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Riesweiler

Bei Riesweiler verletzte Frau weiterhin in Klinik: Hirsch-Unfall sorgt für große Aufregung

Ein Soonwaldhirsch sorgt deutschlandweit für großes Aufsehen. Nachdem am Dienstag bei einer IVV-Wanderung eine Frau im Wald von Riesweiler schwer verletzt worden ist, haben zahlreiche Medien über den Vorfall berichtet. Experten sagen, es sei keine Attacke, sondern ein Unfall gewesen.

Scheuer Hirsch: Zusammenstöße mit Rotwild sind selten – die Tiere gelten keineswegs als angriffslustig. Foto: Dupuis
Scheuer Hirsch: Zusammenstöße mit Rotwild sind selten – die Tiere gelten keineswegs als angriffslustig.
Foto: Dupuis

Die Wandererin aus dem Kreis Bad Kreuznach wird nach wie vor im Krankenhaus behandelt, unterdessen bleibt der Unfall Gesprächsstoff. Im Rahmen der 17. IVV-Wanderung der Wandervereinigung Hunsrück war die 58-jährige Frau aus dem Nachbarkreis mit ihrem 64 Jahre alten Mann auf einer der drei angebotenen Strecken von 6, 10 und 16 Kilometern unterwegs. Laut Polizeibericht kam es dabei um 10.15 Uhr in der Nähe des Räzeborn bei Riesweiler zu dem folgenschweren Zusammenstoß mit einer Gruppe von Hirschen.

Verletzte Frau weiterhin im Krankenhaus

Wie die Polizei Simmern mitteilt, sprangen mehrere Hirsche unvermittelt über den Weg der Wanderer, eines der Tiere traf die Frau beim Sprung mit dem Vorderhuf. Augenzeugen berichteten, dass der Hirsch die Frau mit in den Graben riss, so heftig war der Aufprall. Während ihr Mann bei dem Unglück nur leicht verletzt wurde, musste die schwer verletzte Frau mit dem Rettungshubschrauber abtransportiert werden. Sie erlitt schwere Gesichtsverletzungen sowie eine Gehirnerschütterung. Weiterführende Untersuchungen in der Idar-Obersteiner Klinik ergaben zudem, dass sich die Frau eine schwere Schulterverletzung zugezogen hat. Welche Folgeschäden sie davontragen wird, lässt sich noch nicht absehen.

Unglücke wie jenes in Riesweiler sind überaus selten, erläutern Experten. "Ich habe so etwas in meiner 40-jährigen Laufbahn noch nicht erlebt", sagt Förster Berthold Schmidt, zu dessen Revier der Unglücksort gehört. Ebenso wie der langjährige Simmerner Forstamtsleiter und Kreisjagdmeister Hubertus Keimer geht Schmidt fest davon aus, dass bei den Tieren durch einen äußeren Einfluss ein Fluchtreflex ausgelöst wurde. "Durch Störungen geraten Hirsche relativ schnell in Panik", sagt Keimer, "sie greifen aber niemals an." Bei Wildschweinen, so erläutern die Experten, könne es durchaus zu Attacken kommen. Es sei deshalb anzuraten, schnellstmöglich Abstand zu gewinnen, wenn ein Rudel auf den Menschen zukomme. Beim Rotwild liegt die Sache aber anders. "Rotwild ist normalerweise harmlos und greift nie Menschen an", sagt Schmidt.

Rudel floh in Panik

Deutschlandweit ist in Medien von einer "Hirsch-Attacke" zu hören. Für die erfahrenen Fachleute war dies in Riesweiler aber nicht der Fall. "Es war ein unglückliches Zusammentreffen", sagt Schmidt. Auf der einen Seite ist die Paarungszeit gerade erst abgeschlossen, allgemein gilt diese auch beim Rotwild bis Mitte Oktober als höchst sensibel. Auf der anderen Seite tummelten sich an Allerheiligen Pilzsucher im Wald und aufgrund der IVV-Wanderung viele weitere Menschen, die sonst im Wald nicht anzutreffen sind. "Allein aus Jägersicht ist es keine gute Zeit für große Ansammlungen im Wald", sagt Schmidt. Insbesondere durch viele Wanderer, womöglich mit Hunden, kann Wild aufgeschreckt werden. Im Fall von Riesweiler ist es vermutlich zu einer panikartigen Flucht des Rudels gekommen.

Wie heftig ein von Panik gesteuerter Fluchtversuch sein kann, beschreibt Keimer mit Blick auf selbst erlebte Treibjagden, bei denen Rotwild versucht hat, durch die Reihen der Treiber zu brechen. "Die Tiere springen urplötzlich aus der Dickung", sagt er. Infolge des Windwurfs vor einigen Jahren sei die Vegetation am Räzeborn dickungsähnlich – die Wanderer konnten die mit Wucht und hohem Tempo anstürmenden Hirsche wohl erst registrieren, als es zu spät war.

Wandervereinigung reagiert geschockt auf Unfall

Schmidt und Keimer erklären, dass das Wild feste Wechsel hat, also angestammte Wege nutzt, um sich im Revier zu bewegen. Wenn Tiere auf diesen Wechseln in Panik flüchten, dann geschieht dies mit höchstem Tempo. "Eine Rotte Wildschweine geht zur Not auch durch einen Zaun", sagt Schmidt.

Sigrid Saam von der Wandervereinigung Hunsrück erklärt, dass die Wanderung an Allerheiligen bereits seit mehr als 30 Jahren stattfindet. Entsprechend groß war der Schock, dass es zu dem Unglück gekommen ist. "Wir haben von dem Unfall nur durch Zufall erfahren", sagt Saam, "andere Wanderer kamen in die Halle und haben davon erzählt." Angesichts des schönen Wetters am Feiertag sei der Zuspruch mit 850 Wanderern zwar gut, aber im Rahmen der vergangenen Jahre gewesen.

Volker Boch

Boppard Simmern
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