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Westerburg

Heimatforscher Horst Jung recherchierte: Wie Westerburg einst mit Wasser versorgt wurde

Horst Jung aus Westerburg-Gerhasen befasst sich mit der Geschichte seiner Heimatstadt Westerburg. Bei seinen Recherchen widmete er sich auch der Wasserversorgung in früheren Jahrhunderten.

Das Westerburger Schloss wurde schon sehr früh von einer eigenen Wasserleitung versorgt. Die Quellfassung dafür befindet sich hoch oben im Forst, etwa wenn man heute vom Katzenstein zum gleichnamigen Restaurant geht. Fotos: Archiv Jung
Das Westerburger Schloss wurde schon sehr früh von einer eigenen Wasserleitung versorgt. Die Quellfassung dafür befindet sich hoch oben im Forst, etwa wenn man heute vom Katzenstein zum gleichnamigen Restaurant geht. Fotos: Archiv Jung
Foto: horst jung

„Die Versorgung mit Trink- und Gebrauchswasser wird den Bewohnern der Burg Westerburg und den Ansiedlern auf dem Schlossberg innerhalb der damaligen Stadtmauern schon in der Frühzeit erhebliche Kopfschmerzen bereitet haben“, meint Horst Jung aus Westerburg-Gershasen. Der Heimatforscher hat bei seinen Recherchen auch ein ganz besonderes Augenmerk auf die Versorgung von Westerburg mit kühlem Nass gerichtet, was in früheren Jahrhunderten gar nicht so einfach war. Hier sein Bericht.

In Folge der geologischen Zusammensetzung des Schlossberges gab es dort weder Quellen noch Tiefbrunnen. Das Schloss selbst jedoch wurde schon sehr früh von einer eigenen Wasserleitung versorgt. Von dieser Schlosswasserleitung wird auch die unmittelbare Umgebung etwas abbekommen haben. Die Quellfassung für diese Wasserleitung befindet sich hoch oben im Forst, etwa wenn man heute vom Katzenstein zum Restaurant “Zum Katzenstein” geht.

Die Quelle lag so hoch, dass die Leitung das Wasser bis hinauf in den Schlosshof brachte. Das Wasser lief hier in einem aus Stein gehauenen Trog aus. Was nicht gebraucht wurde, lief von hier aus in weitere Tröge, in denen sich die für die Schlossküche gefangenen Fische tummelten und entwässert wurden. Die Röhren für die Wasserleitung waren aus Holz, die dafür vorgesehenen geraden Baumstämme, meist aus Eiche, wurden mittels langer Bohrer ausgebohrt. Die Bohrmühle hierfür befand sich oberhalb der Schneidmühle am Wege nach Hergenroth, sie wurde 1848 während der Revolutionswirren abgerissen, weil sie sich auf privatem Boden befand und weil sie wegen der dafür genehmigten Wasserkraft ein dauerndes Streitobjekt zwischen Müller und Graf geworden war.

Von dieser Zeit an, also etwa ab dem Jahr 1849, wurden die Röhren in der Schlosserei Seck, heute Eckhaus Langgasse/Kirchgasse, ausgebohrt. Die Drehbank wurde mittels Handbetrieb angetrieben. Die Holzrohre waren durch kurze Eisenrohre verbunden, etwa alle 20 Meter saß ein gusseiserner Kontrollstutzen. Der Rohrmeister konnte anhand dieser Kontrollstutzen sofort feststellen, wo etwa die Leitung defekt war und sie auch dort abstellen. Ältere Mitbürger aus Westerburg erzählen heute noch gerne davon, dass sie als Kinder diese Kontrollstutzen aufgeschraubt haben, um den Rohrmeister zu ärgern. Wenn dann am Schloss kein Wasser ankam, wurde der Schlosser Otto Seck alarmiert, der dann an der Leitung entlang laufen und die Kontrollstutzen wieder zuschrauben musste. Die Röhren liefen durch den ganzen Wald oberirdisch, und zwar von der Quellfassung entlang dem Fußpfad unterhalb des Katzensteines, bis etwa zur heutigen Praxis Horsch, von hier aus ging sie unterirdisch bis in den Schlosshof. Wegen der Holzrohre und des dauernd laufenden Wassers konnte ihr der Frost nichts anhaben, sie konnte nie zufrieren. Die übrige Oberstadt wurde später mit öffentlichen, stationären Brunnen über Rohrleitungen versorgt, mit sogenannten Laufbrunnen. Der größte dieser Brunnen stand in der Kirchgasse auf einem kleinen Platz, etwa vor dem Hause Kirchgasse 10. Er war sechs- oder achtkantig aus Gussplatten hergestellt. Ein weiterer Brunnen stand vor dem Eckhaus Langgasse/Schaumgasse. Der Trog war aus Eisenguss in Rechteckform. Der dritte Brunnen in der Oberstadt stand mitten auf der Einmündung des Winner Weges in die Langgasse, er war von einer mächtigen Linde überschattet, die auch dem Gasthof “Zur Linde”, später Gertz/Schneider, den Namen gegeben hat.

Die Straße nach Winnen führte damals rechts und links an diesem Brunnen vorbei. Der Brunnen wurde einige Jahre nach dem Ersten Weltkrieg abgerissen, und bei dieser Gelegenheit wurde auch die Linde gefällt. Eine rumänische Firma hatte damals größere Mengen Langholz im gräflichen Forst geschlagen. Das Holz wurde über den Winner Weg am evangelischen Pfarrhaus vorbei und dann über einen Knüppeldamm, den man über das Gelände des nachmaligen „Braunen Hauses” gebaut hatte, zum Bahnhof abgefahren. Dabei waren Brunnen und Linde hinderlich und mussten entfernt werden. Dieser Brunnen wurde von einem Quellhäuschen gespeist, das sich links des Winner Weges in halber Höhe über den Häusern der früheren Gendarmen Wolf/Recknagel befand. Die Quelle besteht heute noch, das Wasser läuft allerdings ungenutzt weg.

Die beiden erstgenannten Brunnen wurden aus dem Röhrenfeld beziehungsweise der Altkirchswies gespeist. Das ist das Gelände hinter dem TÜV zwischen der Straße nach Hergenroth und der ehemaligen Eisenbahnstrecke Westerburg/Rennerod. Die Stadt Westerburg hat diese Quellen mit Bau der Hochdruckwasserleitung, etwa in den Jahren 1901/1902, für ihre Wasserversorgung ausgebaut und dort ein größeres Wasserhaus errichtet. Von hier wurde ab den 1930ern in der Hauptsache die Molkerei Westerburg mit Wasser versorgt.

Von unserem Redakteur Michael Wenzel

Das Vieh neben der Brücke getränkt

Ihre Wäsche haben die Leute aus der Oberstadt in der Hauptsache am Schafbach gewaschen. Das Stück Schafbach, etwa zwischen der Brücke nach Hergenroth und dem heutigen Rathausplatz, nennt man noch heute Wäschbach. Die Flur schreibt sich katastermäßig „In den Wiesgärten”, daraus lässt sich schließen, dass hier Wäsche gebleicht wurde.

Straße und Brücke von der Neustraße bis zum Neumarkt (Gartenstraße) wurden etwa in den Jahren von 1926 bis 1928 erbaut. Vor dieser Zeit gab es einen schmalen Gehweg durch die Gärten von der Neustraße bis zum Schafbach und zum Waschplatz. Ähnliche Waschplätze hat es auch in der Unterstadt unterhalb der Adolfstraße am Schafbach und am Mühlgraben sowie am Hilsbach gegeben.

Die alte Steinbrücke über den Schafbach nach Hergenroth, etwa 1937 abgerissen, trug den Namen Tränkbachbrücke. Hier neben dieser Brücke wurde einst das Vieh aus der Oberstadt getränkt.

Westerwald extra
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