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Roßbach

Veterinäre befreien halb verhungerte Tiere aus einem Haus in Roßbach

Mitarbeiter des Neuwieder Kreisveterinäramtes und Polizeibeamte haben in Roßbach insgesamt 26 zum Teil exotische Tiere aus einer bedrohlichen Lage befreit. Denn ein Privatmann betrieb dort offenbar seinen eigenen kleinen „Zoo". Dabei „hortete" er in einem angemieteten Haus neben Haustieren wie Hunden, Katzen, Kaninchen oder Chinchillas auch Exoten – vom Brillenkaiman über kleine Papageien, Wasserschildkröten und einen Steppenwaran bis zur Giftschlange. Allerdings kann laut Veterinäramt nicht ansatzweise von artgerechter Haltung gesprochen werden. Im Gegenteil. Wie die RZ erfuhr, waren nicht nur die Lebensbedingungen miserabel, sondern auch der Zustand der Tiere.

Foto: Jörg Niebergall

Roßbach – Mitarbeiter des Neuwieder Kreisveterinäramtes und Polizeibeamte haben in Roßbach insgesamt 26 zum Teil exotische Tiere aus einer bedrohlichen Lage befreit. Denn ein Privatmann betrieb dort offenbar seinen eigenen kleinen „Zoo". Dabei „hortete" er in einem angemieteten Haus neben Haustieren wie Hunden, Katzen, Kaninchen oder Chinchillas auch Exoten – vom Brillenkaiman über kleine Papageien, Wasserschildkröten und einen Steppenwaran bis zur Giftschlange. Allerdings kann laut Veterinäramt nicht ansatzweise von artgerechter Haltung gesprochen werden. Im Gegenteil. Wie die RZ erfuhr, waren nicht nur die Lebensbedingungen miserabel, sondern auch der Zustand der Tiere.

Der drastische Schritt war laut Behörde erforderlich, weil der Halter nach Einschätzung der Veterinäre trotz schriftlicher Verfügung vom März nichts zur Verbesserung der Lebensbedingungen für die Tiere unternommen hatte. Nach RZ-Recherchen war die Neuwieder Verwaltung durch einen Hinweis von den Kollegen des Kreises Ahrweiler überhaupt erst auf den Mann aufmerksam geworden. Im Nachbarkreis scheint er demnach schon einmal in Sachen Tierhaltung auffällig geworden zu sein.Nach etwa zwei Stunden war der Spuk in Roßbach vorbei. Um auf rechtlich sicherer Basis zu stehen, dokumentierte die Behörde sowohl die vorgefundene Art der Haltung als auch die einzelnen Tiere in Wort und Bild. Immerhin ist wahrscheinlich, dass es noch zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung kommt.Die befreiten Tiere sind derzeit im Neuwieder Tierheim (17) und im Zoo (9) untergebracht. Beide Einrichtungen stehen dem Veterinäramt bei vergleichbaren Aktionen als Partner und Aufnahmestellen zur Verfügung. Wie Zoodirektor Mirko Thiel im RZ-Gespräch erläutert, sind die Exoten allesamt in Quarantäne: „Schließlich wissen wir nicht, ob die Tiere gesundheitliche Probleme haben, die sich unter Umständen auf die Zootiere auswirken könnten." Wenn das und die Eigentumsverhältnisse geklärt sind, will der Zoo die Tiere möglichst bald wieder abgeben. Lediglich die ebenfalls gefundene Giftschlange musste laut Veterinäramt zunächst in Roßbach bleiben, weil es keine geeignete Unterbringungsmöglichkeit gibt. Sabine Bertgen, stellvertretende Leiterin des Neuwieder Tierheims, war bei der Aktion dabei. Wie sie berichtet, herrschte zunächst Fassungslosigkeit, als die Tierretter und der Vermieter die „halb verhungerten und größtenteils dehydrierten Tiere" im Gebäude in den eigenen Exkrementen herumlaufen sahen. Die Tier seien in einem sehr schlechten Zustand vorgefunden worden. Da waren zunächst mal drei Hunde, die allem Anschein nach nur im Haus eingesperrt gehalten worden sind, und Katzen, auf die die Behördenmitarbeiter noch überraschend unterm Dach stießen. Bertgen zeigt sich entsetzt: „Es war weder Futter noch Wasser zu sehen. Viele Tiere bestanden im Grunde nur noch aus Haut und Knochen."Letzteres traf auch auf die Kleintiere zu, die die „Retter" in einer Scheune fanden. Laut Bertgen stand da auch ein abgedeckter Käfig, in dem die bereits verendeten Tiere gelandet waren. Wie es dort und im Haus gerochen habe, könne man sich ausmalen.Doch das ist noch nicht alles: Zum „Privatzoo" zählten auch ein Brillenkaiman, ein Steppenwaran, drei Bartagamen und Wasserschildkröten. Diese Exoten holte das Veterinäramt ebenfalls aus dem vom Halter gemieteten Haus – und übergab sie in die Verantwortung von Zoodirektor Thiel.Natürlich wird diese Art der Tierhaltung für den Mann nicht ohne Konsequenzen bleiben. Die Palette möglicher Sanktionen reicht von einem Tierhaltungsverbot bis hin zu einem Strafurteil. Wie die Behörde weiter dazu mitteilt, muss sie zunächst prüfen, ob der Fall strafrechtlich zu untersuchen und damit an die Staatsanwaltschaft abzugeben ist.

Von unserem Redakteur Ralf Grün

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