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Heimbach-Weis

Schwere Vorwürfe gegen Neuwieder Polizisten

Schwere Vorwürfe gegen die Neuwieder Polizei: Das Ehepaar Ursula und Manfred Henrichs aus Heimbach-Weis hat zwei Beamte der Wache wegen Körperverletzung mit Todesfolge angezeigt. rem Redakteur

Prozessbeginn
Foto: DPA

Von unserem Redakteur Ulf Steffenfauseweh

Diese sollen ihren schwerbehinderten Sohn Jörg Henrichs (50) bei einem Einsatz wegen eines Nachbarschaftsstreits Ende Mai auf dessen Grundstück "mit einem Schlagstock sowie Fäusten und Tritten traktiert haben". Wenige Tage später starb der gehörlose und sprachbehinderte Mann im Krankenhaus.

Der Koblenzer Oberstaatsanwalt Rolf Wissen bestätigte unserer Zeitung die Anzeige, teilte jedoch mit, dass sich seine Ermittlungen auf den Vorwurf der Körperverletzung im Amt konzentrieren. Nach Obduktion und ergänzend eingeholtem neuropathologischen Gutachten sei der 50-Jährige eines natürlichen Todes gestorben. "Eine äußere Einwirkung konnte nicht nachgewiesen werden. Damit dürfte ein strafrechtlich relevanter Zusammenhang zwischen Polizeieinsatz und Todesfolge wohl nicht zu begründen sein", sagte Wissen.

Die Eltern sehen das anders. Sie glauben, dass der Schlaganfall eine Folge des Einsatzes ist. Ihr Rechtsanwalt Jürgen Trapet (Koblenz) zitiert dazu den Obduktionsbericht. Als Todesursache komme ein Blutgerinnsel in der Hirngrundschlagader in Betracht. Und weiter: "Eine vertebrale Arterienthrombose könnte durch eine Verletzung der Gefäßwand bei einer körperlichen Auseinandersetzung entstanden sein."

Auch Holger Weis, der mit dem Verstorbenen zusammengewohnt hat und sich selbst als "guten, alten Kumpel" sowie Betreuer bezeichnet, glaubt nicht an einen natürlichen Tod. Für ihn soll hier "etwas unter den Teppich gekehrt" werden. Denn Jörg Henrichs sei bis auf Diabetes und Bluthochdruck kerngesund gewesen. Nach dem von ihm selbst beobachteten Polizeieinsatz sei er "apathisch und nicht mehr in der Welt gewesen".

Hintergrund ist ein seit rund zehn Jahren dauernder Nachbarschaftsstreit. "Die haben ihn von morgens bis abends gepiesackt", sagt der Vater. Und die Polizei, so schildert Holger Weis es weiter, sei noch am Vortag am Ort gewesen, weil die Scheibe von Henrichs Gartenhaus eingeworfen wurde. Wie immer hätten die Beamten dem später Verstorbenen aber nicht geglaubt.

Dem fraglichen Einsatz sei dann erneut eine Auseinandersetzung vorangegangen. Die Nachbarn hätten Jörg Henrichs von der öffentlichen Straße aus provoziert, er habe daraufhin einen Zaun auf seinem eigenen Grundstück kaputt geschlagen und mit dem Holz um sich geworfen. Dies sollen die Nachbarn mit dem Handy gefilmt und die Polizei gerufen haben.

Laut Anwalt sind die Beamten wenig später auf das Grundstück eingedrungen, obgleich keine Gefahr mehr bestand, dass Henrichs die Nachbarn angreift. Sie hätten ihn "dermaßen in den Schwitzkasten genommen, dass er rot anlief und panisch versuchte, aus diesem Griff wieder herauszukommen". Anders als die Polizei es schildere, gebe es zwei Zeugen, die aussagen, dass der 50-Jährige die Beamten weder geschlagen oder dies versucht noch sie beleidigt habe.

Nachdem sie Jörg Henrichs dann gefesselt hatten, nahmen sie ihn zunächst mit auf die Wache, von wo aus sie ihn dann in die psychiatrische Klinik nach Waldbreitbach brachten. Von dort wiederum wurde er noch am selben Tag – laut Weis bereits bewusstlos – ins Neuwieder Elisabeth-Krankenhaus und von dort sofort weiter in die Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach gebracht. Fünf Tage später verstarb er, ohne wieder aufgewacht zu sein. "Da gibt es sehr viele Ungereimtheiten", klagt Mutter Ursula an. Und Vater Manfred ergänzt, dass sie nach 40 Jahren in Heimbach-Weis nun eine neue Heimat suchen wollen. "Wir haben unseren Sohn verloren, wir ziehen weg."

Die Polizei äußert sich zu den Vorwürfen mit Hinweis auf das schwebende Verfahren nicht öffentlich. Die Staatsanwaltschaft teilt zudem mit, dass sie verpflichtet ist zu ermitteln, "wenn ihr zureichende tatsächliche Hinweise auf verfolgbare Straftaten bekannt werden". Die Aufnahme von Ermittlungen bedeute jedoch weder, dass die Beschuldigten tatsächlich strafbar seien, noch dass für ihre spätere Verurteilung "eine überwiegende Wahrscheinlichkeit" bestehe, schreibt Rolf Wissen.

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