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    Westerwald/Rhein-Lahn

    Linke-Kandidat im Porträt: Der rote Wanja gibt so schnell nicht auf

    Wäre da nicht ein kleines Logo „Die Linke“ am Briefkasten des Hauses am Rand des kleinen Orts Stein-Wingert, würde man gar nicht vermuten, dass hier der Alleinstehende Martin Klein wohnt, sondern eine Familie. Der Spruch über der Haustür „Grüß Gott! Tritt ein, bring Glück herein“ scheint jedenfalls auf den ersten Blick gar nicht zu einem Politiker der Linken zu passen.

    Im Moment hat Martin Klein eigentlich wenig Zeit, um durch seinen Wohnort Stein-Wingert und über die Nisterbrücke zu spazieren.  Foto: Markus Müller
    Im Moment hat Martin Klein eigentlich wenig Zeit, um durch seinen Wohnort Stein-Wingert und über die Nisterbrücke zu spazieren.
    Foto: Markus Müller

    „Das ist auch so“, antwortet der Kreisvorsitzende der Linken und Direktkandidat für die Bundestagswahl, als er die Tür öffnet. „Ich habe nur eine kleine Mietwohnung in diesem Haus“, erläutert der 58-Jährige, der auch schon mal „Hartzer“ war, wie er offen darlegt.

    Eigentlich wollte er uns mit auf den Weg zu seinem 84-jährigen Vater nehmen, der in Langenbach bei Kirburg wohnt. Weil das nicht funktioniert, geht es auf eine Runde durch das beschauliche Stein-Wingert an der Nister. Als Erstes fallen am Straßenrand Wahlplakate der SPD auf. „Ja, da muss ich unbedingt drangehen“, meint leicht bestürzt Klein, auch „der rote Wanja“ genannt, kurz vor der heißen Phase des Wahlkampfs. „Meine Parteifreunde sind aber auch immer früher dran. Ich bin leider oft der Letzte dabei.“

    Aber warum eigentlich „der rote Wanja“? Martin Klein lacht: „Als ich in der Schule war, waren gerade Buch und Märchenfilm „Die Abenteuer des starken Wanja“ aktuell, nach russischen Märchenmotiven von Otfried Preußler geschrieben. „Und schon damals habe ich mich wie der starke Wanja für die Schwachen eingesetzt. Da hatte ich schnell den Spitznamen weg.“ Später, als er in der alternativen Hachenburger Kneipe Kabarett machte, trat er dort dann auch als „Roter Wanja“ auf. „Viele meinen ja auch, weil ich oft sozialistische Ideale vertrete, ich stamme aus der ehemaligen DDR“, stellt Klein fest. „Aber ich bin ein waschechter Wäller aus Langenbach.“

    Beim Gang durch die nicht aus allzu vielen Häusern bestehende 280-Seelen-Gemeinde Stein-Wingert berichtet er von seinem politischen Werdegang: „Meine ursprüngliche Heimat war die SPD; mein großes Vorbild Willy Brandt. Ich war eifriger Juso. Doch mit Helmut Schmidt und dem Nato-Doppelbeschluss war es damit für mich vorbei, ich wurde Kommunist und trat in die DKP ein.“

    Leute im Auto fahren vorbei und winken Klein. „Hier kennt jeder jeden, ich wurde sogar schon von der Gattin eines Unternehmers mitgenommen. Ein Linker!“, sagt er und lacht. Da sein Herz immer den Schwachen in der Gesellschaft gehörte, trat er im November 1990 in die PDS, aus der später Die Linke wurde. Mittlerweile ist der Westerwälder Mitglied im Landesvorstand seiner Partei und neben Claudia Schmidt Kreisvorsitzender im Westerwald. Im Kreistag des Westerwaldkreises sitzt er seit 2009, zuerst allein, mittlerweile mit seiner Parteifreundin Ilona Knifka.

    Er kommt an der alten Mühle an der Nister vorbei, die nur am Wochenende geöffnet hat. „Hier bin ich früher oft mit meiner Familie gewesen.“ Seine Erinnerungen an früher, an Zeiten, als nicht nur bei den Jusos, den Kommunisten und den Linken noch wirkliche Kämpfe tobten, werden wach. „Das ist alles vorbei. Leider interessieren sich auch ältere Menschen nicht mehr so sehr für unsere Politik“, bedauert der Wahlkreiskandidat, der sich zum wiederholten Mal der Wahl stellt. „Aber immer mehr junge Leute interessieren sich für unsere Politik“, freut er sich. Er macht sich dennoch nicht allzu viele Illusionen, da der Kreisverband nur so etwa 50 Parteimitglieder zählt.

    Auf dem Rückweg durchs Dorf, das man ja eigentlich auch nicht gegen Berlin eintauschen will, wenn man sich seine idyllische Lage anschaut, kommt Klein auf seine Hobbys zu sprechen. Für sie bleibe ihm aber immer weniger Zeit. Neben seinem ehrenamtlichen Engagement arbeitet er mittlerweile auch hauptamtlich für Katrin Werner, behindertenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Deutschen Bundestag.

    „Früher war ich selbst in mehreren Kabarett- und Theatergruppen aktiv“, erinnert sich Klein gerne. „Heute noch liebe ich die Kleinkunst und interessiere mich für Literatur – Belletristik sowie Historisches und Politisches – und Bluesmusik. Aber auch ein Orgelkonzert höre ich mir ab und zu an.“

    „Oh, jetzt muss ich mich aber beeilen“, sagt Klein, als wir wieder an seiner Haustür unter dem „Grüß Gott“ stehen. „Ich muss noch zu einer Diskussionsveranstaltung.“ Obwohl er weiß, dass seine Chancen, in den Bundestag einzuziehen, mehr als gering sind, gibt der rote, der starke „Wanja“ Klein so schnell nicht auf. Oder gerade deshalb? „Vor allem will ich erreichen, dass möglichst viele Menschen meine Partei wählen.“

    Markus Müller

    Martin Klein

    Geboren am 15. August 1959; Bauschlosser, Umschulung zum Heilerziehungspfleger.

    18 Jahre im Altenpflegebereich tätig. 16 Jahre Betriebsratsvorsitzender; in Partei seit 1990. Kreis-vorsitzender im Westerwald.

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