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Die Ausübung des Lebens in einer anderen Person

Wenn „Liliane Susewind“ alias Malu Leicher auf der Leinwand gegen das Böse kämpft, muss sie das nicht allein tun. Ihr zur Seite steht unter anderem Ben, der Anführer einer BMX-Bande. Der coole Teenager mit dem frechen Grinsen ist kein Unbekannter für die Hachenburgerin, wird er doch von ihrem Cousin Yoran Leicher gespielt. Vor und hinter der Kamera sind die beiden ein eingespieltes Team, verbunden durch die gemeinsame Faszination für die Schauspielerei.

Yoran Leicher beim Textlernen. In der Verfilmung von „Gut gegen Nordwind“ spielt er Jonas, den Stiefsohn von Emmi, dargestellt von Nora Tschirner. Foto: Sandra Fischer
Yoran Leicher beim Textlernen. In der Verfilmung von „Gut gegen Nordwind“ spielt er Jonas, den Stiefsohn von Emmi, dargestellt von Nora Tschirner.
Foto: Sandra Fischer

Seit die beiden sechs, sieben Jahre alt sind, schreiben sie nicht nur Theaterstücke selbst, die sie dann im Familien- und Freundeskreis aufführen, sondern kreieren auch ihre eigenen Filme. Dabei schlüpfen sie in die Rolle aller Charaktere, und auch Requisiten sowie Kostüme werden selbst hergestellt. Zum Schluss schneiden die beiden Allroundtalente den Film selbst und unterlegen ihn mit Ton. Neben Dreharbeiten und Filmpremieren sind Malu und Yoran gerade mit ihrem zweiten eigenen Meisterstück beschäftigt, das Mittelalter und Gegenwart verbindet. Es geht um ein Mädchen in der Jetztzeit, das mit einem Jungen im Mittelalter in Verbindung tritt. Ein Handy spielt dabei eine maßgebliche Rolle.

Doch zurück zu Yoran Leichers schauspielerischem Werdegang. Begeistert und fasziniert von der Möglichkeit in andere Rollen, Charaktere, Leben schlüpfen zu können, beschließt er, sich neben Privatprojekten mit seiner Cousine und Theaterstücken an der Schule, noch mehr der Schauspielerei zu widmen. 2015 folgt er Malu an eine Kölner Schauspielschule, die er seitdem zwei Mal wöchentlich besucht, und legt sich einen Agenten zu. Dieser schlägt ihn fürs Casting für „Liliane Susewind“ vor. Der Rest ist Geschichte. Kaum hat er sich im bundesweiten Castingprozess die Rolle des lässigen Bandenanführers Ben gesichert, schenkt ihm sein Vater ein BMX-Rad, damit er als BMX-Bandenchef Ben auch möglichst authentisch rüberkommt. Nach einer Komparsenrolle im Studentenkinofilm „Der Junge“ ist „Liliane Susewind“ der zweite Film des Nachwuchstalentes. Am Set hat sich der aufgeweckte Hachenburger schnell eingelebt. Nicht zuletzt, weil mit Hauptdarstellerin Malu zumindest ein bekanntes Gesicht am Set war.

Die Kinderstars hatten nicht nur Spaß beim Drehen, sondern auch, als die Kamera nicht lief. „Das war einfach toll. Wir haben alle im Hotel gewohnt, abends noch zusammen Text gelernt oder was unternommen. Morgens wurden wir dann von einem Fahrer abgeholt und zum Set in die Maske gebracht. Wir haben uns alle ziemlich gut verstanden.“ Doch auch das Geschehen hinter den Kulissen hat Yoran nachhaltig beeindruckt. „Es war einfach cool, mitzuerleben, wie viele Leute so auf einem Filmset arbeiten, angefangen von der Maske bis zu den Requisiten.“ 15 Drehtage war Yoran als Ben im Einsatz. Seinen Charakter beschreibt er als „cool und lässig, mutig, abenteuerlustig, jemand, der locker mit Dingen umgeht“.

Krasses Kontrastprogramm zu Yorans aktuellem Projekt, in welchem er Jonas, den Stiefsohn von Emmi (dargestellt von Nora Tschirner), in der Verfilmung des Daniel-Glattauer-Bestsellers „Gut gegen Nordwind“ verkörpert. Eine emotionale Rolle, die mehr Text und schauspielerische Tiefe verlangt. Statt Abenteuer, Action, Banden und vielen Kollegen geht es in „Gut gegen Nordwind“ um Beziehungen im Familienkreis. „Das ist schon intensiver, in so eine Rolle hineinzuschlüpfen.“ Doch Yoran stellt sich der Herausforderung gerne. Ist es doch diese Vielschichtigkeit, die ihn am Schauspielberuf so fasziniert. „Das bin ja nicht ich, der Yoran, der ‚traurig’ spielt. Schauspielern, das ist ja eher die Ausübung des Lebens in einer anderen Person“, erklärt er. Nicht unbedingt Sätze, die man von einem Zwölfjährigen erwartet. Aber welcher Sechsjährige schreibt schon selbst Theater- und Filmmanuskripte…

Dass er die Schauspielerei zu seinem Beruf machen möchte, daran besteht für Yoran kein Zweifel. Und es sieht auch ganz so aus, als ob das klappen könnte. Gerade hat Yoran sich nämlich die männliche Hauptrolle im Kinderkinofilm „Zu weit weg“ von Regisseurin Sarah Winkenstette gesichert. Drehbeginn ist in den Sommerferien. Nebenberuflich könnte sich das Multitalent auch vorstellen, als Regisseur, Autor oder Drehbuchautor zu arbeiten.

Schaut man sich den bisherigen Werdegang der talentierten Cousins an, kann man sicher sein, dass dies wohl nicht das letzte Mal sein wird, dass man auf Bühne oder Leinwand von den Leichers aus Hollywood, äh, Hachenburg hört.

fis

Montabaur Hachenburg
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