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Westerwaldkreis

Cannabisplantage hinterlässt große Schäden: Jetzt spricht die Vermieterin

Nur ein kleines Licht schimmerte durch das Fenster auf dem Dachboden, ansonsten war die Wohnung in Wallmerod fest verschlossen und lag meistens verlassen da. Dort im Verborgenen wuchs auf zwei Etagen Cannabis, das aber im April des vergangenen Jahres gestohlen wurde. Die Diebe sollen fünf Männer aus der Türkei und Syrien gewesen sein, die sich derzeit vor dem Landgericht Koblenz wegen illegalen Drogenhandels verantworten müssen (die WZ berichtete). Doch was ist mit dem mutmaßlichen Drahtzieher, dem Mieter der Wohnung, der in dem Prozess schwer beschuldigt wird? Laut Staatsanwaltschaft Koblenz wird nach einem 24-Jährigen gefahndet, der am Anbau von Betäubungsmitteln in einer Indoor-anlage beteiligt gewesen sein soll. Die Vermieterin der betroffenen Wohnung indes steht vor einer verwüsteten Wohnung.

Symbolbild.
Symbolbild.
Foto: dpa

„Alle sprechen von den fünf Dieben, aber keiner sagt mir etwas über den Mieter, dem ich die Wohnung überlassen habe“, beschwert sich die Vermieterin und fragt sich immer noch, wem sie die Reparaturrechnungen schicken soll. Zwei schwere Türen sind bei dem Einbruch zerstört worden. Der Mieter selber habe professionell eine Unmenge Steckdosen installiert. Die zwei vermieteten Geschosse waren komplett mit schwarzer Folie ausgelegt, auf der rund 400 Töpfe herumstanden. Die hohe Luftfeuchtigkeit habe Schäden verursacht. „Glücklicherweise kam es wohl nur einmal zur Ernte“, sagt die Vermieterin, die sich immer noch wundert, wie ein so „lieber, netter Mann“ mutmaßlich so eine Tat begehen kann: „Wäre die Indoorplantage noch länger betrieben worden, hätte ich das Haus abreißen können.“ Denn Cannabis brauche feuchte Luft, Wärme und viel Wasser, weiß die Vermieterin aus Erzählungen anderer Betroffener. Sie persönlich habe sich nichts dabei gedacht, dass ihr Mieter kaum dort wohnte, obwohl er eigentlich mit seiner Freundin einziehen wollte. Sie habe alle Vorkehrungen getroffen und ihn Schufa-Auskunft und Arbeitsbescheinigungen vorlegen lassen. Alles sei in Ordnung gewesen. So habe sie ihm die Wohnung auf Treu und Glauben überlassen. „Er war so ein feiner Kerl, sehr schade“, bedauert die Vermieterin. Aber das Ganze sei professionell aufgezogen und offenbar von Anfang an geplant gewesen, mutmaßt sie weiter. Vermutlich habe der Mieter meistens den Weg über die hintere Scheune genommen, sodass dem anderen Mieter im Haus rein gar nichts aufgefallen sei. Die Vermieterin erfuhr erst Tage nach den Festnahmen von dem Vorfall in ihrem Haus. Aufgeflogen war der Einbruch überhaupt nur, weil das Telefon einer der mutmaßlichen Täter wegen einer anderen, bislang nicht näher benannten Angelegenheit abgehört worden war.

Während nach dem Betreiber der Indoorplantage gefahndet wird, müssen sich die fünf mutmaßlichen Einbrecher bereits vor Gericht verantworten. Sie sollen 11,5 Kilogramm Cannabis aus dem Mietshaus geschafft haben, um es im Ruhrgebiet zu verkaufen. Drei Prozesstermine gab es bisher, vier der fünf Angeklagten sagten mittlerweile aus. Doch ein schlüssiges Bild der Geschehnisse am Tatabend ergab sich bisher nicht.

Die Schilderungen seien zum Teil unsinnig und machten keinen Sinn, äußert die Staatsanwältin. Im Kern lautete die Aussage von zwei der türkisch-stämmigen Angeklagten, sie hätten die Teilnahme an einer Hochzeit abgesagt, um spontan bei einem Umzug zu helfen. Von einer Kurierfahrt mit Drogen sei erst später die Rede gewesen. Das Gericht beauftragte zwischenzeitlich eine Sachverständige, die zwei der Angeklagten begutachten soll. Der Prozess wird fortgesetzt.

Von unserer Redakteurin Susanne Willke

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