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Nister/Müschenbach

33-Jährige baut im Westerwald Wegkreuze: Clara Alexander und ihr Draht zu Gott

Nadja Hoffmann-Heidrich

Wenn Clara Alexander von Gott spricht, leuchtet ihr ganzes Gesicht. So wie an diesem Morgen, an dem sie bei strahlendem Sonnenschein auf einer Bank am Asterter Feld in Müschenbach sitzt und ihre Lebensgeschichte erzählt. Die ist allemal ungewöhnlich, ebenso wie die Wegekreuze, die die 33-Jährige aus Nister, deren Familie ursprünglich aus Berlin stammt, seit drei Jahren mit Firmlingen aus der Pfarrei Maria Himmelfahrt Hachenburg baut und aufstellt.

Foto: Röder-Moldenhau

Clara Alexanders Mutter ist evangelisch, ihren Vater hat sie nie kennengelernt. Besonders intensiv wurde Religion in ihrem frühen Umfeld nicht praktiziert. Doch schon als Kind und dann umso stärker als Jugendliche verspürte Clara eine tiefe Sehnsucht nach einer höheren Instanz. „Gott hat mich gerufen“, ist sich die Frau sicher. Sie fängt an sich zu informieren, entdeckt den Katholizismus für sich, findet für sich immer mehr Orientierung, bis sie schließlich ihr Leben von Grund auf neu sortiert: „Ich habe mich gefühlt wie unter Wasser. Eine gewisse Zeit kann man die Luft anhalten, aber irgendwann muss man auftauchen, durchatmen. So habe ich damit begonnen, mich nach und nach von allem zu lösen, was mich störte“, erinnert sich Clara Alexander. Enge, körperbetonte Kleidung tauschte sie gegen weite Gewänder ein, aus ihrem lauten, städtischen Umfeld zog sie ins beschauliche Nister, wo sie sich mit 21 ein kleines Haus kaufte, das sie vorher nie gesehen hatte.

Mit 30 Jahren fühlte sie sich innerlich bereit, die Taufe (und gleichzeitig auch die Erstkommunion) zu empfangen. Ihr Täufer und Lehrer war der Limburger Domkapitular Gereon Rehberg, der sie vorher ausführlich befragt hat, ob sie es mit diesem Schritt ernst meint. „Und ob ich es ernst meine. Ohne die Eucharistie und die Gemeinschaft mit Gott könnte ich nicht leben“, betont Clara. Mit der Vorbereitung auf die Sakramente, zu der auch die Erstbeichte gehörte, „ist der alte Mensch, der ich war, gestorben. Und das ist gut so“, erklärt sie ausdrücklich. Mit ihrer Taufe hat sie aus eigenem Antrieb das Gelübde abgelegt, alleine zu bleiben, bescheiden zu leben und ihr ganzes Tun Gott zu widmen. „Ich wollte ursprünglich sogar mein Haus verschenken und ins Kloster gehen, am liebsten wäre ich dem Orden der Kartäuser beigetreten. Aber Gott hat für mich einen anderen Weg vorgesehen“, sagt sie. „Ich soll im Westerwald etwas für die Kirche schaffen.“

Und so wohnt sie zwar in einem bürgerlichen Umfeld („Meine Kleidung ist für mich nun wie eine Klosterzelle aus Stoff“), geht als Zustellerin der Post einem bürgerlichen Beruf nach. Ihre gesamte übrige Zeit aber stellt sie sich in den Dienst Gottes – in Gebeten, Meditationen, Besuchen von Messen sowie in praktischen Arbeiten. Als der Hachenburger Pfarrer und Marienstatter Zisterziensermönch Pater Guido Dupont vor einiger Zeit Firmkatecheten (Personen, die eine Firmgruppe betreuen) suchte, brachte Clara Alexander die Idee der von ihr entwickelten Wegekreuze ins Gespräch. „Pater Guido war sofort begeistert und hat mich bei der Umsetzung des Projekts Godspot von Anfang an unterstützt.“ Der Name ist an den Begriff Hotspot angelehnt und soll zum Ausdruck bringen, dass man immer und überall mit Gott in Kontakt bleiben kann. Drei Kreuze sind bislang entstanden. Sie stehen in Nister, Mörlen und eben in Müschenbach. Weitere sind in Planung. Die himmelblauen Wegekreuze, die an einen Sendemast erinnern und die zum Innehalten, zum Beten einladen, zeigen Symbole moderner Kommunikation. Das Home-Symbol erinnert an das Elternhaus im Himmel, das Mail-Symbol soll uns ermuntern, Gottes Nachrichten zu hören, der Akku besagt: Keiner muss sich überlastet fühlen. Bei Gott kann man auftanken. Das WLAN-Zeichen schließlich soll ausdrücken: Du bist immer mit Gott in Verbindung. Die – von unten betrachtet – ineinander versinkenden Metallringe drücken aus, dass der kleinere Ring (Mensch/Erde) im Großen (Gott) beim Beten versinken möge.

Die Kreuze, so berichtet Clara Alexander, werden gut von Menschen angenommen. „Häufig werden beispielsweise Blumen dort abgestellt“, hat sie beobachtet. Doch es gibt auch Personen, denen diese Orte ein Dorn im Auge sind. So wurde jüngst das Kreuz in Nister von Unbekannten abgesägt. Doch die 33-Jährige lässt sich nicht unterkriegen. „Es ist bereits wieder repariert und aufgerichtet. Das ist doch auch ein Zeichen für Jesu Auferstehung“, sagt sie lächelnd.

Von unserer Redakteurin Nadja Hoffmann-Heidrich

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