewichte an Beinen, Armen und Kopf, die plötzlich bleiern wirken. „Ich bin nichts anderes als ein Wegbereiter. Den Weg, den gehen Sie allein“, erläutert Pharo.

Doch im Vergleich zu den Mitkandidaten bleibt mir der Übergang in den Nebel des Unbewussten verwehrt. Und so höre ich aus nächster Nähe, was Pharo mit meinen Nachbarn anstellt. Er beginnt recht harmlos. Einer der Herren, der mit einem Schnipsen zurückgeholt wird, erinnert sich nicht mehr, mit wem er in die Stadthalle gekommen ist. Selbst als Bolze seine Lebenspartnerin neben ihm Platz nehmen lässt, erkennt der Mann sie nicht. Etwas anfangen würde er mit ihr aber schon, gesteht er. Das Publikum ist amüsiert. Noch köstlicher wird es beim nächsten Exempel. Hier suggeriert Pharo dem Hypnotisierten, die Zahl drei vergessen zu haben. Und tatsächlich: Jede noch so simple Rechenaufgabe, die im Ergebnis mit der besagten Zahl endet, lässt den Mann plötzlich verzweifeln.

Spektakulär wird es, als Andrea Schrameyer an der Reihe ist. Ihr flüstert der Coach ein, steif wie ein Brett zu werden. Und tatsächlich: Mithilfe von Stadtbürgermeister Michael Merz als Assistenten gelingt es ihm, die Frau zwischen zwei Stühle zu legen, ohne dass sie ihre Körperspannung verliert. Bolze setzt noch einen drauf: Er steigt auf die Oberschenkel der Dame. Ein Raunen geht durch den Saal. „Ich habe absolut nichts gemerkt“, verrät die Bad Honneferin nach dem Erwachen.

Was alle eint, wenn sie zum Reden aufgefordert werden, ist ein gewisses Lallen in ihrer Stimme, wie man es von Schlaftrunkenen kennt. Ich hingegen scheine ein schwieriger Fall zu sein: Erst gegen Ende der Darbietung versucht es der auf Mallorca Sesshafte auch mit mir. Ob ich imstande sei, meinen Kopf anzuheben, fragt er. Ich lasse es auf einen Versuch ankommen. Mit etwas Mühe gelingt es. Der Coach hadert mit mir: „Sie kontrollieren sich auch sonst regelmäßig, oder?“ Ich zucke mit den Schultern. Als wir alle wieder zurückgeholt werden, versucht er es noch einmal. „Was haben Sie denn in der ganzen Zeit gespürt?“ Fast schon slapstickartig beginne ich von meinen Rückenschmerzen zu berichten, die sich während der letzten 45 Minuten auf dem harten Boden aufgebaut haben.

Nach diesem Showteil und einer kurzen Pause folgt, weswegen die meisten eigentlich da sind. Eine Massenhypnose, mit der Martin Bolze seinem Publikum helfen möchte, zu gesunder Ernährung und zu finden. Er verspricht keine Wunder, seine Botschaften verfangen aber auch ohne Hypnose „Du bist der wichtigste Mensch in deinem Leben. Gehe mit Freude und Mut an die neue Aufgabe heran“, sendet er an seine Zuhörer.

Von unserem Reporter Martin Boldt

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