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Dernbach/Westerwaldkreis

Der Westerwald bekommt eine Heilige: Papst erkennt Wunder Katharina Kaspers an

Die Nachricht aus Rom ist für den Westerwald und den Dernbacher Orden der „Armen Dienstmägde Jesu Christi“ (ADJC) eine Sensation: Die Dernbacher Ordensgründerin Maria Katharina Kasper wird voraussichtlich noch in diesem Jahr heiliggesprochen.

Im Jahr 1978 wurde Katharina Kasper von Papst Paul VI. seliggesprochen.
Im Jahr 1978 wurde Katharina Kasper von Papst Paul VI. seliggesprochen.
Foto: ADJC

Papst Franziskus hat jetzt offiziell ein Wunder anerkannt, das auf die Fürsprache der Ordensschwester hin gewirkt worden sein soll. Das hat der Vatikan am Mittwoch mitgeteilt, wie das Bistum Limburg auf seiner Internetseite schreibt. Mit der päpstlichen Anerkennung der Wunderheilung ist der Weg zur Heiligsprechung von Katharina Kasper frei. Die Anerkennung gilt als letzter Schritt im Heiligsprechungsverfahren. Damit wird die Westerwälderin die erste Heilige im Bistum Limburg und neben Hildegard von Bingen die zweite Heilige in Rheinland-Pfalz sein.

„Mit großer Freude ist diese Nachricht im Bistum Limburg aufgenommen worden“, sagte Bistumssprecher Stephan Schnelle in einer ersten Reaktion. Groß ist die Freude insbesondere auch in Dernbach: „Wir sind sehr erfreut darüber und haben dafür gebetet“, sagte die Generaloberin des Ordens, Schwester M. Gonzalo Vakasseril, auf Anfrage unserer Zeitung. „Manche haben Gottesdienste gefeiert, manche haben sich einfach nur getroffen und getanzt, je nach Mentalität. Wir hier in Dernbach haben einen Gottesdienst gefeiert und 'Großer Gott wir loben dich' gesungen“, erklärte die Generaloberin.
Wann Katharina Kasper in das Verzeichnis der Heiligen, ins „Martyrologium“, aufgenommen wird, steht indes noch nicht fest. „Wir denken, dass es im Herbst dieses Jahres sein wird. Die Heiligsprechung findet durch Papst Franziskus in Rom statt“, erläuterte Vakasseril. Die Ordensgemeinschaft werde zu gegebener Zeit die Vorbereitungen für die Festlichkeiten treffen und gemeinsam mit der Pfarrei in Wirges und der Diözese in Limburg planen. „Genaueres steht noch nicht fest. Die Information ist ja gestern überraschend gekommen. Alles Weitere hängt vom Termin der Heiligsprechung ab“, so die Generaloberin.

Bei dem Wunder, das Papst Franziskus jetzt anerkannt hat, handelt es sich um den Fall eines Unfallopfers in Indien. Ein nach einem Verkehrsunfall am 25. November 2011 im indischen Indore im Bundesstaat Madhya Pradesh für klinisch tot erklärter Ordensbruder soll, nachdem indische Ordensschwestern der ADJC am Totenbett die selige Katharina Kasper um Hilfe angebetet hatten, wieder vollständig genesen sein. Dabei hatte Bruder Leo bei dem Unfall auf der Mumbai-Agra-Autobahn schwerste Kopfverletzungen, Halswirbelsäulenverletzungen, innere Blutungen und weitere Verletzungen im Bauchbereich erlitten, wie die Ordensschwestern in der Dokumentation des Wunders festhielten. Einen Tag, nachdem die Ärzte Bruder Leo aufgegeben hatten und sein Orden bereits Begräbnis und Trauerfeierlichkeiten vorbereitete, schlug der Geistliche unerwartet die Augen auf und war ansprechbar. Der Ordensbruder erholte sich ohne die geplanten Operationen von seinen lebensgefährlichen Verletzungen und konnte die Klinik schließlich Anfang Januar 2012 gesund verlassen. Dies beurkundete Generaloberin Vakasseril im Heiligsprechungsverfahren: „Ich, Schwester M. Gonzalo Vakasseril, Generaloberin des ADJC, habe Bruder Leo zweimal persönlich getroffen (2013 und 2015). (...) Er ist völlig geheilt. Mit tiefer Dankbarkeit und innerer Freude teilte er uns mit, welche Hilfe er durch die selige Maria Katharina Kasper erhalten habe“, dokumentierte die Generaloberin.

Voraussetzung für die Heiligsprechung ist ein solches, auf Fürbitte hin gewirktes Wunder, das von medizinischen Fachleuten geprüft und für unerklärlich befunden werden muss. Die vollständige medizinische Dokumentation der naturwissenschaftlich nicht erklärbaren Wunderheilung ist von zentraler Bedeutung für die Kanonisation. Der Fall des indischen Ordensbruders überzeugte Papst Franziskus.

Bereits vor Jahren hatte der Dernbacher Orden der Armen Dienstmägde die Heiligsprechung von Katharina Kasper angestoßen. Der frühere Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst beantragte schließlich bei einer Privataudienz in Rom im Februar 2012 beim damaligen Papst Benedikt XVI. die Heiligsprechung der Dernbacher Ordensgründerin. Zu diesem Zeitpunkt fehlte indes noch das Heilungswunder, ohne das die Heiligsprechung nicht möglich ist.

Die Dernbacherin Katharina Kasper, die am 16. April 1978 in Rom von Papst Paul VI. seliggesprochen wurde, gilt als eine der großen Frauengestalten des 19. Jahrhunderts. Sie wird von Gläubigen in vielen Ländern verehrt. Die Gründerin der Kongregation der Armen Dienstmägde wurde am 26. Mai 1820 als eines von acht Kindern eines Kleinbauern in Dernbach geboren. Durch den frühen Tod ihres Vaters im Jahr 1842 musste das Elternhaus Katharinas versteigert werden. Die junge Frau arbeitete fortan in der Landwirtschaft, um das Überleben der Familie zu sichern.

Die eigene Erfahrung zeigte ihr, wie schlecht versorgt die armen und kranken Menschen auf dem Land waren – soziale Sicherungssysteme und karitative Einrichtungen gab es damals nicht. Deshalb gründete sie 1845 mit vier weiteren Frauen einen „frommen Verein“, der sich der häuslichen Pflege von Kranken und Alten sowie der Kinderbetreuung und dem Gebet widmete. Sechs Jahre später entstand aus diesem Verein die Kongregation der Armen Dienstmägde Jesu Christi. Am 15. August 1851 legten Katharina und ihre vier Gefährtinnen in der Pfarrkirche von Wirges ihr Gelübde ab. Die Dernbacherin wurde Oberin der Gemeinschaft, die sich fortan um die Kranken-, Alten- und Waisenpflege kümmerte. Als Katharina am 2. Februar 1898 in Dernbach starb, zählte der Orden 1725 Schwestern in 193 Niederlassungen. Heute zählt die Kongregation weltweit rund 550 Schwestern in 87 Niederlassungen.

Von unserer Redakteurin Stephanie Kühr

So läuft eine Heiligsprechungsverfahren ab

Nach förmlicher Antragstellung beim Apostolischen Stuhl erfolgt ein Heiligsprechungsverfahren grundsätzlich dreistufig ab: 1. Erhebungen auf Ebene der Diözese, 2. Sichtung und Prüfung durch die Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse und 3. Entscheidung durch den Papst.

Wichtigste Voraussetzung für eine Heiligsprechung ist ein auf Fürbitte der seligen Mutter Katharina Kasper gewirktes Wunder, welches von medizinischen Fachleuten geprüft werden muss und von diesen für unerklärlich befunden wird. Eine vollständige medizinische Dokumentation der naturwissenschaftlich nicht erklärbaren Wunderheilung ist hierbei von zentraler Bedeutung. Da ein solches Wunder bislang nicht bekannt ist, gilt es jetzt um ein Wunder zu beten.

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