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    Kreis Neuwied

    Rückblick: Als der Rhein fast zehn Meter hoch war

    Rund eine Woche braune Brühe in vielen, vielen Häuser: Vor genau 20 Jahren herrschte Ausnahmezustand im Kreis Neuwied. Nur 13 Monate nach dem Rekordstand von 10,28 Metern zu Weihnachten 1993 suchte Ende Januar 1995 das nächste "Jahrhunderthochwasser" die Rheinanlieger-Gemeinden heim.

    Von unserem Redakteur Ulf Steffenfauseweh

    Als der Strom langsam, aber immer mehr anschwoll, war zeitweise sogar ein neuer Höchststand befürchtet worden. Weil die Scheitelwellen von Rhein und Mosel glücklicherweise dann aber doch nicht exakt aufeinandertrafen, wurde es mit 9,96 Metern Wasserstand am Pegel Neuwied "nur" der dritthöchste je dort gemessene Wert.

    Dennoch: Hammerstein war während der letzten Januartage 1995 völlig vom Wasser eingeschlossen und nur noch per Boot erreichbar. In Unkel war in fieberhaften Arbeiten der Backesweg kurzfristig höher gelegt worden, sodass der Ort immerhin über diese Notstraße erreichbar blieb. In Linz verteilte die Feuerwehr per Boot "Essen auf Rädern" sowie Medikamente und transportierte Menschen zum Supermarkt oder Arzt. Wer nach Leutesdorf wollte, musste ab dem 25. Januar den Weg über die Weinberge nehmen. Und in Erpel musste sich die Feuerwehr schließlich sogar selbst evakuieren.

    In Linz gab das Martinus-Gymnasium mehrere Tage lang hochwasserfrei: Zum einen waren die Wohnungen von einem Drittel der Lehrer überflutet, zum anderen konnte die Sicherheit der Schüler nicht mehr gewährleistet werden, weil der örtliche Bahnhof vom Wasser eingeschlossen war.

    Warnsystem bewährte sich

    Bei allem Leid, das das erneute Hochwasser für die Menschen am Rhein mit sich brachte, gab es doch auch ein positives Resümee. Denn schon während der Katastrophe wurde klar, dass das Warnsystem deutlich besser funktioniert hatte als 1993. Betroffene und Helfer hatten sich rechtzeitig auf die Situation einstellen und entsprechend reagieren können. Die Menschen, die in Ufernähe lebten, brachten so ihr Hab und Gut meist früh genug in Sicherheit.

    In Linz hatte die Polizei ihr Stromaggregat aufs Dach verlegt, sodass dieses Mal kein Blackout drohte. Außerdem hatten viele Privatleute nach der vorangegangenen Katastrophe ihre Heizungen von Öl auf Gas umgestellt. So gab nur noch wenige Fälle, in denen große Tanks leck schlugen.

    Und das Zusammenspiel der vielen Einsatzkräfte funktionierte. Wie der damalige Kreisfeuerwehrinspekteur Franz Nassen gegenüber der Rhein-Zeitung ausführte, verlegten die Helfer kreisweit 1000 Meter Stege und füllten sowie verteilten 7100 Sandsäcke. Allein die Feuerwehr brachte 350 Mann in drei Schichten auf die Beine, im Einsatz waren 16 Tauchpumpen und 19 Boote.

    Außerdem waren ungezählte Freiwillige am Start. So waren die Sportler des Kanu-Clus fast ununterbrochen in Unkel und Erpel unterwegs, um den Menschen zu helfen. Insgesamt verhielt sich die Bevölkerung mit einigen Ausnahmen solidarisch und ruhig.

    Nach dem Hochwasser stellte Ministerpräsident Kurt Beck für die 60 000 Opfer im Land 30 Millionen DM Fluthilfe bereit. Den Gesamtschaden schätzte die Landesregierung auf 500 Millionen Mark. Außerdem legte das Arbeitsamt ein Sonderprogramm auf, durch das im Kreis Neuwied zwei Monate lang 55 Arbeitslose zum Aufräumen engagiert werden konnten.

    Neuwied Linz
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