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Kreis Neuwied

Supersonntag: OB- und Bürgermeisterwahlen versprechen spannend zu werden

Michael Fenstermacher

Der 24. September wird ein Superwahlsonntag im Kreis Neuwied. Denn die Menschen sind nicht nur aufgerufen, über die Zusammensetzung des 19. Deutschen Bundestages abzustimmen und gleichzeitig den nächsten Landrat im Neuwieder Kreishaus zu bestimmen, in zwei Verbandsgemeinden und der Stadt Neuwied werden auch noch neue Verwaltungschefs gesucht.

Extrem spannend dürfte dabei die Wahl des neuen Oberbürgermeisters von Neuwied werden. Seit Montagabend, 18 Uhr, ist das Teilnehmerfeld geschlossen. Ein weiterer Kandidat hat sich nicht mehr gemeldet. Davon ausgehend, dass der Wahlausschuss am Donnerstag feststellt, dass alle eingereichten Unterlagen die Auflagen erfüllen, treten vier Kandidaten an: Die CDU schickt Bürgermeister Jan Einig (41) ins Rennen, die SPD den Beigeordneten Michael Mang (36), die FDP ihren Stadtverbandsvorsitzenden Paul Peter Baum (62), und als Einzelbewerber geht mit Ulrich Adams (62) der Leiter des städtischen Rechtsamtes an den Start. Ein echter Favorit hat sich bislang nicht herauskristallisiert, Prognosen sind äußerst schwierig. Selbst Freunde und Parteigänger geben bei allem öffentlich zur Schau gestellten Optimismus zu, dass ein knappes Rennen zu erwarten ist und die Entscheidung wohl noch nicht am 24. September fällt, sondern erst drei Wochen später in der Stichwahl.

Die große Unbekannte ist Ulrich Adams. Der Mann, der seine SPD-Mitgliedschaft für den Wahlkampf und eine mögliche Amtszeit ruhen lässt, wird Michael Mang Stimmen kosten, auch wenn der sich eines starken Rückhalts bei seinen aktiven Parteigenossen sicher sein darf. 92 Prozent Zustimmung bei einer Versammlung, bei der die Sozialdemokraten zeigten, dass sie nach Köpfen immer noch die dominierende Partei in der Deichstadt sind, waren ein starkes Zeichen.

Auf der anderen Seite wird die Union im Wahlkampf herausstellen, dass zwei SPD-Kandidaten antreten. Das war schon bei Einigs Kür zu hören. Dass die gar mit 100-prozentiger Zustimmung endete, zeigt, dass die CDU ihre Chance unbedingt ergreifen will, erstmals den Neuwieder OB zu stellen. Doch eben das könnte sich auch als Bumerang erweisen, wenn politische Gegner transportieren, dass es der Partei vor allem darum geht. Außerdem wird Adams bei dieser Personenwahl auch in ihren Reihen wildern können. Als langjähriger Topjurist der Verwaltung ist er überparteilich angesehen, für ihn spricht die Erfahrung, die Einig und Mang eigentlich noch unter OB Roth sammeln wollten und sollten. Ob das aber gerade bei einem Wahltermin parallel zur Bundestagswahl reicht, um den beiden Kandidaten der großen Parteien gefährlich zu werden, ist unklar.

Höchstens Außenseiterchancen darf man dagegen FDP-Kandidat Paul Peter Baum zurechnen. Weder bei der OB-Kandidatur 2015 (11,5 Prozent) noch bei seiner Landtagskandidatur 2011 (2,0 Prozent) kam er in die Nähe eines Erfolgs. Hinzu kommt das aktuelle Nominierungsfiasko. Dass bei der FDP-Versammlung gerade einmal fünf stimmberechtigte Mitglieder anwesend waren, von denen auch noch zwei gegen ihn votierten, spricht nicht gerade dafür, dass er in seiner Partei Euphorie und Aufbruchsstimmung verbreitet.

Und wer wird der erste Bürgermeister der neuen VG Rengsdorf-Waldbreitbach? Das entscheidet sich zwischen drei Bewerbern. Als unbeschriebenes Blatt warf für viele überraschend Esther Bender von den Bündnisgrünen ihren Hut in den Ring. Gegen die Platzhirsche Hans-Werner Breithausen (SPD) und Christian Robenek (CDU) hat sie aber allenfalls Außenseiterchancen. Auseinander gehen dagegen die Meinungen darüber, ob denn nun SPD-Mann Breithausen oder CDU-Bewerber Robenek größere Chancen auf das Amt haben. Der Wahltermin dürfte dem Herausforderer in die Karten spielen. Bei einer Stichwahl aber würden diese neu gemischt. Und dann könnte plötzlich eine mögliche Wahlempfehlung der Grünen Gewicht bekommen.

Eine Überraschung in letzter Minute gibt es in der VG Asbach, wo bisher alles nach einem Sololauf für CDU-Bewerber Michael Christ ausgesehen hatte. Doch Montagnachmittag hat mit Sebastian Lahr noch ein Einzelbewerber seinen Wahlvorschlag bei Büroleiter Edmund Salz abgegeben – zusammen mit 182 Unterstützerunterschriften, 120 wären erforderlich gewesen. „Es war nicht unbedingt geplant, dass das auf den letzten Drücker passiert, aber ich war gerade in letzter Zeit beruflich ziemlich eingespannt“, sagt der 29-Jährige, der in Berlin als freier Journalist arbeitet, aus Asbach stammt und hier seinen Zweitwohnsitz hat. Mit seiner Kandidatur gehe es ihm auch darum, den Wählern zum bisher einzigen Bewerber „der seit 1991 bei der VG-Verwaltung arbeitet“, eine Alternative zu bieten, die für frischen Wind sorgen könne.

Fest steht mit dem Ablauf der Bewerbungsfrist am Montag um 18 Uhr auch, dass bei zwei Kandidaten der neue Bürgermeister der Verbandsgemeinde Asbach am Abend des 24. September feststehen wird. Der derzeitige Verwaltungschef Lothar Röser, der sich die Entscheidung darüber bis zuletzt offengehalten hatte, kandidiert nicht erneut. Seine Amtszeit endet am 31. Dezember. Bauamtsleiter Michael Christ, den die CDU bereits im Juli 2016 zum Kandidaten gekürt hatte, bekommt es also nach 2009 erneut mit einem parteilosen Mitbewerber zu tun. Seinerzeit war er Röser mit 43,9 Prozent unterlegen. Ein Wahlsieg Sebastian Lahrs wäre nach der Last-Minute-Bewerbung aber wohl eine noch größere Überraschung.

Von unseren Redakteuren Michael Fenstermacher, Robin Brand und Ulf Steffenfauseweh

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