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Film ab: Wie der Stöffel zum Set wurde

Angela Baumeier

Feuer und Flamme für diese „einmalige Location“ sind die Studenten der Filmakademie Baden-Württemberg, die im Westerwald ihren Diplomfilm unter dem Titel „Chocolate Man” drehen. Elf Tage lang haben sie den Stöffel-Park und den Wald bei Langenhahn dafür in Beschlag genommen.

Rund 60 Mann stark ist das internationale Team; der Hauptdarsteller David Brooks, der als Kriegsfotograf Nelson zu sehen ist, kommt aus London. Gedreht wird der Film zum Thema „Kriegsfotografie“ auf Englisch. Kameramann ist Julian Steiner, Regie führt Murat Eyüpt Gönültas, dem bereits mit »Jagon« ein hochwertiger Film, der klare Entertainment- und Genreelemente beinhaltet, gelang. Auch mit dem neuen Film „Chocolate Man“ wollen die Studenten der Filmakademie Baden-Württemberg über die Grenzen eines normalen Studentenprojektes hinausgehen und sich mit den Profis messen.

Producer Gabriel Waldvogel, der das Team zusammengestellt, Geldquellen angezapft hat, gleichzeitig hundert Dinge organisiert und auch für den Drehort mitverantwortlich ist, erzählt: Vier Monate lang wurde die passende Location für das Filmprojekt gesucht. „Dann hatten wir endlich was gefunden. Aber einen Monat vor Drehbeginn wurde uns abgesagt.“ Die Folge sei ein Heulkrampf gewesen. Dann spielte der Zufall eine glückliche Rolle: Im Internet suchte das Team nach „Lost Places“ (verlassene Plätze) – und entdeckte den Stöffel. Dessen Geschäftsführer Martin Rudolph erinnert sich genau daran, wie er im September per Telefon gefragt wurde, ob er sich vorstellen könne, dass der Stöffel zum Drehort wird? „Schon immer haben viele gesagt: Hier müsste mal gefilmt werden, ein Tatort beispielsweise“, erzählt Rudolph begeistert.

Foto: Martin Rudolph

Ein Tag nach dem Anruf reisten der Regisseur, der Kameramann und der Producer bereits an – und waren begeistert. „Wir haben Martin Rudolph die Hand gegeben und gesagt: Wir machen's“, erzählt Waldvogel fröhlich. „Das war ein Glücksgriff!“, sagt er, strahlt und listet als Pluspunkte auf: die guten Räumlichkeiten, die Infrastruktur, dass es zahlreiche Ferienwohnungen ringsum gibt, sodass es das Team zum Drehort nicht weit hat. „Ein Megaglücksgriff“, steigert sich Waldvogel und begründet: „Die Leute sind der Hammer! Sie sind extrem hilfsbereit. Das ist ein Traum.“

Vor allem schwärmt der Producer gemeinsam mit Produktionsleiterin Lisa Purtscher von dem einzigartigen Charme des Stöffels mit seinen alten Industrieanlagen, der so nicht repliziert werden könne. „Das ist ein Wunder, dass das hier besteht, die Geschichte lebendig gehalten wird.“ Angetan schwärmen beide unisono von der Patina der Gebäude, die Geschichte erzählen. „Das ist einmalig. Perfekt!“, sagen sie.

Perfekt für den Film „Chocolate Man“. Er solle nicht vordergründig politisch sein, aber aufwecken und nachdenklich machen, was Medien heute mit uns anstellen, beschreibt Waldvogel. Er fährt fort: „Es geht darum, dass wir in der Perversion von Schaulustigkeit untergehen.“

Im Mittelpunkt steht ein Kriegsfotograf, der ein kleines Mädchen (gespielt von Eline Doenst, Berlin) kennenlernt, das ihm die Augen öffnet. Im Film wird mit spektakulären Pyroeffekten gearbeitet, für die Martin Goeres zuständig ist. Bei den Sprengungen geht er immer dreimal auf Nummer sicher, berichtet der Producer. So wird beispielsweise auch die Kamera in einer Crash-Box gesichert, die mit einem Panzerglas geschützt ist.

Foto: Martin Rudolph

Geplant ist, den fertigen Film im Stöffel zu zeigen. Dann werden sich auch einige Westerwälder auf der großen Leinwand entdecken, die als Komparsen mitwirkten – und als Leichen dienten. Dafür wurden sie vorsorglich mit Wärmekissen in den Kostümen ausgestattet, um dem nasskalten Novemberwetter trotzen zu können, und andererseits gekonnt naturalistisch geschminkt. „Ich stand im Raum, und da drehte sich ein Komparse plötzlich zu mir um – mit einer echten Halswunde. Uff!“, schildert Waldvogel, wie brillant Tim Scheidig seinen Job als Maskenbildner beherrscht.

Ebenso wie für das Filmteam dauerte der Drehtag für die Komparsen den ganzen Tag. Dann gab's jede Menge positive Rückmeldungen, mit denen sich die Komparsen beim Team bedankten. Ganz klar: Sollte mal wieder welche gebraucht werden, jederzeit!

Ganz klar punktete nicht nur der Westerwald als Filmkulisse, sondern auch das Wetter spielte dem Vorhaben in die Hände. Die junge Produktionsleiterin führt aus: „Der Boden war nass, das spiegelt das Licht, sieht klasse aus. Ein richtiges Geschenk.“ Zum Glück habe es auch nicht geschneit oder die Zelte weggeweht. Gemeinsam mit Waldvogel betont sie abschließend: „Wir freuen uns, den Film hier zumachen.“ Ehrensache, dass er 2018 oder 2019 dann auch am Drehort gezeigt werden soll. „Es wird eine Westerwald-Premiere geben, am besten hier auf der tollen Basaltbühne“, blickt Waldvogel in die Zukunft.

„Diese Drehtage sind der Knaller“, begeistert sich Martin Rudolph für diese besondere Aktion, die Action pur in den Stöffel-Park bringt. Schon Wochen vor dem Drehbeginn seien Kameramann und Regisseur tagelang in dem Areal gewesen, hätten den Film schon im Kopf gedreht, erzählt Rudolph weiter. Als es dann so weit war, konnte das Team alles als Requisite gebrauchen, was sonst auf dem Schrottplatz lagert. Besonders beeindruckt haben den Geschäftsführer des Stöffel-Parks die sensationellen Sprengungen von Martin Göres. Kein Wunder, arbeitet dieser doch auch bei Hollywoodfilmen mit. Nun also im Westerwald. „Was man hier für Typen kennenlernt“, meint Rudolph, bevor er sich schnell eine Jacke anzieht, um ganz schnell noch einmal einen Blick auf die zu Ende gehenden Dreharbeiten zu werfen. Er will die nächste Sprengaktion nicht verpassen, die er vom Aufsichtsturm aus beobachten kann.

Von unserer Reporterin Angela Baumeier

Westerwald extra
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