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Rennerod

Mit Elefant aus Sackleinen durch Rennerod: Schon 1919 gab es einen Rosenmontagszug

Michael Wenzel

Im Jahr 1919 schlängelte sich nachweislich ein närrischer Lindwurm an Rosenmontag durch die Straßen von Rennerod. 99 Jahre später möchten die Karnevalisten daran erinnern.

Nach dem Ersten Weltkrieg waren die Menschen sicherlich dankbar für jede Form von Zerstreuung und Ablenkung. Der Rosenmontagszug im Jahre 1919 bot ihnen eine willkommene Möglichkeit dazu. Eine Attraktion war vor 99 Jahren ein Elefant aus Sackleinen und Stroh. Fotos: Chronik der Stadt Rennerod/RKV Rennerod
Nach dem Ersten Weltkrieg waren die Menschen sicherlich dankbar für jede Form von Zerstreuung und Ablenkung. Der Rosenmontagszug im Jahre 1919 bot ihnen eine willkommene Möglichkeit dazu. Eine Attraktion war vor 99 Jahren ein Elefant aus Sackleinen und Stroh. Fotos: Chronik der Stadt Rennerod/RKV Rennerod

Wenn das kein närrisches Jubiläum ist: Den Rosenmontagszug in Rennerod gibt es seit mittlerweile 99 Jahren. Bereits im Jahre 1919 hat in Rennerod nachweislich ein karnevalistischer Umzug durch die Straßen des Ortes im Hohen Westerwald existiert.

Im Jahr 1903 kam in Rennerod die der erste Jahrgang der Karnevalszeitung mit dem Titel „Renneroder Neueste Nachrichten“ heraus, was belegt, dass das karnevalistische auch schon vor 1919 groß großgeschrieben wurde. Im Jahr 1919 leitete, wie Adam Immig und Thomas Grahl in der Chronik von Rennerod belegen, der damalige Brauereibesitzer Albert Kühn die Fastnacht in dem damaligen Straßendorf. Eine besondere Attraktion beim Rosenmontagsumzug war ein Elefant aus Sackleinen und Stroh. Nach all dem Leid und den Schrecken, den der Erste Weltkrieg über die Menschen kommen ließ, war solch ein buntes Treiben sicherlich auch für die Bevölkerung im Hohen Westerwald eine willkommene Ablenkung.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Karneval zunächst vor allem mit Tanzveranstaltungen und Maskenbällen gefeiert. In Rennerod tat man dies öffentlich im Hotel „Zur Alten Post“. Nach jedem Tänzchen wurden damals 10 Pfennige auf der Tanzfläche kassiert. Besonders die jungen Leute nahmen mit großer Freude daran teil.

Im Jahr 1950 gründete schließlich der Rechtsbeistand Franz Verheyen einen Karnevalsverein, der gebürtige Koblenzer Adam Immig übernahm den Vorsitz und fortan feierte man bis zum Jahr 1971 im Hotel „Zur Alten Post“ bei zwei Sitzungen ausgiebig Karneval. 1972 kamen die Jecken erstmals zur großen Elferratssitzung in der Westerwaldhalle zusammen. Nach der Gründung des Vereinsrings im gleichen Jahr löste sich der Karnevalsverein auf.

Erst zur Karnevalskampagne 1998/99 bildete sich in Rennerod wieder eine karnevalistische Interessensgesellschaft. Unter der Leitung von Boris Schaffrin, Edgar Reuscher und Thomas Grahl gründete sich im Juni 1999 der „Renneroder Karnevalsverein“, kurz RKV genannt. Erstmals in der Geschichte der Rennroder Fastnacht gab es jetzt ein Dreigestirn.

Der Renneroder Karnevalsverein pflegt vor allem auch die alte Tradition der Rosenmontagszüge im Ort weiter und konnte in den vergangenen Jahren viele Narren aus den umliegenden Ortsgemeinden und befreundete Karnevalsvereine zum Mitmachen begeistern. Von Liebenscheid bis Irmtraut, von Hellenhahn bis Elsoff kommen Gruppen und Wagen, um den närrischen Lindwurm zu bereichern. Im vergangenen Jahr wurde erstmals der Verlauf signifikant geändert, sodass die Bürger schon während der Zugaufstellung mitfeiern konnten. „Das schönste Erlebnis war, als Oma Mohr bereits in den sehr frühen Morgenstunden aufstand, um an die Zugteilnehmer in der Bahnhofstraße ofenfrische Fassenachtskreppel zu verteilten“, berichtet der neue Zugmarschall Peter Müller (alias Schornstebotze). In diesem Jahr wird sich der Zug auf dem gleichen Weg wie 2017 durch die Stadt Rennerod schlängeln. Der Zugmarschall und das Zugsekretariat, besetzt durch Nicole Kamp und Melanie Schmidt, freuen jetzt schon tierisch auf das bunte Treiben, frei nach dem Stichwort „ Doppelt Spaß, uff der Gass!“.

Von unserem Redakteur Michael Wenzel

Pünktlich um 10.30 Uhr startet der Zug durch die Stadt

Der Zug wird sich am 12. Februar morgens zwischen 9 und 10 Uhr in der Bahnhofstraße aufstellen und dann pünktlich um 10.30 Uhr seinen Verlauf über die Hauptstraße nehmen. Getränkeausschank an die Zugteilnehmer und deren Zuschauer ist ausdrücklich erwünscht. Beim städtischen Rathaus wird das Braumobil der Hachenburger Brauerei stehen und Westerwälder Bier ausschenken. Im Anschluss spielen die teilnehmenden Musikkapellen noch im großen Festsaal der Stadthalle Rennerod, und der Vereinsring Rennerod schenkt zum närrischen Treiben Getränke aus. Während der After-Zug-Party mit TJ Torti findet der karnevalistische Trubel seinen Höhepunkt im Hohen Westerwald, bevor sich am Abend das lustige Volk in die Kneipen der Stadt bewegt, um den Straßenkarneval ausklingen zu lassen.

Interview mit Vertretern des Renneroder Karnevalsvereins

Seit 99 Jahren gibt es in Rennerod nachweislich Rosenmontagszüge. Was bedeutet diese lange Tradition für die Fastnachter im Hohen Westerwald? Unsere Zeitung sprach mit Zugmarschall Peter Müller, dem früheren Zugmarschall Michael Franz und mit Thomas Grahl, dem Vorsitzenden des Renneroder Karnevalsverein (RKV).

Im Jahr 1903 hatte Rennerod sogar eine eigene Karnevalszeitung.
Im Jahr 1903 hatte Rennerod sogar eine eigene Karnevalszeitung.
Foto: wez

Was bedeuten 99 Jahre Rosenmontagszug für die Karnevalisten in Rennerod?

Thomas Grahl: Es ist für uns ein Ansporn alte Traditionen fortzuführen.

Peter Müller: Das bedeutet Spaß und Freud für jedermann. Karneval verbindet. Wir machen beim Karneval keinen Unterschied, ob Mann oder Frau, katholisch oder evangelisch, schwarz oder weiß, alt oder jung. Beim Schunkeln oder einer Polonaise greift man automatisch zum Nachbarn. Es bedeutet aber auch, dem Alltag zu entfliehen und einmal in eine andere Rolle schlüpfen.

Mit welchem personellen und materiellen Aufwand ist es verbunden, jedes Jahr aufs Neue solch einen Zug auf die Beine zu stellen?

Peter Müller: Der Aufwand für den Umzug hinter den Kulissen ist schon enorm und reicht von der Planung und dem Einkauf der Wurfmaterialien übers Verpacken bis hin zur Zugplanung bzw. zum Aufstellen des Zuges. Das Wurfmaterial für die Teilnehmer wird bei uns übrigens kostenlos zur Verfügung gestellt. Wir nehmen auch kein Zuggeld. Die Organisation der Straßensperrungen sowie die Absicherungen der Straßen und der Aufbau von Umleitungen, um nur einiges zu nennen, wären ohne die Unterstützung und gute Zusammenarbeit von Feuerwehr, Polizei, Ordnungsamt, Stadt Rennerod, Landesbetrieb Mobilität und Kreisverwaltung gar nicht möglich.

Lief in 99 Jahren alles immer pannenfrei oder gab es Ausnahmen? Könnten Sie uns auch ein paar Anekdoten schildern?

Michael Franz: Im Jahr 1991 wurde der Zug wegen des 1. Golfkrieges abgesagt. So weit, wie ich mich als Zugmarschall erinnern kann, musste der Zug wegen Dauerregen oder Kälte insgesamt drei Mal vorzeitig abgebrochen. Hier und da kam es auch zum Ausfall von Zugfahrzeugen, wodurch Verzögerungen im Ablauf entstanden. Bei einem Rosenmontagszug in Rennerod wurden übrigens einmal Minus 22 Grad gemessen.

Thomas Grahl: Apropos Anekdoten. Adam Immig, der in den 1970er-Jahren als Sitzungspräsident fungierte, hatte einmal eine Wette verloren. Ihm wurde an Rosenmontag vom Stadtfriseur am Zug die gesamte Haarpracht geschoren.

Peter Müller: Nach dem Straßenkarneval ging es damals in die Alte Post zum Tanzen. Bis Anfang der 1990er-Jahre gab es am Rosenmontag morgens den Umzug, dann fand das gesellige Treiben in der Westerwaldhalle statt. Den Abend ließ man mit dem Rosenmontagsball ausklingen. Man versuchte stets, den Zug bei Wind und Wetter durchzuführen. Bei einem Schneesturm wurde die Strecke gekürzt, aber er lief.

In manchen Orten des Westerwaldes ist eine gewisse Karnevalsmüdigkeit festzustellen. Wie sieht es diesbezüglich in Rennerod aus?

Peter Müller: Von Karnevalsmüdigkeit kann bei uns keine Rede sein. Wir hatten beispielsweise immer einen tollen und gut besuchten Altweiberball. Klar liegt es an der Planung und Musik, dass die Veranstaltung ins Schwanken geraten ist. Der Ball wurde immer gerne als Selbstläufer angesehen. Der Kartenvorverkauf für die Sitzung jedoch zeigt, dass die Leute Karneval noch gerne feiern. Wenn man zudem betrachtet, was aus der Idee der Vereinsgründung im Jahr 1999 wurde, so blickt man heute auf einen starken Verein und sieht Tanzgruppen, Gardisten und den Elferrat. Man kann also sehen, in der Karnevalshochburg Rennerod feiert man gern.

Thomas Grahl: Von Karnevalsmüdigkeit kann in Rennerod und der Umgebung ganz sicher nicht die Rede sein. Es herrscht eher Aufbruchstimmung!! Warum das so ist, das ist ganz einfach: Im Hohen Westerwald ist Karneval ein Miteinander, kein Neid und kein „wir sind besser als die anderen“. Zu Karnevalsgesellschaften in der Region besteht schon seit vielen Jahren eine enge Freundschaft; hier wird sich gegenseitig unterstützt und geholfen. So pflegt der Renneroder Karnevalsverein schon lange traditionelle Freundschaften nach Frickhofen zum „Närrischen Gardechor“, nach Willmenrod und zum alten und neuen Elferrat des Pottumer „PCC“. Freundschaftliche Bande bestehen auch nach Hellenhahn zu den „Latze Bejster“ sowie zu den Karnevalisten in Liebenscheid, Irmtraut, Seck, Waldmühlen, Driedorf, Waldernbach und Höhn. Wo Vereine mit den gleichen Zielen sich unterstützen können, tun sie es auch. Selbst wenn es einem Verein einmal schlecht gehen sollte, springt man mit in die Bresche und hilft, so gut man kann. Wann ich karnevalsmüde bin...? An jedem Morgen danach!

Was würden Sie den Menschen gegen Karnevalsmüdigkeit empfehlen?

Michael Franz: Das ist ganz einfach: Den Hintern aus dem Sessel heben, vor die Tür gehen und nicht nur vor der Glotze hocken.

Die Fragen stellte Michael Wenzel

Westerwald extra
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