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Ransbach-Baumbach

Ein Jahr nach Großbrand: Bei Gundlach werden noch Abfälle gelagert

Verena Hallermann

Ein Jahr ist es her, als in der Nacht zum 15. Juni 2017 die Lagerhalle der Firma Reifen Gundlach in Ransbach-Baumbach in Flammen aufging. Es herrschte höchste Alarmbereitschaft. Tausende Autoreifen und Felgen brannten lichterloh. Etliche Löschzüge rückten aus, mehr als 700 Einsatzkräfte kämpften gegen das Feuer – es sollte der größte Einsatz seit Jahrzehnten werden. Noch heute lagern Abfälle von den Abbrucharbeiten auf dem Gelände. Was hat sich seit dem Brand getan? Wie haben die Anwohner den Brand verkraftet? Unsere Zeitung hat nachgehört.

Die neue Drohne des Westerwaldkreises half den Feuerwehrleuten dabei, einen Überblick über den Brand zu gewinnen.  Foto: Feuerwehr
Die neue Drohne des Westerwaldkreises half den Feuerwehrleuten dabei, einen Überblick über den Brand zu gewinnen.
Foto: Feuerwehr

Erhard Reusch wohnt im Desperweg, wenige Meter von dem Unglücksort entfernt. Er denkt mit Schrecken an die Nacht des Brandes zurück. Autoreifen explodierten, rissen die Anwohner aus dem Schlaf. Teile flogen bis auf sein Grundstück. Doch für Reusch hat der Schreck bis heute nicht nachgelassen. „Hier wird Sondermüll seit einem Jahr gelagert“, entrüstet sich der Rentner. Er leidet unter einer Lungenerkrankung und klagt über Husten, den er auf die noch gelagerten Materialien zurückführt. Auch weitere Anwohner würden über gesundheitliche Probleme klagen. „Bei Ostwind sind wir den mit Asbest verseuchten Partikeln ausgesetzt. Die Behörden lassen das schleifen. Das kann doch nicht sein.“

Astbest wurde früher oft in Zementplatten bei Dächern und Fassaden verbaut. Heute darf es nicht mehr verwendet werden. Die Sanierung von Asbestzementprodukten zieht Gefahren mit sich. Das Einatmen von faserhaltigem Staub kann zu Gesundheitsschäden führen. Es kann die Atemwege, Augen, Haut oder auch Verdauungsorgane reizen, warnen Abbruchunternehmen. Doch besteht ein gesundheitliches Risiko für die Anwohner? Das Umweltschutz- und Naturschutzreferat des Westerwaldkreises teilt mit, dass keine Gefahr besteht. „Die größte Belastung bestand, wenn überhaupt, während des Brandes und nicht während der Arbeiten, oder derzeit“, sagt Referatsleiter Olaf Glasner. „Eine gesundheitliche Gefährdung kann aufgrund der Einhaltung arbeitsschutzrechtlicher Vorgaben, auch für die Nachbarschaft, ausgeschlossen werden.“

Mit den Arbeiten auf dem Gelände der Firma Reifen Gundlach wurde nach Anmeldung bei der Arbeitsschutzbehörde der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord in Koblenz und der Berufsgenossenschaft (BG) am 2. Oktober 2017 begonnen. Die Anmeldung der Arbeiten ist gesetzlich vorgegeben, ohne dies darf nicht begonnen werden, erklärt Glasner. Die Firma Frings Gesellschaft für Abbruchtechnik mbH aus Neuwied hatte den Auftrag nach einer Ausschreibung bekommen. Zudem werden die Arbeiten durch das Sachverständigenbüro Dr. Schiffers aus Würselen gutachtlich begleitet.

Insbesondere mit Blick auf die gefahrenstoffhaltigen Abfälle wie beispielsweise Asbest gab es strenge Arbeitsschutzbestimmungen. Die asbesthaltigen Materialien wurden ordnungsgemäß in sogenannten Big-Bags verpackt, erklärt Glasner. Diese Schüttgutbehälter sind speziell für den Transport und die Lagerung von gefährlichen Gütern zugelassen. Die Big-Bags wurden nach Informationen des Kreises als asbesthaltiges Material deklariert und einer Entsorgung auf einer entsprechend zugelassenen Deponie zugeführt. „Asbesthaltiges Material ist, wenn es lagert, nicht gesundheitsgefährdend“, betont der Referatsleiter. „Lediglich das Brechen und somit das Freisetzen der Fasern, die sich dann in der Umgebungsluft befinden und eingeatmet werden können, sind gesundheitsschädlich. Eine Gefährdung der hier beschäftigten Arbeitnehmer und damit auch der näheren Umgebung ist schon durch die Beachtung arbeitsschutzrechtlicher Vorgaben ausgeschlossen.“ Dementsprechend sei das Tragen von Schutzanzügen und Atemschutzmasken wichtig gewesen. Bei der Entsorgung des Bauschutts habe man darauf geachtet, dass das Material nicht bricht, es zu keiner Staubentwicklung kommt. Unter anderem sei der Bauschutt feucht gehalten worden.

Doch wo kommt das Material hin? Zunächst werden die Abbruchmaterialien durch einen öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen bewertet. Aus dieser Analyse, die auch durch das Umweltschutz- und Naturschutzreferat begleitet wird, ergeben sich dann die Entsorgungswege. Denn nicht jede Abfalldeponie darf jeden Abfall annehmen. „Die bereits entsorgten Abfälle wurden unter Einhaltung abfallrechtlicher Bestimmungen über Entsorgungsfachbetriebe einer ordnungsgemäßen Entsorgung oder Verwertung zugeführt“, sagt Glasner. Doch abgeschlossen sind die Arbeiten bislang nicht. Denn eben dieser Entsorgungsweg muss für die restlichen Abfälle noch geklärt werden. „Eine Zwischenlagerung von Abfällen außerhalb des Grundstückes sieht der Gesetzgeber nicht vor. Daher ist eine Umlagerung ausgeschlossen“, so Glasner. „Mit einer abschließenden Klärung kann aber in Kürze gerechnet werden.“

Für Reusch liegt genau hier der Widerspruch. Die Tatsache, dass für das restliche Material noch keine Deponie gefunden wurde, zeige, dass das Material gefährlich ist. „In Rheinland-Pfalz will das keiner annehmen“, sagt Reusch. „Denn keiner will diesen asbestversuchten Sondermüll haben.“

Auch bei der Firma Reifen Gundlach hat sich zwischenzeitlich etwas getan. Die etwa 3200 Quadratmeter große abgebrannte Lagerhalle in Ransbach-Baumbach wurde durch einen Anbau an einer bestehenden Halle im Ransbach-Baumbacher Industriegebiet Rohr ersetzt. Der neue Anbau am Lager in der Sälzer Straße umfasst 6500 Quadratmeter. Im Rahmen eines kleinen Richtfestes, zu dem auch einige Feuerwehrmänner und Verantwortliche aus der Politik eingeladen wurden, wurde das Gebäude jüngst eingeweiht.

Von unserer Redakteurin Verena Hallermann
Montabaur Hachenburg
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