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Westerburg

Überfall auf Spielothek: Wurde der Kassierer nur zum Schein gefesselt?

Michael Wenzel

Zu einer Neuauflage ist es am Amtsgericht in Montabaur im Fall des vermeintlichen Raubüberfalls auf eine Westerburger Spielothek gekommen. Nachdem sich bereits im vergangenen März in dieser Sache vier Angeklagte verantworten mussten, der Prozess jedoch ausgesetzt wurde, wird der Fall jetzt neu aufgerollt. „Neue Hauptverhandlung, neue Schöffen, neues Spiel, neues Glück“, meinte der vorsitzende Richter Ralf Tries. Doch wem das Glück in diesem Fall beschieden ist, bleibt augenblicklich noch vollkommen offen.

Diese Spielothek am Alten Markt ist in der Nacht zum Montag, 31. Juli 2017, überfallen worden. Foto: Röder-Moldenhauer
Diese Spielothek am Alten Markt ist in der Nacht zum Montag, 31. Juli 2017, überfallen worden.
Foto: Röder-Moldenhauer

Drei Männer und eine Frau sind wegen des Überfalls auf die Westerburger Spielhalle am 31. Juli 2017 vor einem Schöffengericht in Montabaur angeklagt. Den Vorsitz hat Richter Ralf Tries inne. Zwei der Angeklagten im Alter von 32 und 49 Jahren sollen laut Staatsanwaltschaft die Tat ausgeführt haben, während eine 32-jährige Mittäterin vor der Spielhalle Schmiere stand. Der vierte im Bunde, ein Spielhallenangestellter, soll sich zum Schein überfallen lassen haben. Der jedoch beteuert auch im zweiten Anlauf vehement seine Unschuld.

Das Schöffengericht will sich die Beweisaufnahme so anschaulich wie möglich gestalten. Aus diesem Grund waren im Vorfeld des Prozesses ein Projektor und eine Leinwand platziert worden. Das Gericht hatte die Örtlichkeiten in Westerburg filmen lassen, um sich einen Objektüberblick verschaffen zu können. Auch einzelne Sequenzen von Kameraaufzeichnungen aus der Tatnacht sind von Interesse, besonders die Aufnahmen, die zwei der beiden Angeklagten beim Betreten der Spielothek zeigen. Die Prozessbeteiligten werden auf den Aufnahmen sehen, wie der Kassierer zu Boden gebracht, gefesselt und aus dem Sichtbereich der Kamera gezerrt wird. Dann wird die Kamera verdeckt. Danach soll der Angestellte sich angeblich am Aufbrechen der Automaten beteiligt haben. Doch zunächst einmal müssen die vier Angeklagten gehört werden. Den Auftakt macht die Frau im Quartett. Mit ihr geht der Staatsanwalt hart ins Gericht. Der Anklagevertreter deckt, ebenso wie Strafverteidiger Franz Rudolf Dietz (Westerburg), der den Kassierer im Prozess vertritt, Widersprüchlichkeiten im Aussagenverhalten der Angeklagten auf. Die wirkt genervt. „Ich will“, das macht sie wiederholt deutlich, „mit dem Mist nichts mehr zu tun haben“.

Der nächste, der zu Wort kommt, ist einer der mutmaßlichen Drahtzieher des möglicherweise fingierten Überfalls. Er soll, das zumindest meint die Staatsanwaltschaft, mit dem Kassierer den Überfall ausbaldowert haben. Der 32-Jährige berichtet von einer Alkohol- und Drogenkarriere, und er belastet den Angestellten der Spielothek. Beide hätten sie Geldsorgen gehabt, behauptet er. Mehrfach sei über das Thema gesprochen worden. Dann habe er aus Jux und Tollerei“ den Dritten im Bunde angesprochen – auch den hätten Geldsorgen geplagt. Zum Überfall selbst meinte er: „Es war frustrierend, weil gar nichts klappte. Nichts funktionierte so, wie es funktionieren sollte. Als wir den Code für die Wechselkasse eingaben, tat sich nichts. Was wir nicht wussten, war, dass das System nach 2 Uhr nicht mehr reagierte. Auch mit der Situation waren wir total überfordert“. Als er später nach der Flucht vom Tatort erfahren habe, dass die Polizei auch mit Spürhunden nach den Tätern fahndet, sei er zusehends nervöser geworden.

Der Kassierer, der nach den Aussagen der Mitangeklagten an der Tat beteiligt gewesen sein soll, bleibt bei seiner Darstellung: Er ist Opfer, nicht Täter. Aus den Gerichtsakten soll hervorgehen, dass er bei der polizeilichen Vernehmung von russisch sprechenden Tätern gesprochen habe. Dem sei so nicht gewesen, meinte der 34-Jährige, den die Bezirksleiterin der Spielothekenkette als äußerst vertrauensvollen Mitarbeiter beschrieb: „Ich habe gesagt, ich habe nicht verstanden, was sie redeten, es könnten Osteuropäer gewesen sein“. Zwei Zahnkronen seien ihm bei der nächtlichen Aktion abgebrochen worden. Ein ärztliches Attest ließ er nicht anfertigen. Anfangs habe er schlecht schlafen können, weshalb er einen Arzt aufgesucht habe. Mittlerweile hat der Spielhallenangestellte Strafanzeige wegen falscher Verdächtigung erstattet.

Auch der Vierte im Bunde belastet den Kassierer schwer. War er wirklich mit von der Partie? Das wird einer der Kernfragen sein, auf die das Gericht eine Antwort finden muss. Und es steht nicht nur für ihn viel auf dem Spiel. Sollte die Sache nämlich nicht fingiert gewesen sein, wären die Täter aller Voraussicht nach wegen eines Raubdeliktes zu bestrafen. In solch einem Fall würden sie für längere Zeit hinter Gitter landen, denn hier sieht das Gesetz Strafen von fünf Jahren aufwärts an. Eine Chance auf Bewährung gäbe es nicht mehr.

Der Prozess wird am Mittwoch, 15. August, um 9 Uhr fortgesetzt. Dann soll auch ein Überraschungszeuge aus der Justizvollzugsanstalt Wittlich, den einer der vier Angeklagten ins Spiel brachte, gehört werden. Dieser behauptet, dass der Kassierer ihn im Vorfeld auf eine mögliche Beteiligung angesprochen hätte. Angeblich, so soll er gesagt haben, handele es sich „um eine todsichere Sache“.

Von unserem Redakteur Michael Wenzel

Montabaur Hachenburg
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