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Westerwald

DRK Rhein-Lahn-Westerwald: Noteinsätze in 15 Minuten sind kein Problem

Verena Hallermann

Schnell kann es in den eigenen vier Wänden mal zu Verletzungen kommen. Aber auch Unfälle und lebensgefährliche Erkrankungen gehören leider zum Alltag. Wie lange müssen die Betroffenen auf Hilfe warten? Der Gesetzgeber setzt hier ganz klare Vorschriften. Die Größe und die Anzahl der Rettungswachen sollen so strukturiert sein, dass der Einsatzort an jeder öffentlichen Straße innerhalb von 15 Minuten nach dem Notruf erreicht werden kann. Doch funktioniert das auch?

Thomas Kreul (links) und Frederic Gielsdorf arbeiten beim DRK Rhein-Lahn-Westerwald. Ihr Vorsatz: schnelle, kompetente Hilfe.
Thomas Kreul (links) und Frederic Gielsdorf arbeiten beim DRK Rhein-Lahn-Westerwald. Ihr Vorsatz: schnelle, kompetente Hilfe.
Foto: Verena Hallerman

Eine Analyse des SWR hatte jedenfalls auf Basis von Daten des rheinland-pfälzischen Innenministeriums ergeben, dass die Rettungsdienste auf dem Land teilweise zu lange brauchen, um an den Einsatzort zu gelangen. Wie sieht es im Westerwaldkreis aus? Unsere Zeitung hat dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) Rhein-Lahn-Westerwald mal einen Besuch abgestattet.

Frederic Gielsdorf ist Notfallsanitäter. Der 29-Jährige arbeitet heute mit Rettungsassistent Thomas Kreul in einer Schicht. Die beiden sind einsatzbereit, warten auf Anweisung der integrierten Leitstelle Montabaur. Noch wissen sie nicht, dass sie gleich mit dem Schwerlast-Rettungswagen einen Krankentransport von Remagen nach Bonn durchführen werden. Gielsdorf ist seit zehn Jahren dabei, hat schon unzählige Einsätze begleitet. Und viel gesehen. „Die erste Wiederbelebung vergisst man nicht“, sagt der ausgebildete Notfallsanitäter. „Auch haben wir die ICE-Trasse direkt vor der Tür. Da erlebt man unschöne Einsätze.“ Ein Dienst dauert zwölf Stunden. Gielsdorf und Kreul sind heute von 6 bis 18 Uhr im Einsatz. Das ist normal, erklären sie. Die Arbeitswoche ist derzeit auf 46 Stunden festgelegt, im kommenden Jahr soll sie um eine Stunde reduziert werden. Bis in den 90er-Jahren waren sogar 60 Stunden die Regel. Nachtdienste, Schichten am Wochenende sowie an den Feiertagen gehören dazu. Kein einfacher Beruf. Aber Gielsberg weiß, warum er das tut. Er liebt seinen Job, will Menschen helfen. Auch, wenn die Einsätze oft nicht einfach sind. „Man verarbeitet viel im Gespräch mit den Kollegen“, erzählt er. „Das hilft schon viel.“

Kreul gehört seit 2001 zum Team. Er war bei dem schweren Unfall im Dezember im Einsatz, als auf der A 3 bei Montabaur ein Sattelzug mit voller Wucht auf ein Auto krachte. Zwei Menschen starben. „Das war für mich mein schwerster Einsatz“, sagt der 36-Jährige aus Willmenrod. „Die Unfälle bleiben im Kopf. Besonders schlimm ist es, wenn Kinder beteiligt sind und nach ihrer Mama und ihrem Papa fragen. Das ist schon hart.“ Wichtig für ihn und seine Kollegen ist: Sie sind nahezu immer rechtzeitig an der Unfallstelle. So wie bei dem Großteil aller Einsätze des DRK Rhein-Lahn-Westerwald, betont er. Die Einsatzleitstelle meldet sich per Funk. Gielsdorf und Kreul werden zum Einsatz gerufen.

Die integrierte Leitstelle Montabaur zählt zu den modernsten Leitstellen in ganz Rheinland-Pfalz. Dort nehmen erfahrene Notfallsanitäter rund um die Uhr Notrufe entgegen, geben im Ernstfall auch Anleitungen zur Reanimation. Sie arbeiten an zehn Abfrageplätzen mit Touchscreenmonitoren sowie zusätzlich sechs Ausnahmeabfrageplätzen, die beispielsweise bei Unwetter oder Großschadenslagen genutzt werden. Zwischen 300 und 400 Anrufe werden täglich entgegengenommen. Thomas Salziger hat heute Dienst. Eben ist ein Notfall wegen einer Nierenkolik eingetroffen. Salziger schickt einen Rettungswagen. „Das Wichtigste ist für uns, den genauen Einsatzort zu erfahren“, erklärt Salziger. „Dann wissen wir wenigstens, wo wir hin müssen, wenn das Gespräch abbrechen sollte.“

Konkrete Angaben zum Einsatzort sind auch erforderlich, um die gesetzliche Hilfeleistungsfrist von 15 Minuten einhalten zu können. Hubertus Sauer, Geschäftsführer DRK Rhein-Lahn-Westerwald, betont, dass die gesetzlichen Vorgaben im Rettungsdienstbereich Montabaur kein Problem darstellen. In 97 Prozent der Fälle könne die Frist eingehalten werden. Die verbleibenden drei Prozent beziehen sich auf die Zeiträume, in denen kurzeitig alle Einsatzfahrzeuge einer Rettungswache unterwegs sind und zunächst Verstärkung aus der Umgebung geordert werden muss, erklärt Sauer. In seltenen Ausnahmefällen könne es demnach schon mal passieren, dass Patienten etwa 20 Minuten auf Hilfe warten müssten, fügt er hinzu. „Insgesamt sind wir hervorragend aufgestellt“, sagt Sauer. „Aber man kann nicht alle Eventualitäten abdecken.“
Mit einer Quote von 97 Prozent hinsichtlich der gesetzlichen Hilfeleistungsfrist liegt das DRK Rhein-Lahn-Westerwald über der Landesquote. Innenstaatssekretär Randolf Stich hatte jüngst bekannt gegeben, dass die Hilfeleistungsfrist in „mehr als 94 Prozent aller Notfalleinsätze im Land erreicht“ wird. Im Durchschnitt seien die Rettunswagen sogar nach sieben Minuten, also deutlich unter den gesetzlichen Vorgaben, am Einsatzort. Auch Sauer betont für den Rettungsdienstbereich Montabaur: „Der Großteil der Einsätze wird weit unter zehn Minuten liegen. Ich habe einen sehr guten Eindruck von unserem Rettungsdienst.“

Das DRK Rhein-Lahn-Westerwald ist für den gesamten Rettungsdienstbereich Montabaur zuständig. Dazu gehören insgesamt 26 Rettungswachen in den Landkreisen Rhein-Lahn (7), Westerwald (7), Neuwied (7) und Altenkirchen (5) mit etwa 600 Mitarbeitern. Insgesamt arbeiten im Rettungsdienstbereich Montabaur 165 Notfallsanitäter, 73 Rettungssanitäter und noch 124 Rettungsassistenten sowie derzeit 36 Auszubildende. Allein in der Rettungswache Montabaur stehen ein Notarzteinsatzfahrzeug, zwei Rettungswagen rund um die Uhr sowie ein Notfallkrankentransportwagen (12 Stunden täglich), zwei Krankentransportwagen (werktags) und bei Bedarf ein Schwerlast-Rettungswagen zur Verfügung.
Der SWR hatte für seine Recherche mehrere Tausend Rettungsdienstdaten in Rheinland-Pfalz ausgewertet. Mehr als 15 Prozent der Bevölkerung sollen den Ergebnissen der SWR-Analyse unterversorgt sein, das heißt, sie sollen nicht innerhalb der gesetzlichen Frist Hilfe bekommen haben. Zumindest im Westerwaldkreis sowie im gesamten Rettungsdienstbereich Montabaur scheint das kein Problem zu sein.

Von unserer Redakteurin Verena Hallermann

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