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    Rheinbreitbach: Karneval in der Krise – Keiner will vorne stehen

    Schluss mit lustig. Der Rheinbreitbacher Karneval droht steht vor dem kompletten Aus zu stehen, wenn die KG "Me haalen et us" nicht doch noch einen neuen Vorstand findet. Andernfalls droht die Auflösung des Traditionsvereins, der in der vergangenen Session sein 111-jähriges Bestehen feierte.

    Thomas Sass (links) will gemeinsam mit Willi Pauli den Rheinbreitbacher Karneval retten.
    Thomas Sass (links) will gemeinsam mit Willi Pauli den Rheinbreitbacher Karneval retten.
    Foto: Nitsch

    Von unserer Mitarbeiterin Sabine Nitsch

    Stirbt die KG, heißt das konkret: keine Sitzung mehr, kein Kinderkarneval, keine Kostümparty, und es wird auch keinen Zug mehr geben. "Es geht ein großes Stück Lebensfreude in der einstigen Hochburg des Karnevals und auch ein Kulturgut verloren", meint Thomas Sass, der die KG derzeit kommissarisch leitet.

    Die Krise kam nicht überraschend. Der bisherige Vorsitzende, Chronist und Sitzungspräsident, Michael Siegel, hatte seine Ämter bereits Ende 2012 abgegeben und damals schon vermutet, dass es schwer werden würde, Ersatz zu finden. Auch die Vorstandsmitglieder Martin und Gerda Wensing sowie Zugleiter Wolfgang Schmitz stehen nicht mehr zur Verfügung. Bei der Jahreshauptversammlung im Juni war es nicht gelungen, diese Posten neu zu besetzen. "Die Leute haben die Jobs lange gemacht. Da kann man verstehen, dass jetzt mal andere ran sollen", zeigt Willi Pauli, der legendäre KG-Präsident, Verständnis. 30 Jahre lang hat der heute 80-Jährige die Sitzungen in Rheinbreitbach zu einer Zeit geleitet, als sich niemand vorstellen konnte, dass der Karneval unterm "Koppel" jemals auf der Kippe stehen könnte. Karten für die Sitzungen waren begehrt. "Wir mussten, weil der Andrang so groß war, sogar zwei Sitzungen stattfinden lassen", erinnert sich Pauli.

    Mangelndes Publikumsinteresse ist auch heute nicht das Kernproblem. In der Jubiläumssession waren die Veranstaltungen gut bis sehr gut besucht. Wochen vorher restlos ausverkauft war die Kostümparty am Karnevalssamstag. "Es ist kaum zu fassen. Aber die Leute warteten beim Vorverkauf schon morgens um 6 Uhr bei Eiseskälte auf Klappstühlen vor der Halle, um noch Karten zu ergattern", berichtet Thomas Sass. Er ist übrigens erst seit 2011, als seine Tochter Kinderprinzessin war, KG-Mitglied. "Da hab ich gesehen, wie toll die Gemeinschaft ist, und spontan beschlossen mitzuarbeiten." Dass er innerhalb von nur zwei Jahren die tragende Säule des Vereins werden würde, damit hatte er allerdings nicht gerechnet. Aber er stellt sich der Herausforderung und sucht jetzt neue Mitstreiter. Er und Pauli haben Hoffnung, dass es gelingen wird. Beim Parkfest habe es kaum ein anderes Thema gegeben als den Erhalt der KG und des Karnevals. "Alle sagten, das kann doch alles nicht wahr sein. Die KG darf nicht sterben. Da müssen wir mitanpacken", so Pauli. Aber er ist auch sicher, dass das jecke Treiben eine Runderneuerung braucht, um zukunftsfähig zu sein. Das Schlagwort heißt: Neuausrichtung des Vereins. Die Vorstandsarbeit soll auf mehrere Schultern verteilt und die Jugendarbeit intensiviert werden. Und vor allem: Der Spaß für die, die mitanpacken, soll wieder mehr im Vordergrund stehen. Bei den Sitzungen wäre es außerdem schön, so Pauli, wenn man zurück zu den eigenen, erfolgreichen Wurzeln gehen könnte. "Es müssen mehr heimische Kräfte auf die Bühne."

    Auch das dürfte eigentlich kein Problem sein. "Die Rheinbreitbacher haben komödiantisches Potenzial. Das war schon immer so. Das hat uns auch der ehemalige Verbandsgemeindebürgermeister Hans Hafner schon bescheinigt", meint er lachend. Das gelte auch heute noch. "Einen neuen Sitzungspräsidenten zu finden, wäre nicht so schwer. Es gibt hier viele Talente. Die müssen nur wollen, und sie müssen die Menschen hier kennen", meint er. Auch eine Frau kann sich die KG als jecke Führungskraft vorstellen. "Wir sind hier voll im Gender Mainstreaming", bekennt Sass schmunzelnd und wird wieder ernst. "Unser Problem ist, dass in Rheinbreitbach viele Zugezogene leben. Die Kinder gehen zwar hier zu Schule und in den Kindergarten und wachsen auch in den Karneval rein. Aber die Eltern machen nicht mit. Dabei ist gerade der Karneval eine integrative Komponente", bedauert er. Die Weichen für die Session sind übrigens schon gestellt. Ein Kinderprinzenpaar steht in den Startlöchern, und auch die Kräfte für die Sitzung sind schon gebucht.

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