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Westerburg

Angeklagter ist nicht reisefähig: Kann 200-Kilo-Mann Haftstrafe antreten?

Michael Wenzel

Weil er seinen Unterhaltspflichten gegenüber Frau und Kind nicht nachgekommen sein soll, musste sich ein Mann am Amtsgericht in Westerburg verantworten. Als der Sachverhalt jetzt verhandelt werden sollte, blieb er jedoch der Verhandlung – für die Prozessbeteiligten keinesfalls unerwartet – fern. „Nicht reisefähig“, kommentierte sein Rechtsanwalt die Abwesenheit seines Mandanten. Der Grund: Der Hartz-IV-Empfänger bringt mehr als 200 Kilogramm auf die Waage, ist nicht arbeitsfähig und auch nicht in der Lage, seine Wohnung zu verlassen.

Foto: dpa

Früher ging der 200-Kilo-Mann einer selbstständigen Tätigkeit nach, musste sich mehrfach wegen verschiedener Vermögensdelikte vor dem Kadi verantworten, einschlägig vorbelastet wegen Unterhaltspflichtverletzungen ist er nicht, wie Richter Hans Helmut Strüder bemerkte. Scheinrechnungen in Höhe von 350.000 Euro soll der übergewichtige Mann einem Bekannten ausgestellt haben. „Im Gegenzug durfte dieser mietfrei wohnen und hat auch noch etwas dafür bekommen“, sagt sein Rechtsbeistand. Vor diesem Hintergrund zeigte seine Ex-Frau, mit der er zwei gemeinsame Kinder hat, den sechsfachen Vater an. Sie glaubte offenbar, es sei Geld vorhanden, meinte der Verteidiger. 2016 hatte er ein volles Jahr den Unterhalt beglichen, doch 2017 gerieten die Dinge offensichtlich mit einer weiteren Gewichtszunahme vollends aus dem Ruder. „Mit seinem Gewicht ist er kaum arbeitsfähig, im vergangenen Jahr ging er über die 200-Kilo-Grenze“, erzählt der Anwalt. Man könne den Mann weder festnehmen noch vorführen lassen. „Wie sollen wir den dort rauskriegen“, hinterfragte der Verteidiger. „Auf jeden Fall sollte er behutsam transportiert werden“, meinte Richter Strüder. Zudem seien bei diesem Körpergewicht die Fluchtmöglichkeiten begrenzt.

Letztlich wurde das Verfahren bezüglich der Unterhaltspflichtverletzungen durch die Prozessbeteiligten eingestellt. Wie der Verteidiger deutlich machte, hatte die Kindesmutter bereits bei der Polizei unterschiedliche Angaben gemacht. Nicht weiter verfolgt wird die Unterhaltssache jedoch in erster Linie deshalb, weil im Hinblick auf eine Verurteilung durch das Landgericht Limburg und durch das Amtsgericht Dillenburg, eine in Westerburg zu erwartende Strafe daneben nicht beträchtlich ins Gewicht gefallen wäre. Die Verbüßung von insgesamt 29 Monaten Haft steht für den Mann wegen anderer Delikte noch im Raum. Doch ist der 200-Kilo-Mann überhaupt haftfähig? Diese Frage, so die Staatsanwaltschaft, werde zu gegebener Zeit zu prüfen sein.

Von unserem Redakteur Michael Wenzel

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