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    Westerwaldkreis/Rhein-Lahn

    Grünen-Kandidat im Porträt: Michael Musil pflegt Visionen mit viel Realitätssinn

    Freudig springt Waldi an der Tür hoch, wenn Besuch kommt, denn Besuch findet er klasse. Waldi ist das neue Familienmitglied im Hause von Michael Musil, dem Westerwälder Direktkandidaten der Grünen für die Bundestagswahl. Und Waldi darf mit zum nahe gelegenen Hofladen, in dem Musil jeden Donnerstag Eier holt.

    Waldi darf mit zum Hofgut, Eier holen. Aber ihn interessieren die vielen Spuren am Wegesrand viel mehr. Michael Musil lässt dem Dackel wie auch dem Leben so viel Spielraum für eigene Entfaltung wie möglich.
    Waldi darf mit zum Hofgut, Eier holen. Aber ihn interessieren die vielen Spuren am Wegesrand viel mehr. Michael Musil lässt dem Dackel wie auch dem Leben so viel Spielraum für eigene Entfaltung wie möglich.
    Foto: Susanne Willke

    „Vom Biohof bekommen wir immer die frischen, angeditschten Eier, die nicht verkäuflich sind“, erklärt Musil und ist mitten in dem Thema, das ihn ganz besonders beschäftigt: der Tauschring. Seit 17 Jahren gibt es das Projekt, mit dem Musil für ein anderes Wertesystem ohne Zinsen kämpft: dem Regiogeld-Modell Tauschring Westerwald. „Leider wird es regelmäßig ignoriert oder sogar konterkariert“, erklärt Musil den Umstand, dass bisher nur wenige Mitglieder zum Donnerstagstreff kommen. Dabei kann jeder Teilnehmer sein Bürgergeldkonto mit einer virtuellen Währung auffüllen, indem er etwas in die Gemeinschaft einbringt. Die Besitzerin des Biohofes zum Beispiel bekommt demnach für ihre superfrischen Bioeier eine imaginäre Gutschrift auf ihrem Konto, mit der sie wiederum andere Leistungen, wie zum Beispiel Hilfe beim Hoffest, einkaufen kann.

    Das versteht Waldi nicht, aber er findet es schön, wenn Herrchen erzählt. Vor allem, wenn er dabei Gassi gehen darf. Auf dem Weg zum Biohof bleibt er oft stehen. Musil mit ihm. „Meine Frau hat ihn besser im Griff“, sagt er lachend, und zu Waldi, der sehnsüchtig in die Ferne schaut: „Nein, wir gehen nicht auf die Wiese, komm.“ Widerwillig trabt Waldi weiter. Der Hof ist noch nicht in Sicht. Zeit, Michael Musil, der Mandate im Stadtrat Montabaur, im Verbandsgemeinderat Montabaur sowie auch im Kreistag hat, zu fragen, was ihn sonst so umtreibt – außer Waldi natürlich. Dabei stellt sich heraus: Musils Lebenslauf ist ein bewegter, der ihn durch ganz Deutschland lotste, bis er 1994 wieder im Westerwald landete, wo er auch aufgewachsen ist.

    Neben Politik, Theater spielen und diversen Vereinstätigkeiten mit allen dazu gehörenden Arbeiten ist Michael Musil der Koch im Haus: „Ich setzte mich in aller Regel dafür ein, dass meine Frau, die ja noch arbeiten geht, ein geregeltes Mittagessen bekommt.“ Denn Musil ist gelernter Koch. Das Handwerk lernte er im Schwarzwald Mitte der 1960er-Jahre und übte es auch zehn Jahre aus. Bundesweit war er in führenden Häusern aktiv. Später rundete er die Ausbildung schließlich an der Hotelfachschule mit einem Abschluss zum Betriebswirt ab: „Weil mir damals schon klar war, dass der Leistungsdruck, der aufgebaut wird, auf Dauer nichts bringen kann“, sagt Musil. Das gehe zulasten der Qualität und des Personals, weil es immer nur darum geht zu wachsen. „Es ist widernatürlich, in einer begrenzten Welt ewiges Wachstum zu postulieren. Das funktioniert nicht“, ist sich der Grünen-Politiker sicher. Die Natur sei dafür das beste Beispiel: Sie wächst und vergeht jedes Jahr aufs Neue. In der Wirtschaft aber gehe es immer nur nach oben, und wenn es nicht mehr nach oben geht, stürzt das System ab: „Und das war in der Vergangenheit immer Krieg.“

    Michael Musil zelebriert deshalb auch privat ein ganz anderes Leben. In die Kühltruhe kommt jedes Jahr ein 50-Kilo-Wildschwein aus der Region. Und wenn es dann doch mal die Bratwurst sein muss, ist er bestürzt über den viel zu niedrigen Preis, der nur durch Massentierhaltung geboten werden kann, die Musil strikt ablehnt. „Und ich betreibe Gartenbau, mein Gemüse ist momentan voll in der Ernte, Zucchini, Tomaten, Paprika, ich habe auch schon den ersten Grünkohl geerntet“, erzählt er, „damit hat man eine ganze Weile gutes Biogemüse.“ So ist Musil nicht nur theoretisch ein Grüner, sondern auch ganz praktisch. Bei all dem bleibt er dennoch auf dem Boden der Tatsachen. Lebt, wo es nur geht, das papierlose Büro und plädiert für gesunden Naturschutz. Die Gründer seiner Partei seien Visionäre gewesen, wovon heute aber nicht viel übrig geblieben sei, außer ihm selbst. Musil lacht, als er dies sagt, meint es gleichzeitig aber auch ernst. Denn er behält seine Visionen genau im Auge. Waldi indes behält die Pferde genau im Auge, Wesen, die er noch nie in seinem kurzen Leben gesehen hat. Aber ihrem Blick hält auch er mutig stand. Susanne Willke

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