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1,95 Promille: Betrunken zur Polizei gefahren

Westerburg/Hachenburg – Das dürfte einem Richter nur sehr selten unterkommen: Ein Mann, der den Führerschein abgegeben soll, betrinkt sich aus Wut vor der Fahrt zur Zulassungsstelle. Sein Motto: "Gib ihnen den Beweis, den sie haben wollen..."

Foto: Symbolfoto

Ein gelernter Metzger bekommt von der Kreisverwaltung den Führerschein entzogen. Als es darum geht, die Fahrerlaubnis abzugeben, betrinkt sich der 50-Jährige, setzt sich in sein Auto und baut einen Unfall. Er ruft die Polizei an, um das vermeintliche Geschehen zu melden. Als ihm das offenbar alles nicht schnell genug geht, setzt er sich wieder ins Auto und fährt bei der Polizei vor, um seinen Führerschein abzugeben – mit später festgestellten 1,95 Promille Alkohol im Blut. So geschehen am 16. Februar gegen Mitternacht in Hachenburg.

Natürlich hatte die "Strafverfolgung in eigener Sache" ein juristisches Nachspiel, und so kam in diesen Tagen in Westerburg ein Gericht zusammen, das sich mit diesem sehr ungewöhnlichen Sachverhalt beschäftigen durfte. Trunkenheit im Straßenverkehr und Fahren ohne Fahrerlaubnis lautete die Anklage. Zu einer Anklage wegen Fahrerflucht kam es nicht, da der Polizei keinerlei Unfall mit Fremdschaden gemeldet worden war.

Der 50-Jährige verfügte über ein umfangreiches Vorstrafenregister: Diebstahl, Körperverletzung, fahrlässige Tötung, Bedrohung, Hausfriedensbruch, schwerer Raub. Zuletzt war er im Jahr 2007 wegen einer Trunkenheitsfahrt, Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und wegen Bedrohung zu einer siebenmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Am 9. Januar hatte ihm die Kreisverwaltung wegen seiner Trunksucht die Fahrerlaubnis entzogen. Am 16. Februar setzte er sich hinter das Lenkrad seines Autos und startete durch. Gegen 23.30 Uhr erschien er sturzbetrunken bei der Polizeiwache in Hachenburg, erzählte von einem Unfall und gab den Führerschein ab.

Wieso? Dies interessierte auch das Gericht brennend. "Ich hatte bei der MPU (Anmerkung: medizinisch-psychologische Untersuchung) vorgesprochen und viel Geld investiert, dass ich meinen Führerschein wiederbekommen würde", erklärte der gelernte Metzger vor Gericht. "Doch man sagte mir, dass sich die Gesetze geändert hätten und ich die Fahrerlaubnis wohl nicht wiedererlangen könnte. Ich war richtig sauer. Da sagte ich mir, jetzt trinkst Du einen und gibt ihnen den Beweis, den sie haben wollen!"

Auf Verständnis für sein merkwürdiges Verhalten konnte er bei Gericht nicht hoffen. "Das hat etwas von einem trotzigen Kind und zugleich masochistische Züge, wenn sich jemand selbst für etwas bestraft, worüber er sich geärgert hat", meinte Anklagevertreterin Petra Maria Baldus. Sie forderte am Ende ihres Plädoyers eine zweimonatige Bewährungsstrafe, 100 Stunden gemeinnützige Arbeit und eine gesonderte Sperre der Fahrerlaubnis von einem Jahr.

Richter Hans Helmut Strüder folgte den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Und als es darum ging, wo der Angeklagte die 100 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten kann, schlug dieser vor, bei der Polizei in Hachenburg regelmäßig den Hof zu kehren, was der Richter jedoch ablehnte. "Wer weiß", meinte Hans Helmut Strüder, "vielleicht würden sie ja dann wieder mit dem Auto vorfahren!"

Von unserem Redakteur Michael Wenzel

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