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    Bad Marienberg

    Als Fotografin in der Welt zu Hause: Anne Moldenhauer aus Bad Marienberg hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht

    Einen anderen Beruf als Fotografin? Nein. Das konnte sich Anne Moldenhauer nie wirklich vorstellen. Kein Wunder, schließlich ist die 27-jährige Bad Marienbergerin mit der Kamera in der Hand groß geworden und folgt heute, in vierter Generation, äußerst erfolgreich einer mehr als 100 Jahre alten Familientradition.

    Anne Moldenhauer aus Bad Marienberg (das Bild entstand per Selbstauslöser) entdeckte im elterlichen Betrieb die Liebe zur Fotografie. Heute wird sie mit ihrer Kunst international für Aufträge gebucht.  Foto: Anne Moldenhauer
    Anne Moldenhauer aus Bad Marienberg (das Bild entstand per Selbstauslöser) entdeckte im elterlichen Betrieb die Liebe zur Fotografie. Heute wird sie mit ihrer Kunst international für Aufträge gebucht.
    Foto: Anne Moldenhauer

    Uropa Artur Röder war bereits Fotograf und gründete 1906 (damals noch in Daaden) das bis heute bestehende familieneigene Unternehmen, das vor dem Zweiten Weltkrieg nach Bad Marienberg verlegt wurde. Arturs Sohn Hans, Annes Opa, trat in die Fußstapfen seines Vaters, übernahm schließlich den Betrieb. 1958 errichteten Hans und seine Frau Hannelore das heutige Wohnhaus mit Studio in der Bismarckstraße. Annes Eltern Bettina Röder-Moldenhauer und Uwe Moldenhauer sind seit Jahrzehnten in der Region unter anderem als Pressefotografen bekannt, und ihr älterer Bruder Tim ist ebenfalls in der Branche tätig. Bei so viel Vorprägung entdeckte Anne früh ihre Begeisterung und ihr Talent für die Fotografie – und fand dabei aber ebenso so schnell ihren eigenen Stil, mit dem sie inzwischen national wie international gefragt ist.

    Nach ihrem Realschulabschluss absolviert sie zunächst ein Praktikum in einem Fotostudio in Rennerod, was ihren Berufswunsch weiter verstärkt. So bewirbt sie sich um einen Ausbildungsplatz bei einem Unternehmen in Dieburg. Mit zwei anderen Kandidaten kämpft sie damals (begleitet von einem Fernsehteam für eine Reality-Sendung) um die Lehrstelle – und siegt. „Ich war gerade 18 geworden und das erste Mal von zu Hause ausgezogen. Es war eine aufregende Zeit, aber ich bin auch immer wieder gerne zu meiner Familie und meinen Freunden nach Bad Marienberg zurückgekehrt.“ An dieser Einstellung hat sich bis heute nichts geändert. Denn obwohl die 27-Jährige eine echte Weltenbummlerin geworden ist, sind ihr Elternhaus und ihre Heimatregion ihre „Basis, auf die ich mich immer verlassen kann“.

    Weitere Infos und Einblicke im Internet unter  http://annemoldenhauer.com

    Nach ihrer Ausbildung zieht es Anne zunächst nach Hamburg. „Ich wollte Modefotografie machen“, erinnert sie sich. Durch gute Leistungen und Kontakte bekommt sie eine Assistenzstelle in einem Unternehmen, das in riesigen Hallen für sämtliche Modeketten die Werbebilder für den Internethandel erstellt. „Das war Fließbandarbeit. Trotzdem habe ich als rechte Hand des Hauptfotografen viel gelernt – und nebenbei noch auf St. Pauli gekellnert“, beschreibt sie die finanziell schwierigen Anfänge ihrer Karriere.

    Die Sprache der Models ist auch in Hamburg Englisch. Um sich besser mit ihnen verständigen zu können, bricht Anne 2012 mit einem Koffer und ihrer Kamera, aber zunächst ohne feste Bleibe mutig Richtung London auf, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Aus den ursprünglich geplanten drei Monaten werden schließlich zwei Jahre, die für die junge Fotografin sehr prägend sind. Durch ihre Vernetzung und vor allem Ausdauer erhält sie zunächst eine Assistenzstelle in den Big-Sky-Studios in London, wo Modeaufnahmen für alle großen Labels entstehen und wo Stars wie Kate Moss, Victoria Beckham, Beyoncé, Rihanna oder auch die Band Oasis ein- und ausgehen. „Anfangs hatte ich großen Respekt vor der Arbeit und den bekannten Namen. Aber schließlich habe ich den Tipp der Kollegen umgesetzt und bin ganz cool geblieben“, berichtet Anne Moldenhauer von dieser aufregenden Phase.

    Nach ihrer befristeten Assistenz wird ihr schließlich eine Festanstellung geboten – und die Bad Marienbergerin sagt zu. Doch der Job reibt sie fast auf. „Das war äußerst anstrengend. 15-Stunden-Tage waren normal. Meistens habe ich nur drei bis vier Stunden geschlafen.“ Als sie merkt, dass ihr Körper das nicht mehr mitmacht, und ihr die Szene der Modefotografie zu oberflächlich erscheint, zieht sie die Reißleine. Sie reicht die Kündigung ein, woraufhin sie ein Angebot für eine Stelle im Management erhält. „Ich will aber fotografieren, reisen und dabei normale Menschen treffen. Das ist mein Leben“, sagt sie und folgt schließlich ihrem Herzen. Davor jedoch steht noch eine gewaltige Abschiedsparty mitten im Herzen von London.

    Zurück in Deutschland, pendelt sie (bis heute) ständig zwischen dem Westerwald und Hamburg hin und her, feilt weiter an ihrer Karriere und pflegt vor allem ihre Liebe zu Südafrika, einem Land, das sie bereits zu ihrer Londoner Zeit beruflich für sich entdeckt hat. Seit Jahren schon verbringt sie regelmäßig einige Monate in der Region rund um Kapstadt, wo sie Land und Leute fotografiert. „In Südafrika ist zwischen Januar und März immer gutes Wetter. Hier kann ich viel experimentieren und einiges für mein Portfolio erarbeiten“, erzählt die junge Frau voller Leidenschaft.

    Bad Marienberg. Schon in der vierten Generation wird im Hause Röder-Moldenhauer in Bad Marienberg fotografiert. Tochter Anne Moldenhauer (27) hat sich für ihre Arbeit inzwischen ein internationales Netzwerk aufgebaut. Dank ihrer Kontakte reist sie etwa mehrere Monate im Jahr nach Südafrika, wo auch diese ausdrucksstarke Aufnahme entstand. Foto: Anne Moldenhauer
    Bad Marienberg. Schon in der vierten Generation wird im Hause Röder-Moldenhauer in Bad Marienberg fotografiert. Tochter Anne Moldenhauer (27) hat sich für ihre Arbeit inzwischen ein internationales Netzwerk aufgebaut. Dank ihrer Kontakte reist sie etwa mehrere Monate im Jahr nach Südafrika, wo auch diese ausdrucksstarke Aufnahme entstand.
    Foto: Anne Moldenhauer

    Ihr Kerngeschäft heute sind Reportagen, Dokumentationen, Porträts und emotionale Momente. „Meine Motive finde ich am ehesten bei ganz normalen Menschen. Denn so, wie ich selbst bin, mache ich auch meine Fotos.“ Dafür ist sie viel unterwegs. Ihre beiden Einsätze als Bordfotografin auf Kreuzfahrtschiffen im Mittelmeer sollen allerdings die Ausnahme bleiben. „Ich brauche die Abwechslung, muss flexibel und spontan bleiben. Ich kann auch gut selbstständig und zeitgenau arbeiten. Dem Druck, als freie Fotografin immer gut sein zu müssen, halte ich stand. Und während der Zugfahrten habe ich auch stets die Gelegenheit, Dinge zu erledigen – zum Beispiel den Mailverkehr.“

    Neben Werbeaufträgen für Großkonzerne betreibt sie insbesondere mit der Kunstform Nacktfotografie Werbung für sich selbst. „Die Ästhetik und Leichtigkeit nackter Körper ablichten, kann nicht jeder.“ Als Modells wählt sie dafür häufig Freunde und Bekannte aus. Das passiert auch schon mal ganz spontan, so wie beispielsweise bei einer eigentlich privaten Urlaubsreise mit einer Freundin nach Island. Dabei entstand ungeplant die Ausstellung „Icelandskin“, die bereits im familieneigenen Laden zu sehen war und aktuell noch bis 25. Juli im Foyer der Verbandsgemeinde Bad Marienberg unter die Lupe genommen werden kann. Danach wandern die authentischen Kompositionen aus rauer, faszinierender Landschaft und zartem, fragil-erscheinendem Körper nach Hachenburg weiter, wo die Schau am Donnerstag, 3. August, um 19.30 Uhr, in der Stadtbücherei eröffnet wird.

    Von unserer Redakteurin Nadja Hoffmann-Heidrich

    Von Astana nach Bad Marienberg

    Erst vor wenigen Tagen ist Anne Moldenhauer von einem einwöchigen Einsatz in Kasachstan zurückgekehrt, wo sie für die internationale Marketingagentur Avantgarde auf der Expo in der Hauptstadt Astana fotografiert hat.

    Zarte, emotionale Aufnahmen wie diese, zählen zu den besonderen Stärken von Anne Moldenhauer, die gerne in Südafrika fotografiert.
    Zarte, emotionale Aufnahmen wie diese, zählen zu den besonderen Stärken von Anne Moldenhauer, die gerne in Südafrika fotografiert.
    Foto: roe

    Die Bilder, die dort entstanden sind, werden für Werbung und Social Media genutzt. Produziert hat die Bad Marienbergerin in Astana unter anderem die Reihe „Expo Faces“, Gesichter von Menschen, die die Weltausstellung besucht haben oder dort arbeiten. Anders als Anne Moldenhauer haben viele der Expo-Mitarbeiter nach der Veranstaltung keinen Job mehr, berichtet die 27-Jährige.

    Nach der anstrengenden Tour nach Kasachstan nutzte sie einen Aufenthalt im Westerwald, um wieder Kraft zu tanken, Sport zu treiben und um Familie und Freunde zu treffen. Vor allem ihren Eltern ist Anne dankbar, dass sie so aufwachsen konnte und heute so leben kann, wie sie es gerne möchte. „Ohne sie wäre ich nicht dort, wo ich heute bin.“ Durch ihr ständiges Unterwegssein habe sie auch erfahren, „wer meine echten Freunde sind. Sie sind auch nicht sauer, wenn ich mich mal wochenlang nicht melde. Sie wissen: Irgendwann bin ich wieder da und habe Zeit“. nh

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