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Westerwaldkreis

Was die Westerwälder für ihr Wasser zahlen: So kommen die Gebühren zustande

Wasser ist ein kostbares Gut – das Kosten verursacht. Die Westerwälder zahlen dafür jedes Jahr Beiträge und verbrauchsabhängige Gebühren, die im Kreis unterschiedlich hoch sind. Westerburger Werkleiter Jörg Pfaff erläutert, wie die unterschiedlichen Beiträge und Gebühren zustande kommen.

Jeder Wassertropfen ist kostbar. Und muss bezahlt werden.  Foto: dpa
Jeder Wassertropfen ist kostbar. Und muss bezahlt werden.
Foto: dpa

Für den Verbrauch von Trinkwasser werden die Bürger in den Verbandsgemeinden des Westerwaldkreises unterschiedlich zur Kasse gebeten. Das betrifft zum einen die Höhe der Kosten, zum anderen die Art, welche Beiträge überhaupt erhoben werden. Mussten im Jahr 2016 die Einwohner der VG Ransbach-Baumbach mit 1,21 Euro (netto) kreisweit am wenigsten pro Kubikmeter Frischwasserbezug zahlen, so lag die VG Wirges mit 1,94 Euro an der Spitze, gefolgt von der VG Westerburg mit 1,84 Euro. Immer kommt bei dem Frischwasserbezug auf den Nettobetrag noch eine Mehrwertsteuer von 7 Prozent.

Bei den Jahresgrundpreisen (wiederkehrende Beiträge) ist ein direkter Vergleich schier unmöglich. Denn zu unterschiedlich ist, worauf sich die Beiträge beziehen. Die Spanne reicht von 0,05 Euro je Quadratmeter Vollgeschosse in der VG Bad Marienberg bis zu 153 Euro je Wasserzähler bis 5 Kubikmeter in der VG Westerburg. In anderen Verbandsgemeinden wird der Beitrag zudem je Quadratmeter Geschossflächenzahl, je Wohneinheit oder auch für die ersten zwei Wohneinheiten bemessen. Um dennoch ein wenig Licht in das Dunkel dieser Zahlenwelt zu bringen, haben wir Jörg Pfaff (Werkleiter der Eigenbetriebe VG Westerburg) gebeten, das Abc der Wassergebühren zu erläutern:

Werkleiter Jörg Pfaff
Werkleiter Jörg Pfaff
Foto: Angela Baumeier

1 Wassergebühren: Das sind verbrauchsabhängige Kosten. Je mehr Wasser ich verbrauche, desto mehr bezahle ich. Hinzu kommen die verbrauchsunabhängigen Kosten, also die Beiträge, mit denen die Kosten für die Anlagen beglichen werden, die notwendig sind, um eine sichere Versorgung mit Trinkwasser zu gewährleisten – also etwa Hochbehälter und die Leitungen.

2 Beitragsarten: Es gibt zwei Arten, wie die Beiträge erhoben werden: die Einmalbeiträge und die wiederkehrenden Beiträge. Der Unterschied liegt darin, dass die Investitionskosten entweder auf einmal zu zahlen sind oder über Jahre verteilt. Die VG Westerburg hat sich als einzige im Kreis dafür entschieden, konsequent keine Einmalbeiträge für den Neubau und die Anlagensanierung zu erheben, um die Bürger bei Baumaßnahmen nicht einmalig über die Maße zu belasten. Die Investitionen werden über Kredite vorfinanziert.

3 Festsetzung: Die Gebühren und Beiträge, welche die Nutzer zahlen müssen, werden von den Eigenbetrieben in den jeweiligen Wirtschaftsplänen einer Verbandsgemeinde festgesetzt. Diese Pläne werden von dem Verbandsgemeinderat beschlossen und müssen dann von der Kommunalaufsicht des Kreises genehmigt werden. Erst dann dürfen die geplanten Investitionen erfolgen. Zu Beginn des Folgejahres erstellen die Eigenbetriebe dann eine Bilanz, die von externen Wirtschaftsprüfern geprüft wird. Im Anschluss hat der Verbandsgemeinderat wiederum die Aufgabe, die Bilanzen zu beschließen, die zudem vier Wochen lang öffentlich ausliegen, also von den Bürgern eingesehen werden können.

4 Vergleichbarkeit: Bei den Einmal- und den wiederkehrenden Beiträgen handelt es sich um völlig unterschiedliche Modelle, wie die Investitionen finanziert werden, sie sind daher nicht direkt vergleichbar. „Das ist der Knackpunkt“, verdeutlicht Pfaff mit einem alltäglichen Beispiel: Das ist wie bei einem Handyvertrag: Ich kann wählen zwischen einem Vertrag, bei dem ich monatlich eine geringe Grundgebühr bezahle, muss dann aber nach einer gewissen Zeit ein neues Smartphone selbst finanzieren (Einmalzahlung). Oder ich wähle die Variante, bei der die Grundpauschale höher ist und nach einigen Jahren bekommt man ein neues Gerät gestellt (wiederkehrender Beitrag). Die Krux ist, dass in den Beitragsbescheiden, welche die Bürger erhalten, nicht zu sehen ist, ob neben den wiederkehrenden Beiträgen von den Verbandsgemeinden auch Einmalbeiträge erhoben werden.

5 Gerechtigkeit: Welcher der beiden Gebührenvarianten gerechter ist, das ist Ansichtssache. „Ich selbst halte wiederkehrende Beiträge für gerechter“, sagt Jörg Pfaff. Denn so werden die Bürger beim Hausbau oder beispielsweise auch dem Straßenausbau mit Erneuerungen von Wasserleitungen nicht noch mehr mit hohen Einmalbeiträgen belastet. Ein weiterer Vorteil der wiederkehrenden Beiträge für die Bürger sei, dass diese besser für sie (ein)planbar seien als hohe eimalige Zahlungen für eine große Investition, die den Geldbeutel „plötzlich“ stark belasten können.

6 Fazit: „Im Ganzen gesehen: Nein“, antwortet der Werkleiter auf die Frage, ob die Bürger der VG Westerburg de facto mehr für das Wasser zahlen müssen als in den anderen Verbandsgemeinden. „Man muss das ganze Paket sehen“, betont Pfaff. Und das hänge mit vielen Faktoren zusammen, beispielsweise auch damit, wie viele Versorgungsgebiete es in einer Verbandsgemeinde gibt, wie viele Anlagen also unterhalten werden müssen, um eine Versorgungssicherheit zu gewährleisten. In der VG Westerburg sind das 16 Versorgungsgebiete für Trinkwasser mit eigenen Hochbehältern, „und das sind viele“. Weiter stellt der Werkleiter fest: „Um beispielsweise die Kosten für Autos miteinander vergleichen zu können, kann man auch nicht nur allein den Benzinpreis dafür heranziehen. Genauso ist das mit der Wassergebühr.“

Von unserer Reporterin Angela Baumeier

Westerwald extra
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