40.000
Aus unserem Archiv
Neuwied

Rasselsteinareal wird Wohnviertel: Das ist bisher geplant

Ulf Steffenfauseweh

Gut drei Wochen ist es her, dass der Neuwieder Stadtrat in nicht öffentlicher Sitzung in Sachen Rasselsteinareal eine Vereinbarung mit dem türkischen Aluminium-Unternehmen ASAS abgesegnet hat. Darin ist festgehalten, unter welchen Voraussetzungen die Stadt auf ihr Vorkaufsrecht verzichtet, wenn ASAS – wie beabsichtigt, aber noch nicht formal vollzogen – das komplette Areal von Thyssen-Krupp erwirbt. Doch was haben die Partner festgelegt? Der Vertrag liegt der RZ jetzt vor.

Das Rasselsteingelände aus der Luft.
Das Rasselsteingelände aus der Luft.
Foto: Archiv Jörg Niebergall

1 In dem elfseitigen Papier geht es in allererster Linie um die von der Stadt angestrebte Wohnbebauung. Zur Erinnerung: Nach dem Konzept für die letztlich erfolglose Bewerbung um die Landesgartenschau und später für das Förderprogramm „Stadtumbau West“ sollte im südlichen Teil ein neuer Stadtteil entstehen. Das bleibt weiterhin das Ziel.

Konkret sind vier Bereiche abgesteckt, die nach und nach bebaut werden sollen. Über die Reihenfolge der Entwicklung kann ASAS selbst entscheiden, festgelegt ist aber, dass „spätestens fünf Jahre nach Satzungsbeschluss über den jeweiligen Bebauungsplan mindestens 10.000 Quadratmeter Wohnfläche“ bezugsfertig sein müssen. Grob gerechnet entspricht das 125 Wohneinheiten.

Sobald mindestens 80 Prozent dieser Wohnungen verkauft oder vermietet sind, muss ASAS die nächste Fläche in Angriff nehmen. „Mindestens 8000 Quadratmeter innerhalb von vier Jahren“, sind hier die festgeschriebenen Werte. Nach dem gleichen Prinzip geht es bis zum Endausbau weiter.

Wie Georg Breydy, ASAS-Berater aus Köln, auf RZ-Nachfrage ausführt, soll damit erreicht werden, dass sich der neue Stadtteil „organisch“ entwickelt. „ASAS fand die Idee der Wohnbebauung von Anfang an nicht schlecht. Da gab es nie Dissens. Es ging nur um Details“, sagt er und macht deutlich, dass das „von außen“ kommende Unternehmen das große Vertrauen der Stadt in den örtlichen Bedarf an Wohnraum nicht blind teilen und sich nicht entsprechend festlegen wollte. „Es bringt ja keinem etwas, wenn wir Geisterstädte bauen. Der Fehler ist in den 1970er-Jahren in meiner Heimatstadt gemacht worden, und letztlich sind dort soziale Brennpunkte entstanden. Das will niemand“, gibt er ein Beispiel und unterstreicht: „Wir wollen es lieber langsam entwickeln.“

2 Zweites wichtiges Zugeständnis aus städtischer Sicht ist, dass sich ASAS verpflichtet, auch „bezahlbaren Wohnraum“ zu schaffen. Innerhalb jedes Bebauungsgebietes sollen mindestens 10 Prozent der Wohnfläche nach dem Landeswohnraumfördergesetz förderungsfähig sein oder öffentlich-rechtlich gesichert einer Mietpreis- und Verkaufspreisbindung unterliegen. Weiter heißt es im Vertrag, dass ASAS „anstrebt“, den Anteil auf 20 Prozent zu erweitern.

Die Flächen A1 bis A4 sollen nacheinander mit Wohnungen bebaut werden. Fläche C wird der „Hafenpark“.
Die Flächen A1 bis A4 sollen nacheinander mit Wohnungen bebaut werden. Fläche C wird der „Hafenpark“.
Foto: privat

3 Als drittes verpflichtet sich das Unternehmen, im Überschwemmungsgebiet entlang der Wied (siehe Karte: Abschnitt C) einen „Hafenpark“ anzulegen. Der soll laut Breydy „attraktiv entwickelt“ werden – „mit mehr als nur Wiese und Bäumen“, wie er sagt.

Größter Pluspunkt der Vereinbarung für das Unternehmen hingegen dürfte sein, dass es selbst festlegen kann, wo genau gebaut wird. Somit kann ASAS auch dafür sorgen, dass Hafen und Bahnanschluss nutzbar bleiben. Hier hatte Breydy schon vor Wochen im Gespräch mit der RZ verraten, dass gerade diese Infrastruktur das Areal von anderen potenziellen Flächen unterscheidet und besonders attraktiv macht. Schließlich produziert ASAS Aluminium-Coils, ganz ähnlich der Stahlrollen von Rasselstein, und die sollen in Neuwied über diese Transportwege an- und ausgeliefert werden. Im Vertrag festgehalten ist dabei zudem, dass über den Bahnanschluss langfristig auch eine Anbindung des neuen Stadtteils an den Bahnhof erreicht werden soll. Darüber muss aber mit den Bahnanbietern verhandelt werden, sobald einen entsprechende Bewohnerzahl erreicht ist.

Unter dem Strich zeigt sich Breydy durchaus zufrieden mit der Vereinbarung. Man habe „lange und intensiv gerungen“, sei aber zu einer „fairen, tragfähigen Lösung“ gekommen, findet er. Oberbürgermeister Jan Einig, der sich aufgrund des nicht-öffentlichen Charakters der Stadtratssitzung nicht vor der offiziellen Pressekonferenz nach Unterzeichnung der Verträge mit Thyssen-Krupp äußern möchte, dürfte insgesamt sogar mehr als zufrieden sein. Nicht nur ist das Horrorszenario einer lange leer stehenden, zentralen Industriebrache verhindert. Der Stadt bleibt mit dem privaten Investor auch der äußerst schwierige, nur in einem finanziellen Kraftakt zu stemmende Weg erspart, das Gelände für eine Wohnbebauung selbst zu kaufen. Und schließlich ist im Vertrag eindeutig festgehalten, dass die Stadt für den Fall, dass ASAS seine Zusicherungen nicht hält, wieder ein Erstkaufsrecht hat.

Von unserem Redakteur Ulf Steffenfauseweh

Erste gewerbliche Anfragen sind schon eingegangen

ASAS geht es in erster Linie um die früheren Werkshallen von Rasselstein, in denen das Unternehmen nach einer Sanierung in knapp zweistelliger Millionenhöhe sein Zentrallager für Europa errichten möchte (wir berichteten). Es wird aber nicht sämtliche gewerbliche Flächen selbst nutzen, sondern auch im nördlichen Teil Flächen vermarkten. Und da gab es laut Georg Breydy schon eine durchaus erfreuliche Resonanz.

„Wir hatten mehrere Mietanfragen lokaler Unternehmen, die auf das Gelände ziehen möchten“, teilt er mit und spricht unter anderem von einem „größeren Unternehmen“, das sich gern ansiedeln würde. „Im Gewerbebereich gibt es viele, die danach lechzen, stadtnah an gewerbliche Flächen zu kommen, auf denen sie auch noch wachsen können“, sagt er. Darüber hinaus hätten sich mit der Bröhltalbahn und der Eifelbahn auch zwei Lok-Betreiber gemeldet, die Interesse haben, künftig Rangierarbeiten zu übernehmen. ulf

Neuwied Linz
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional
Nina Borowski

Nina Borowski

Regio-CvD Online

 

Mail

Anzeige
epaper-startseite
Regionalwetter Neuwied
Dienstag

4°C - 16°C
Mittwoch

6°C - 19°C
Donnerstag

9°C - 23°C
Freitag

8°C - 19°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach