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Wilfried Noll im Porträt: Mehr als zwei Jahrzehnte für Unternehmen in die Hände gespuckt

Wirtschaftsförderung ist bekanntlich keine verpflichtende Aufgabe der kommunalen Gebietskörperschaften. Gleichwohl hat sich die Wirtschaftsförderung in den zurückliegenden Jahren ihren Stellenwert erarbeitet und sich als ein wesentlicher Bestandteil der kommunalen Daseinsvorsorge etabliert.

Ein Lieblingsprojekt von Wirtschaftsförderer Wilfried Noll war die erfolgreiche und weithin beachtete Aktion „Hände hoch fürs Handwerk“.  Archivfoto: WFG Westerwaldkreis/Sascha Ditscher
Ein Lieblingsprojekt von Wirtschaftsförderer Wilfried Noll war die erfolgreiche und weithin beachtete Aktion „Hände hoch fürs Handwerk“. Archiv
Foto: WFG Westerwaldkreis/Sascha Ditscher

Diese Sätze haben allgemeine Gültigkeit. Aber genauso hatte sie Wilfried Noll, bis vor wenigen Wochen Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) des Westerwaldkreises, in seinen letzten Jahresbericht geschrieben. Grund genug für die WZ, einmal bei dem jetzt ehemaligen Wirtschaftsförderer nachzufragen, wie sich das Aufgabengebiet gerade in seiner 21-jährigen Amtszeit entwickelt hat.

Noll holt erst einmal weit aus und berichtet eigentlich Erstaunliches: „Den Wert einer aktiven Wirtschaftsförderung haben die Westerwälder schon sehr früh erkannt. Gewissermaßen waren sie federführend, als sie 1969 diese Aufgabe im damaligen Unterwesterwaldkreis einer privatrechtlich organisierten Gesellschaft, einer GmbH, auferlegten. Seit nunmehr fast 50 aktiven Jahren ist die Wirtschaftsförderung fester Bestandteil der Wirtschaft im Westerwaldkreis. Neben den Westerwälder Banken und Sparkassen sind es die zehn Verbandsgemeinden im Landkreis, die den Mehrheitsgesellschafter Westerwaldkreis und die Geschäfte der WFG nachhaltig begleiten und unterstützen.“

Aber wie und wann kam denn Noll, der zuvor bei der VG-Verwaltung Montabaur arbeitete, zur WFG? „Erst einmal muss man fragen, wie ich überhaupt ins Rathaus kam“, lacht Noll, der nach der Mittleren Reife in der Montabaurer Kerzenfabrik Flügel zum Industriekaufmann ausgebildet wurde und nach der Bundeswehr im Großhandel arbeitete. Über die Stationen Wasserwerk und Einwohnermeldeamt kam Noll dann bei der VG-Verwaltung Montabaur erstmals mit Wirtschaftsförderung in Berührung, als es unter Bürgermeister Dr. Paul Possel-Dölken und mit Investor Ralph Dommermuth mit den städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen in Montabaur so richtig losging. „In dieser Zeit habe ich das meiste fürs Leben gelernt“, erinnert sich Noll. „Ich bewundere noch heute Paul Possel-Dölkens Weitsicht und seinen unerschütterlichen Glauben an den Erfolg des ICE-Bahnhofs Montabaur.“

Beim zehnten Jahrsempfang der Westerwälder Wirtschaft zeigten die heimischen Unternehmen 2005 in der Stadthalle Westerburg Flagge. Damals natürlich mit dabei: Wilfried Noll (vorne, 2. von links). Archivfoto: Röder-Moldenhauer
Beim zehnten Jahrsempfang der Westerwälder Wirtschaft zeigten die heimischen Unternehmen 2005 in der Stadthalle Westerburg Flagge. Damals natürlich mit dabei: Wilfried Noll (vorne, 2. von links). Archiv
Foto: Röder-Moldenhauer

Dadurch, dass er tief in der Materie ICE steckte und offenbar ein Faible für Fragen der Wirtschaftsförderung hatte, hatte er offenbar auch die besten Chancen, als Mitte 1996 unter 60 Bewerbern der neue WFG-Geschäftsführer ausgewählt werden musste. Kaum im Amt, war ihm aber auch schnell klar, dass es nicht nur um den ICE gehen musste. Auch wenn für den eigens die „ReMI“, die gemeinsame Initiative „Regional-Marketing ICE“, gegründet wurde. Die sollte die Schnellbahn populär machen und erreichte das auch.

Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal war für Wilfried Noll schon in seinen Anfangsjahren die Keramikbranche im Raum um Höhr-Grenzhausen und Ransbach-Baumbach. Und für den ganzen Westerwald machte er sich schon sehr früh Gedanken, wie man die Region mit Breitband-Anschlüssen (zu damaliger Zeit mit DSL) versorgen könnte.

„Wie wichtig dieses Thema geworden ist, ist ja heute keine Frage mehr“, meint der Ex-Wirtschaftsförderer, der die WFG in den 21 Jahren immer mehr zum Netzwerker, Informanten und verbindendem Glied zwischen Unternehmen, öffentlichen Institutionen, Kammern, Ministerien, (Hoch-)Schulen und der Verwaltung entwickelte.

Dabei baute er auch schon vor seiner Amtszeit begonnene Projekte immer mehr aus: „Der Empfang der Westerwälder Wirtschaft ist ein sehr gutes und auch sehr erfolgreiches Beispiel einer gemeinschaftlichen Projektarbeit“, weiß Noll. „Die gastgebenden Unternehmen und Hunderte von Gästen präsentieren die Leistungsstärke der Westerwälder Wirtschaft. Der Wirtschaftsempfang hat sich zu einer der größten Netzwerkerveranstaltungen in der Region entwickelt.“

Noll war es ein besonderes Anliegen, Aktivitäten zur Nachwuchsförderung anzustoßen und aufzubauen und die Vernetzung von Schulen und Hochschulen mit den Unternehmen der Region voranzutreiben. Sein jüngstes erfolgreiches Kind ist da die Aktion „Hände hoch fürs Handwerk“. „Die WFG vernetzt aber auch Studenten mit innovativen Westerwälder Unternehmen“, macht Noll deutlich. Mit der Aktion ,AB In die Zukunft' engagiert sich die WFG für angehende Abiturienten, zeigt ihnen Karrierechancen in den Unternehmen der Region und die Studienmöglichkeiten an den regionalen Hochschulen auf.

Dass die Arbeit der „kleinen“ WFG Westerwald und damit vor allem Nolls Arbeit bundesweite Beachtung fand, macht der erreichte Sonderpreis beim „Großen Preis des Mittelstandes 2014“ deutlich, den er und sein Team von der Wirtschaftsförderung des Kreises für ihre innovativen Ideen, besonderen Leistungen und den unermüdlichen Einsatz für die Westerwälder Wirtschaft erhielten.

Von Markus Müller

Mit Noll kam WFG in Fahrt...

Mit Wilfried Noll als Geschäftsführer der WFG des Westerwaldkreises kam diese so richtig in Fahrt. Sein bestes Erlebnis hatte der heute 63-Jährige mit der Eröffnungsfahrt des ICE im neuen Montabaurer Bahnhof. Und er ist seinen Vorgesetzten dankbar, die sein Engagement unterstützten und ihn förderten: „Ich hatte drei wunderbare Chefs: Bürgermeister Dr. Paul Possel-Dölken sowie die beiden Landräte Peter Paul Weinert und Achim Schwickert.“ Und was ist seine eigene Bilanz der Arbeit in der WFG: „So viel können wir in den vergangenen Jahren gar nicht falsch gemacht haben.“ Und was hat ihn bei seiner Arbeit immer geärgert? „Verwaltungsleute, die wichtige Projekte unnötig blockierten.“

... mit Schlag geht's weiter

Wilfried Noll wäre aber nicht Wilfried Noll, wenn er nicht mit dafür gesorgt hätte, dass „seine“ Wirtschaftsförderungsgesellschaft auch in Zukunft erfolgreich weiterarbeiten kann. Dafür steht seit Anfang Januar die neue Geschäftsführerin Katharina Schlag. Die gebürtige Ostfriesin, die schon seit zehn Jahren im Westerwald lebt, hat jetzt schon fünf Jahre bei der WFG mit Noll zusammengearbeitet. Auch die gelernte Dipl.-Kauffrau (FH) und qualifizierte Regionalmanagerin versteht ihren Beruf als Dienstleistung für die Wäller Unternehmen und Einrichtungen. Kontakt: Telefon 02602/124 405 oder E-Mail katharina.schlag@westerwaldkreis.de

In 15 Jahren im Dorf viel bewegt

Hübingen. Wilfried Noll zog aber nicht nur hauptamtlich die Strippen bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises, sondern engagierte sich auch ehrenamtlich stark in seiner Heimatgemeinde Hübingen. Dort war er von 1999 bis 2014 rund 15,5 Jahre Ortsbürgermeister und konnte dabei natürlich wunderbar seine Erfahrungen aus der Arbeit bei VG und Kreis in die Dorfpolitik einbringen. Vor allem auch, wenn es um so komplizierte Dinge wie die Umstellung des bisherigen Haushaltsplans auf die Doppik ging.

1999 wird Noll (rechts) Ortschef von Hübingen.  Archivfoto: Elmar Hering
1999 wird Noll (rechts) Ortschef von Hübingen. Archiv
Foto: Elmar Hering

In seiner Amtszeit wurde zudem weit mehr als eine Million Euro in Hübingen im Rahmen der Dorferneuerung investiert. Noll war es auch gewohnt, über den Tellerrand hinauszuschauen: Mit den beiden anderen Orten im Buchfinkenland, Gackenbach und Horbach, wurde ein Projekt in interkommunaler Zusammenarbeit angestoßen.

Eins der wichtigsten Ziele als Ortschef war für ihn, das Dorf zukunftsfähig zu machen. Das wollten er und seine Mitstreiter unter anderem mit einer Babyprämie erreichen. Und Noll brach auch kreisweite Ziele auf die dörfliche Ebene herunter: Eine gute Breitbandversorgung wurde in Hübingen schon sehr frühzeitig mit dem Bürgernetz angestrebt, das ein heimischer Unternehmer umsetzte.mm

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