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Nur tägliches Üben bringt den Erfolg: Trompeter Marvin Frey ist Zirp-Stipendiat 2018

Wenn Marvin Frey vom vergangenen Jahr erzählt, fühlt sich der Zuhörer wie in einer großen Abenteuergeschichte. Er ist fast täglich unterwegs, quer durch Deutschland und darüber hinaus: China, Indien, Ecuador. Der 24-Jährige aus Elgendorf ist Trompeter, und seine Musik hat ihn in seinem Leben schon weit herumgebracht und Anerkennung verschafft. Über das ihm nun zuerkannte Stipendium der Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz (Zirp) 2018 freut er sich ganz besonders. Dabei liegt der Anfang seiner Karriere noch sehr nah, zeitlich wie auch räumlich.

Marvin Frey hat in Maastrich studiert. Er will künftig sein Geld als Trompeter verdienen. Der junge Mann ist auf dem besten Weg dorthin.  Foto: Elias Müller
Marvin Frey hat in Maastrich studiert. Er will künftig sein Geld als Trompeter verdienen. Der junge Mann ist auf dem besten Weg dorthin.
Foto: Elias Müller

Freys Weg als Musiker begann am Landesmusikgymnasium in Montabaur, wo er zunächst Klavier spielte. Durch seine sehr musikalische Familie hatte er aber auch immer wieder die Gelegenheit, andere Instrumente auszuprobieren. Freys Mutter spielt Klavier, sein Vater Posaune und sein Onkel Trompete. „Egal ob zu Hause oder bei meinen Großeltern und Verwandten, eigentlich waren immer Instrumente da”, erzählt der Musiker schmunzelnd. Mit 16 Jahren wechselte er in der Schule auf die Trompete und erhielt Unterricht für dieses Instrument. Gleichzeitig gelangte er immer mehr zum Jazz, spielte am Gymnasium in verschiedenen Ensembles und Bands. „Diese Freiheit und Spontanität haben mich einfach gepackt.“

Auch bei dieser Entwicklung ist der Einfluss seiner Familie zentral: „Meine ersten beiden CDs waren von Chet Baker und Dizzy Gillespie.“ Am Landesmusikgymnasium Abitur zu machen bot ihm für seinen musikalischen Weg eine ideale Grundlage. Die Anzahl der Auftritte nimmt zu, Frey kann an immer größeren Projekten teilnehmen, lokal, aber auch international. In der Oberstufe reist er zweimal mit Ensembles nach China. „Die Schule war mich die Basis für alles, vor allem durch meine Mitmusiker und durch das angenehme Klima, das war eine große Inspiration“, zeigt Frey sich dankbar.

Dass es auch nach dem Abitur mit Musik weitergeht, stand für das junge Talent von Anfang an fest. Seine Wahl fiel letztlich auf das Studium Jazz-Trompete am Konservatorium im niederländischen Maastricht. Dort angekommen, holte ihn sein Dozent sofort zurück auf den Boden der Tatsachen. „Da wird einem erst mal gezeigt, was man noch alles lernen muss.“ Doch von Rob Bruynen kann Frey auch eine Menge lernen, denn der professionelle Musiker hat mehr als 30 Jahre Erfahrung als Trompeter in der weltbekannten WDR Big Band vorzuweisen. In Maastricht zeigt er seinem neuen Schützling, was es heißt, professionell Musik zu machen.

Für Frey begann ein neuer Alltag, mit Arbeitszeiten „wie bei jedem anderen Job auch“. Denn Trompetespielen bedeutet mehr als nur das Beherrschen des Instruments. Der Tag des jungen Musikers beginnt mit Trockenübungen, sprich Kontrolle über die Atmung gewinnen, Mimik trainieren, jeden Muskel beherrschen, der zum Musikmachen erforderlich ist. Nach der ersten Tasse Kaffee geht es dann meistens in den Proberaum im Kölner Stadtteil Ehrenfeld. Nachdem Frey im vergangenen Jahr seinen Bachelor in Maastricht abgeschlossen hat, ist er in die Großstadt gezogen. Er studiert aber weiterhin in den Niederlanden, macht jetzt seinen Master.

„Glücklicherweise haben meine Dozenten an der Hochschule immer viel Verständnis, wenn man wegen Auftritten und Proben unterwegs ist“, erklärt Frey, warum er mit dem Fortschreiten seines Studiums immer weniger wirklich in Maastricht ist. „Das ist auch so gewollt, darum geht es ja. Wir sollen Musik machen.“ Dieses „machen“ ist ihm persönlich wichtiger als alles andere. Er spielt so viele Konzerte und Auftritte (Gigs) wie nur möglich, in den unterschiedlichsten Formationen und mit zahlreichen anderen Musikern. Die Planung kann dabei schon mal sehr spontan ablaufen. „Da kommt nachmittags ein Anruf, weil jemand krank geworden ist, und ich werde gefragt, ob ich abends Zeit habe. Man klärt die Formalitäten ab, und schon steht ein neuer Gig.“ Frey lebt die Vielfalt aus, die ihn am Jazz so begeistert, er macht Musik in unterschiedlichsten Genres, probiert vieles aus.

Um dieses „Musikerleben“ durchziehen zu können, braucht er große Disziplin. Die Trompete hat er eigentlich immer dabei, spielt und übt täglich stundenlang, alleine und in Ensembles. Dazu kommen eigenes Komponieren und Unterrichten. Als Privatlehrer versucht er, seinen Trompetenschülern diese Disziplin weiterzugeben. „Die Arbeit, um das Instrument zu beherrschen, kann sehr frustrierend sein“, gesteht er ein. Aber nur tägliches Üben bringe einen zum Ziel, und dann merke man immer wieder, wie sehr es sich lohnt, erzählt Frey begeistert.

„Täglich“ nimmt er sehr wörtlich, Ausnahmen gibt es für ihn eigentlich nicht. Dann ist die Trompete natürlich auch im Urlaub dabei. In den Ferien findet er die Zeit, sich auf bestimmte Aspekte seines Spielens zu konzentrieren, die er im Studium nicht ausführlich genug behandeln konnte. Er findet immer wieder Elemente, die er noch nicht kannte oder interessant findet. „Jazz ist ein Lebensstil und eine lebenslange Aufgabe, da reichen keine vier Jahre Studium“, sagt der Musiker überzeugt. Doch natürlich braucht auch er seine Pausen und Auszeiten. Den Ausgleich findet er im Sport oder auch darin, abends einfach mal einen Film zu schauen, wenn er gerade keinen Gig hat. Manchmal aber auch darin, Musik zu hören, dann auch gerade mal keinen Jazz.

Dass Frey für seine Musik lebt, ist im aber deutlich anzumerken, wenn er von besonderen Konzerten und Ensembles berichtet. „Beim Jazz weiß man nie, was passiert, und jeder Auftritt ist anders, auch wenn man dieselben Stücke spielt, weil jeder Musiker etwas anderes erzählen will.“ Bei seiner Karriere hingegen ist klar, dass das erst der Anfang ist, denn Marvin Frey hat viele Ziele und mit seiner Trompete noch eine ganze Menge zu erzählen.

Elias Müller

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