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Rengsdorf

Rückblick: Vor 40 Jahren begann der Bau des Rengsdorfer Wellenbades und die Begeisterung war noch groß

„Von nun an ging's bergab“: So lautet die Überschrift in der Rengsdorfer Chronik zum Kapitel über die 70er-Jahre. Und hätten die Bürger und Verantwortlichen gewusst, was auf sie zukommt, sie hätten 1972 sicherlich nicht gefeiert. Aber vor 40 Jahren war „die Begeisterung allenthalben groß“ als Richtfest für das Hallenwellenbad gefeiert wurde. Und die Pläne für einen Umbau liegen auf Eis, wie Monte-Mare-Marketingchef Jörg Zimmer auf RZ-Nachfrage bestätigt.

1972, vor genau 40 Jahren, wurde der Grundstein fürs Rengsdorfer Wellenbad gelegt. Wenig später begannen die Bauarbeiten.
1972, vor genau 40 Jahren, wurde der Grundstein fürs Rengsdorfer Wellenbad gelegt. Wenig später begannen die Bauarbeiten.
Foto: Archiv Niemeyer

Rengsdorf – „Von nun an ging's bergab“: So lautet die Überschrift in der Rengsdorfer Chronik zum Kapitel über die 70er-Jahre. Und hätten die Bürger und Verantwortlichen gewusst, was auf sie zukommt, sie hätten 1972 sicherlich nicht gefeiert. Aber vor 40 Jahren war „die Begeisterung allenthalben groß“ als Richtfest für das Hallenwellenbad gefeiert wurde. Und die Pläne für einen Umbau liegen auf Eis, wie Monte-Mare-Marketingchef Jörg Zimmer auf RZ-Nachfrage bestätigt.

Von unserem Redakteur  Ulf Steffenfauseweh

Heute ist immerhin die Verschuldungskrise, die der auch im Unterhalt für die Gemeinde viel zu teure Bau auslöste, bewältigt. Das Bad aber existiert auch nicht mehr.

Und die Pläne für einen Umbau liegen auf Eis, wie Monte-Mare-Marketingchef Jörg Zimmer auf RZ-Nachfrage bestätigt. „Die Planungen für Hotel und Therme sind vorerst eingestellt worden, nachdem der Bürgerentscheid das gesamte Vorhaben „Rengsdorf im Park“ gestoppt hat. Durch die zwischenzeitlich erfolgte Neueröffnung von Monte Mare in Andernach sowie an weiteren Standorten ruht das Projekt“, berichtet Zimmer, vergisst aber nicht zu betonen, dass sein Unternehmen weiter in die große Saunaanlage am Standort Rengsdorf investiert. „Wir haben verschiedene Sanierungs- und Umbaumaßnahmen durchgeführt, unter anderem eine Kamin-Lounge neu errichtet und Sanitäranlagen erneuert. Noch vor Beginn der Sauna-Saison im Winter soll auch das Außenbecken generalüberholt werden“, betont er.

Doch zurück zur Geschichte: Ende der 60er- / Anfang der 70er-Jahre hatte man große Pläne, wie es in der 2007 von der Gemeinde herausgegebenen Chronik zum 1150-jährigen Ortsjubiläum heißt. Rengsdorfs Position als einer der führenden Kurorte in Rheinland-Pfalz sollte ausgebaut werden.

In diesem Zusammenhang wurden 1970 erste Planungen zum Bau eines Hallenbades mit Hubbodens ausgearbeitet. Das sollte 8,6 Millionen DM kosten (von denen das Land vermutlich etwas mehr als die Hälfte übernommen hätte), wurde jedoch zugunsten eines Wellenbades verworfen. Das sah der Gemeinderat, der den Vorschlag einstimmig absegnete, als attraktivere und daher wirtschaftlichere Variante an – auch wenn der Baupreis dafür schon auf 11,8 Millionen Mark geschätzt wurde.

Doch das war noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Im Dezember 1971 präsentierte der beauftragte Unternehmer dem Rat eine derart günstige Rentabilitätsrechnung, dass die Mitglieder auch den um eine weitere Million Mark gestiegenen Kosten zustimmten. Als die Ermittlung der Architekten im Juli 1973 dann jedoch eine Summe von 18,5 Millionen DM ergab, wurde es enger. Zu diesem Zeitpunkt war der Haushalt für das laufende Jahr nämlich noch nicht genehmigt, sodass die Zahlungen an die Handwerker eingestellt werden mussten.

Wie Marieluise Dingeldey in der Chronik schreibt, wurden vor dem Veto durch Bürgermeister Weingarten trotzdem noch schnell die Aufträge zur Lieferung der Innenausstattung vergeben, sodass das Bad zu Ostern 1974 öffnen konnte und wenigstens keine Bauruine wurde.

Doch die Rechnung für die Gemeinde war happig. Nicht nur, dass der seit 1964 amtierende Ortsbürgermeister Otto Barg von seinem Amt suspendiert wurde, es mussten auch die Steuersätze kräftig erhöht und rund 122 Hektar Wald an das Land verkauft werden. Aufgaben wie Wasserversorgung und Brandschutz mussten an die Verbandsgemeinde übertragen werden. Hinzu kam, dass der jährliche Fehlbetrag durch den laufenden Betrieb des Bades wie ein Mühlstein um den Hals hing. Und nachdem ein Versuch, den Kur- und Badebetrieb auszugliedern, gescheitert war, war die Gemeinde schließlich froh, das Hallenwellenbad 1983 zum symbolischen Preis von 1 Mark an einen privaten Investor, der eine Investition in Höhe von 5 Millionen DM und die Fortführung des Badebetrieb für 20 Jahre garantierte, abstoßen zu können.

Es sollte schließlich 25 Jahre dauern, bis der neue Besitzer – Monte Mare – das Wellenbad dann schloss. Damit war es übrigens genau ein Jahr länger geöffnet, als die Gemeinde Rengsdorf brauchte, um wieder schuldenfrei zu werden. Und aktuell liegen mehr als 1 Million Euro in der Rücklage.

(Die ganze Geschichte Rengsdorfs (bis 2007) steht im Buch „1150 Jahre Rengsdorf. Ein Gang durch die Jahrhunderte“, das der Arbeitskreis Chronik unter Federführung von Marieluise Dingeldey geschrieben und die Gemeinde herausgegeben hat.)

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