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Neuwied/Koblenz

Sex mit Kind? Prozess gegen Rollstuhlfahrer beginnt neu

Er saß jahrelang wegen Kindesmissbrauch in Haft, kam in Freiheit – und soll sich erneut an einem Kind vergriffen haben: Im Mai 2014 hat das Landgericht Koblenz den Neuwieder (46), der im Rollstuhl sitzt, zu achteinhalb Jahren Gefängnis und Sicherungsverwahrung verurteilt. Jetzt beginnt der Prozess von vorne.

Von unserem Redakteur Hartmut Wagner

Gerhard Prengel, der Anwalt des 46-Jährigen, hat gegen das Urteil erfolgreich Revision eingelegt. Der Bundesgerichtshof hob es auf und verwies den Fall zur neuen Verhandlung und Entscheidung zurück an das Gericht (Az.: 3 StR 557/14).

Der Mann, der laut Anklage pädo-, uro- und koprophil ist, beteuerte am ersten Prozesstag seine Unschuld: "Ich habe diese Vorfälle nicht gemacht." Er sprach ruhig und konzentriert, ohne merkliche Emotion. "Also", fragte die Vorsitzende Richterin Monika Fay-Thiemann, "das stimmt alles nicht?" – "Ja." Er behauptete, das mutmaßliche Opfer – ein Nachbarkind – habe sich die Vorwürfe aus den Fingern gesogen, vielleicht um Aufmerksamkeit von seiner Familie zu erlangen. Er habe sich um den Jungen oft gekümmert, ihm beim Hausaufgabenmachen geholfen und ihn bei sich übernachten lassen. Er sei kein Kinderschänder, auch wenn er einräumte, dass er mit dem Jungen gemeinsam im Ehebett geschlafen habe.

Sein Anwalt versuchte bereits 2014, die Unschuldsbehauptung seines Mandanten mit einem medizinischen Argument zu untermauern: "Der Genitalbereich meines Mandanten ist wegen der Querschnittslähmung taub. Er kann keine sexuelle Lust mehr empfinden."

Mann wurde bereits 2007 verurteilt

Laut Anklage missbrauchte der Neuwieder das Nachbarkind zwischen 2010 und 2012 – beim ersten Übergriff war der Junge demnach 13 Jahre alt. Der Mann soll die Taten verübt haben, als der Junge ihn regelmäßig besuchte, um auf einer Spielkonsole zu zocken. Tatort soll mal das Wohn-, mal das Schlafzimmer gewesen sein.

Die Anklage warf dem Mann ursprünglich 161 Taten vor, aber im Prozess 2014 konnte der Junge nur sieben Taten konkret schildern – zum Beispiel wie ihm der Angeklagte Pornos zeigte und ihn dann begrapschte. Wegen dieser sieben mutmaßlichen Taten wurde der Mann 2014 verurteilt – nur um sie geht es im aktuellen Prozess.

Der querschnittsgelähmte Angeklagte ist ein vorbestrafter Kinderschänder: Das Landgericht verurteilte ihn bereits im Jahr 2007 wegen sexuellen Missbrauchs zu viereinhalb Jahren Haft. Er hatte zwischen 2003 und 2005 den Eltern von fünf Jungen erzählt, dass er sich einsam fühle. Die ließen es darum zu, dass ihre Söhne ihn regelmäßig in seinem Wohnwagen auf einem Campingplatz in der Verbandsgemeinde Selters besuchten. Er machte den Jungen Geschenke und vergriff sich an ihnen – fast 60-mal. Er streichelte sie und ließ sich von ihnen in den Mund urinieren. Bis sich ein Opfer seiner Mutter anvertraute. Als es damals zum Prozess kam, legte der Mann ein Geständnis ab und entschuldigte sich.

Er saß bis 2010 im Gefängnis, kam dann auf Bewährung frei, zog nach Neuwied, lernte den Jungen und dessen Eltern kennen. Dann soll es passiert sein. Wir werden weiter über den Prozess berichten.

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