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Koblenz/Neuwied

Wassereimer-Folter: Neuwieder Rocker (30) erhält milde Strafe

Hartmut Wagner

Er transportierte 31 Kilo Drogen und folterte mit zwei Komplizen einen Drogensüchtigen mit Pfefferspray, Elektroschocker und Wassereimer. Aber: Der Neuwieder Anhänger (30) der Rockergang Gremium erhält eine ungewöhnlich milde Strafe – muss nur sieben Jahre und neun Monate ins Gefängnis.

Die Hände in Handschellen: So verließ der verurteilte Neuwieder Rocker (30) in Koblenz den Gerichtssaal. Archivfoto: Tom Frey
Die Hände in Handschellen: So verließ der verurteilte Neuwieder Rocker (30) in Koblenz den Gerichtssaal. Archiv
Foto: Tom Frey

Denn das Landgericht Koblenz rechnete dem Rocker hoch an, dass er als Kronzeuge ein „äußerst umfangreiches Geständnis“ ablegte und seine Ex-Kumpane schwer belastete. Der Vorsitzende Richter Andreas Bendel erklärte zu Prozessende: „Viele Straftaten hätten wir ohne das Geständnis nicht aufklären können.“ Das Gericht wertete die Taten des Rockers unter anderem als schwere räuberische Erpressung und Beihilfe zum Drogenhandel.

Der Rocker lebt heute in einer permanenten Bedrohungssituation: Er wurde im Gefängnis attackiert und wird aus Sicherheitsgründen von anderen Häftlingen isoliert. Sein Anwalt Kai Uwe Ritter sagte im Prozess: „Mein Mandant gilt als Verräter.“ Er habe einen Schlussstrich gezogen, könne nicht in die Rockerszene zurück – und habe mit seinem „Verrat“ vielleicht bis an sein Lebensende zu kämpfen.

So schilderte der Rocker im Prozess sein Leben in der Szene: Anfang 2014 soll er am Zaun des US-Luftwaffenstützpunkts in Spangdahlem (Kreis Bitburg-Prüm) eine Tasche mit Geld abholen, findet dort aber nur fünf Kilogramm Kokain und lässt sie aus Angst liegen. Sein Chef (39) bestraft ihn mit „Waterboarding“. Er wird von ihm und dessen Komplizen im Hinterzimmer einer Kneipe in Ochtendung (Kreis Mayen-Koblenz) niedergeschlagen. Dann ziehen sie seinen Kopf nach hinten, legen ein Tuch über seinen Kopf, übergießen ihn mit Wasser und erzeugen bei ihm das Gefühl des Ertrinkens. Er willigt ein, dass er seinem Chef 200.000 Euro schuldet – den Wert von fünf Kilogramm Kokain. Er soll seine Schulden abarbeiten. Darum pendelt er fortan als Geld- und Drogenkurier zwischen Neuwied, Koblenz und Bonn, transportiert insgesamt 29 Kilogramm Speed und zwei Kilogramm Kokain.

Der Rocker verübte mit seinem Chef und dessen Komplizen in derselben Ochtendunger Kneipe eine brachiale Gewalttat. So kam es laut seiner Aussage dazu: Im April 2014 wirbt er für seinen Chef einen Drogensüchtigen an, der in dessen Namen 500 Gramm Speed für 2500 Euro verkaufen soll. Der Süchtige erhält die Drogen – bezahlt aber nie. Darum fährt ihn der Rocker zu der Kneipe. Dort fallen sie zu dritt über ihn her: Der Chef attackiert ihn mit einem Elektroschocker, sein Komplize prügelt auf ihn ein und der Rocker besprüht ihn mit Pfefferspray. Dann tauchen sie ihn so lange mit dem Kopf in einen Wassereimer, bis er zu allem bereit ist. Er unterschreibt schließlich zwei Schuldscheine über insgesamt 7500 Euro.

Zu Prozessende machte auch Staatsanwalt Thorsten Kahl klar, dass er das milde Urteil für richtig hält. Er betonte, dass der Rocker ohne sein Geständnis „mit einer deutlich zweistelligen Haftstrafe“ hätte rechnen müssen – zumal er bereits 2015 in Trier wegen räuberischer Erpressung zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt wurde. Dieses Urteil wurde in das aktuelle Koblenzer Urteil einbezogen.

Von unserem Chefreporter Hartmut Wagner

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